Eine akute Gefahr für Genthin besteht weiterhin nicht. Anders sieht es in den vom Hochwasser direkt betroffenen Gebieten aus. Gestern erreichte die Stadt ein Hilferuf aus Wust, wo Sandsäcke benötigt wurden. Nicht nur dort zeigten die Genthiner wieder einmal spontan Einsatzbereitschaft.

Genthin l Egal, ob Kleintransporter, Pkw-Anhänger oder Firmen-Lkw. Gestern Mittag standen die Fahrzeuge Schlange auf dem Gelände der Genthiner Gilde-Beton. Grund war ein Hilferuf des Katastrophenstabes des Landkreises Jerichower Land. In Wust im Landkreis Stendal wurden zur Sicherung der Deiche Sandsäcke aus der Kanalstadt angefordert. Genthins Bürgermeister reagierte umgehend und rief im Internet zur Mithilfe auf.

Privatleute wie auch Gewerbetreibende folgten dem Aufruf umgehend. Eine halbe Stunde nach dem Aufruf wurden bereits erste Sandsäcke in Transportfahrzeuge verladen. Bereits am frühen Nachmittag waren rund 10 000 Sa¨cke auf dem Weg in den Landkreis Stendal. Letztlich landeten die Genthiner Sandsäcke zur Deichsicherung in Melkow. "Wir wollen dort helfen, wo unsere Hilfe benötigt wird", begründete unter anderem Jaqueline Haas, Niederlassungsleiterin der Firma Sporkenbach, ihr Engagement.

"Für uns versteht sich die schnelle Hilfe von selbst", sagte Sitec-Niederlassungsleiterin Karin Lienert. Das Unternehmen hatte für den Transport der Sandsäcke sieben seiner 14 Firmen-Lkw im Einsatz.

Eine Selbstverständlichkeit war die Hilfe auch für die Firma SecAnim. Ein Fahrer sei dafür extra freigestellt worden. "Wären wir von den Fluten betroffen, würden wir uns auch über die Hilfe freuen", hieß es aus dem Büro von Geschäftsführer Siegfried Kochanek. Mit den Genthiner Sandsäcken konnte der Deich in Melkow gesichert werden.

Erfreut über das Engagement seiner Genthiner zeigte sich am Nachmittag Bürgermeister Thomas Barz. Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist großartig", lobte er. Während er das sagte, wurde es auch schon turbulent im Rathaus.

Es hieß, dass aus den Bereichen Wulkow, Wust, Briest und Kabelitz evakuierte Personen in der Genthiner Sporthalle ankommen sollten. Diese Situation stellte sich am Nachmittag allerdings anders dar. Vor Ort waren noch immer die DRK-Mitarbeiter verschiedener Bundesländer, die zuvor in Lostau im Einsatz waren. "Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht und wo wir untergebracht werden", hieß es von den Helfern auf dem Gelände.

Ob und wie viele Menschen aus dem Landkreis Stendal nach Genthin kommen, stand gestern Abend noch nicht fest. Bürgermeister Barz informierte einige Mitarbeiter der Verwaltung, um eine mögliche Aufnahme der Evakuierten in Genthin zu organisieren. Bis zum Abend war dies allerdings nicht notwendig. Auch konnte ein Teil der DRK-Kräfte in der Sporthalle verbleiben.

Daneben hielt die Hilfsbereitschaft der Genthiner weiter an, wie ein Beispiel aus der Uhlandstraße belegt. "Unser Träger, die Elbe-Havel-Werkstätten, sind vom Hochwasser besonders betroffen und können die Versorgung der Kinder nicht mehr durchführen", erläuterte die Leiterin der Kita Zwergenland Ute Schenk. Eine kurze Nachfrage im Seniorenheim "Haus Georg Stilke" und schon war das Mittagessen der Kinder gerettet.

"Klar versorgen wir die Kinder mit" meinte Küchenchefin Thea Britzke. Für diese unkomplizierte Hilfe bedankten sich die Kinder gestern mit einem Stänchen bei den Küchenmitarbeiterinnen.

 

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