Genthin l Auch wenn der Katastrophenfall gestern aufgehoben wurde, wird auch das trockene Genthin noch für einige Tage die Folgen des Hochwassers zu spüren haben. Das gilt in erster Linie für den Bahnverkehr, der jetzt durch die Kanalstadt von und nach Berlin rollt. Aber auch Reisende in Richtung Magdeburg brauchen Geduld.

"Wieder mal die Schranken runter", flucht der routinierte Kraftfahrer an der Karower Straße und wundert sich insgeheim, dass der Halt eigentlich nicht in den "zeitlichen Regelfall" passt, zumal dann auch noch ein Hochgeschwindigkeitszug die Kanalstadt passiert. Der Grund ist ein einleuchtender: Das Elbe-Hochwasser zieht wie überall große Einschränkungen im Bahnverkehr nach sich. Insbesondere durch die Überflutung der Schnellfahrstrecke Hannover-Berlin bei Stendal leitet die DB viele Fernzüge von und nach Berlin weiträumig um. So etwa die ICE-Linie 10 Berlin-Hannover-Köln/Düsseldorf, die jetzt zwischen Hannover und Berlin via Braunschweig und Magdeburg verkehrt, übrigens durchaus nicht zum Ärger der Elbestädter. Die Genthiner dürften kaum Vorteile aus der Umleitung haben, es sei denn, sei wollen in Magdeburg in Richtung Rheinland zusteigen.

Für die Reisenden, das gab die Bahn auf Anfrage zur Auskunft, entstünde mit der Umleitung auf der Strecke Berlin-Düsseldorf eine Reisezeitverlängerung von etwa einer Stunde.

Der Streckenabschnitt Helmstedt-Magdeburg-Berlin war 1995 für insgesamt 1,245 Millionen Euro auf einer Länge von 163 Kilometern nach modernen Vorgaben ausgebaut und durchgehend elektrifiziert worden, so dass Hochgeschwindigkeitszüge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h die Strecke passieren können. ICE-Züge machten in der Folge dennoch einen großen Bogen um Genthin, weil Stendal nach den Plänen der DB in der Streckenführung den Vorzug erhalten hat. So werden sich die Durchfahrten der Hochgeschwindigkeitszüge in Genthin nur auf ein Intermezzo während des Hochwassers beschränken.

Für Berufspendler, die auf die Bahn angewiesen sind, um nach Magdeburg zu kommen, ist auch noch in den nächsten Tagen keine Normalität in Sicht. Aber es gibt eine gute Nachricht: Die Bahn kann mit der Freigabe der Elbbrücke am Mittwoch vergangener Woche wieder die Nahverkehrsverbindungen Magdeburg-Burg, Magdeburg-Dessau-Leipzig und Magdeburg-Lutherstadt Wittenberg bedienen.

Aus Kapazitätsgründen, unter anderem wegen der Einrichtung einer hochwasserbedingten Langsamfahrstelle, werden die Züge der RE 1 (Regionalexpress) jedoch auch weiterhin in Biederitz enden bzw. beginnen, teilte die DB auf Volksstimme-Anfrage mit. Es ist Informationen der Bahn zufolge in Biederitz für Reisende der RE 1 ein Übergang zur Regionalbahn 31 von/nach Magdeburg Hbf vorgesehen. Zu den Zeiten, in denen kein Zugangebot der Regionalbahn 31 bestehe, sei ein Busersatzverkehr eingerichtet. Das bedeutet für Pendler und Reisende von/nach Genthin, dass sie nach/von Magdeburg in Biederitz auf die Regionalbahn 31 umsteigen müssen. Nur zwei Verbindungen des Regionalexpress, Abfahrt in Genthin um 6.59 Uhr und 5.33 Uhr, sind davon nicht betroffen, sie verkehren bis Magdeburg-Neustadt. Mit Aussagen, wann sich die Lage wieder normalisiert, will sich die Bahn allerdings nicht festnageln lassen: "Wann sich diese Situation entspannt, kann im Moment noch nicht gesagt werden", hieß es in der Pressemitteilung.

Informationen zu den Reisemöglichkeiten gibt es unter der kostenlosen Servicenummer (08000) 99 66 33 oder im Internet unter www.bahn.de/aktuell