Im Vergleich zum Vorjahr scheint Natalie Netzel kein bisschen gealtert zu sein, als sie Landrat Lothar Finzelberg und Bürgermeisterin Jutta Mannewitz am Sonntag zu ihrem 102. Geburtstag begrüßt.

Von Arlette Krickau

Güsen l Generell scheint die Zeit bei ihrem Äußeren mit etwa 80 Jahren stehen geblieben zu sein. "Das macht die gute Pflege hier. Jeden Tag wird mein Gesicht gut eingecremt. Das hält es geschmeidig, faltenfrei und jung", erklärt sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

Die jetzt 102-Jährige lebte bis 2007 noch in Zerben in ihrem Haus, dann zog sie in das Pflegeheim Kastanienhaus in Güsen um. "Aber hier ist es auch schön", meint sie mittlerweile. Das lange selbstständige Leben hat sie fit gehalten, davon möchte die aus der Sowjetunion stammende Frau jetzt nicht ablassen. "Alles, was ich noch machen kann, das mache ich auch. Und bis jetzt bin ich froh, mich noch bewegen zu können und auch vom Verstand her noch klar zu sein", sagt sie selbstbewusst. Jeden Tag würde sie noch Zeitung lesen oder auch Romane. "Auch wenn ich abends im Bett liege, bis das Licht ausgemacht wird", sagt sie und die Schwestern im Haus können das bestätigen. Zwar trage sie eine Brille, aber lesen können sie ohne Probleme auch ohne die Sehhilfe, sagt das Geburtstagskind und setzt zum Beweis an und liest aus der Urkunde, die ihr Lothar Finzelberg überreichte, vor.

Er besucht Natalie Netzel zum dritten Mal an ihrem Geburtstag. "Und sie ist wirklich gut drauf", bestätigt der Landrat das seit drei Jahren kaum veränderte Bild. Und er staunt nicht schlecht, als die gestandene Dame ihm erzählt, dass sie nach einem Oberschenkelhalsbruch im Vorjahr jetzt noch einmal laufen gelernt hätte. "Zwar muss ich den Rollator zur Hilfe nehmen, aber ich kann wieder laufen", erzählt sie.

Und das nutzt sie aus. Ist viel unterwegs, macht aktiv bei allen Sportübungen mit und auch bei Bastelnachmittagen ist sie fast immer dabei. "Ich fühle mich für nichts zu alt. So lange Körper und Verstand mitmachen, mache ich mit. Es ärgert mich schon fast, wenn ich andere sehe, die tagsüber irgendwo sitzen und schlafen. Das kann man doch in der Nacht genug", stellt sie fest.

Und deshalb konnte sie auch in diesem Jahr wieder eine Urkunde beim Sportfest der Einrichtung erreichen, auch wenn sie lieber noch den Pokal bekommen hätte, gesteht sie. Aber stolz ist sie trotzdem auf ihre Leistung, deshalb ist ihre Urkunde auch gerahmt und hängt in ihrem Zimmer zusammen mit der Medaille. "Ich werde so lange laufen, bis ich umfalle. Ich will nicht im Bett liegen und auf den Tod warten", sagt Natalie Netzel zum Schluss. "Eine starke Frau", sagen die Schwestern, die mit im Raum sind, bewundernd.