Die Kalbenser Agrarveredelungsgesellschaft ist ein Betrieb, der sehr wasserabhängig arbeitet. Umso mehr beschäftigt die Unternehmensführung nun die Einführung des Wassercents in Sachsen-Anhalt.

Kalbe l Der Wassercent ist beschlossene Sache. Die Verordnung ist von der Landesregierung verabschiedet worden. Doch welche Auswirkungen hat sie auf Unternehmen wie die Kalbenser Agrarveredelungsgesellschaft, in der laut Geschäftsführung etwa 150000 Kubikmeter Wasser pro Jahr verbraucht werden?

Wie Tobias Grocholl - die Agrarveredelungsgesellschaft ist eine 100-prozentinge Tochter des Clenzer Familienunternehmens Grocholl - auf Nachfrage sagte, fehle ihm bislang leider eine ganz konkrete Aussage dazu, wie die Umsetzung der Verordnung aussehen werde. Er habe seinen Kenntnisstand aus Pressemitteilungen gewonnen. Fakt sei aber: "Mit dem Wassercent kommt mal wieder eine Belastung mehr auf uns zu", sagte der Unternehmer.

Voraussichtlich müsse die Agrarveredelungsgesellschaft künftig fünf Cent pro Kubikmeter Wasser bezahlen. Denn das sei, sagte Detlef Thiel, Pressesprecher des Landes-Umweltministeriums, der Betrag, den der Wasserversorger, also der Wasserverband Gardelegen, zu entrichten habe. Dieser sei aber verpflichtet, kostendeckend zu arbeiten, und werde sich das Geld dann über eine Umlage vom Verbraucher zurückholen. Auch in diesem Fall, sagt Tobias Grocholl, wirke sich für die Agrarveredelungsgesellschaft negativ aus, dass ihr bislang kein eigener Brunnen genehmigt worden sei, obwohl "seit elf Jahren" darum gerungen werde.

Denn durch den Wassercent würden vor allem jene belastet, die die öffentliche Wasserversorgung nutzen würden. In Niedersachsen, wo der Stammsitz der Firma existiere, gebe es zwar auch den sogenannten Wasserpfennig, doch stünde dort Wasser aus dem eigenen Brunnen zur Verfügung, was die finanzielle Belastung für den Betrieb deutlich einschränke.

"Erweiterung ist von unserer Seite erst einmal auf Eis gelegt"

Geschäftsführer Tobias Grocholl

Ohnehin könne er die Argumentation der hiesigen Landesregierung nur schwer nachvollziehen. Die sage zwar, dass der Wassercent in anderen Bundesländern längst gang und gäbe sei. "Es wird aber vergessen, dass es dort auch eine andere Infrastruktur gibt", sagte Grocholl.

Die Landesregierung hofft mit der neuen Verordnung auf Mehreinnahmen von etwa zehn Millionen Euro, die in erster Linie für wasserbauliche Maßnahmen und Hochwasserschutz eingesetzt werden sollen. Da diese Gelder aber Gegenstand des Haushaltes sind, muss sich der Landtag im Zuge der Haushaltsdebatte noch einmal damit befassen. Sollten die Einnahmen aus dem Wassercent nicht auf Null gesetzt werden, würde dieser dann rückwirkend zum Januar 2012 erhoben, wie Ministeriumssprecher Detlef Thiel bestätigte. Er verwies aber auf die Möglichkeit, eine in der Verordnung verankerte Härtefallklausel zu nutzen. Diese greife, wenn durch den Wassercent eine besondere wirtschaftliche Härte entstehe und die Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens drastisch eingeschränkt werde.

Tobias Grocholl sagt, dass es im Fall der Kalbenser Agrarveredelungsgesellschaft, in der derzeit 80 Mitarbeiter tätig seien, um eine Mehrbelastung von mehreren tausend Euro pro Jahr gehe. Kunden des Unternehmens wäre es kaum vermittelbar, wenn sich daraus eine Verteuerung der Produkte ergeben würde. Also müsse versucht werden, dies anderweitig zu kompensieren.

Aber nicht nur deshalb, sondern vor allem angesichts der "herbeigeredeten Rezession haben wir die geplante Erweiterung der Agrarveredelungsgesellschaft von unserer Seite erst einmal auf Eis gelegt", erklärte Tobias Grocholl. Er und sein Bruder Sebastian hatten im Juli bei einem Besuch von Landrat Michael Ziche erklärt, über eine Erweiterung nachzudenken. "Doch dazu", so der Clenzer Unternehmer, "bräuchten wir in Kalbe einen eigenen Brunnen."