Gestern haben Thomas Dietert (28) und Elly Kern (27) mit ihrem Kajak auf der Donau die deutsch-östereichische Grenze überquert. Vor zwei Wochen waren sie in Ulm zum globalen Triathlon aufgebrochen. Ziel der ersten, 2500 Kilometer langen Etappe ist das Schwarze Meer.

Genthin/Vilshofen l Freunde der beiden Genthiner Abenteurer wie Sebastian Hahn oder Eric Maahs lagen Mitte der vergangenen Woche richtig mit ihren Vermutungen: Sonntag müssten sie Österreich erreichen, sagten beide nahezu übereinstimmend. Das hätte lässig klappen können - wenn es die Genthiner auch ernsthaft angegangen wären. "Wir sind zeitlich gut unterwegs, übertriebene Eile ist nicht angebracht", sagte ein gutgelauter Thomas Dietert am Sonntagabend im Telefongespräch mit dem Genthiner Rundblick. Wie vereinbart hatten sich die Genthiner am Wochenende in Vilshofen mit zwei Freunden getroffen, mit denen sie nun gemeinsam weiter fahren werden.

Während das Kajak am Sonntag noch auf deutscher Seite an Land lag, wechselte Thomas Dietert schon mal auf Schusters Rappen auf die österreichische Seite, um für den mitgeführten Benzinkocher an der Tankstelle, die sich am gegenüberliegenden Ufer befindet, knapp einen Liter Benzin zu kaufen. "Ein Katzensprung, nur etwa 800 Meter", sagte Dietert am Handy.

Den "Deutschland-Abschnitt", Start war vor 14 Tagen in Ulm bei Kilometer 2249 und Ankunft in Vilshofen bei Kilometer 2577, ist damit für die beiden Genthiner geschafft. Im Schnitt legten sie mit ihrem Kajak täglich etwa 30 bis 35 Kilometer zurück.

Anfänglich war das Genthiner Kajak-Team nahezu ungestört unterwegs, erst ab dem Kilometer 2412, bei Kehlheim, änderte sich dies. Dann wird die Donau schiffbar und ist als eine Bundesschifffahrtsstraße ausgewiesen. "Ab hier teilen wir die langsam breiter werdende Donau mit Kähnen und Schubeinheiten bis 130 Meter oder am Abend mit hellbeleuchteten zwei bis drei etagigen Ausflugsdampfern", berichtet Thomas Dietert. Die Deutschlandstrecke führte die beiden Genthiner unter anderem entlang der Städte Neuburg, Regensburg, Straubing, Deggendorf und durch das Landschaftsgebiet Weltenburg.

Die Donau fließt mit drei bis neun Stundenkilometern, wobei die Genthiner noch etwas drauflegten und eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von vier bis zwölf Stundenkilometer erreichten. "In der nächsten Zeit wollen wir noch etwas zulegen, so richtig viel war das bisher noch nicht", schätzt der 28-jährige Abenteurer ein. Leichte Ermüdungserscheinungen in den Armen, zwei, drei Bläschen an den Händen sind die "Schattenseiten" für viele schönen Erlebnisse, von denen die beiden Genthiner zum Auftakt ihres globalen Triathlons schwärmen.

Am Telefon fiel es am Sonntagabend Thomas Dietert trotzdem nicht schwer, einen kurzen sachlichen Bericht zu geben: "Bisher klappt alles wunderbar. Wir haben Spaß, erfreuen uns an der Natur, sehen fast täglich ein herrliches Schauspiel von Bibern, Reihern, Eisvögeln, Fasane oder Fische, die an der Wasseroberfläche springen. Das Wetter meinte es wirklich gut mit uns. Wir haben nachts noch nicht gefroren. Ein Gewitter hatten wir nachts, als wir im trockenem Zelt lagen. Auf dem Wasser sind wir bisher erst in einen Schauer geraten, aber Dank der Spritzdecke vom Boot und der Regenjacken hat er uns keine Probleme bereitet".

Von den 20 Staustufen, die zu überwinden waren, haben die beiden fünf Bootsschleusen mit Hilfe eines Bootswagens umtragen, ansonsten haben sie sich selbst geschleust. Elly, berichtet Thomas, sei recht erschrocken gewesen, als sie das erste Mal in einer leeren Kammer saß und von unter aus die sechs Meter hohen Schleusenwände betrachtete.

In stetiger Sorge um das Wohlergehen seines Enkels Thomas bleibt der 91-jährige Otto Dietrich aus Altenplathow, auf dessen Namen das Kajak zum Auftakt des einjährigen Abenteuers getauft wurde (Volksstimme berichtet). Täglich telefonieren der alte Herr und sein Enkel miteinander. "Er denkt immer, wenn in Genthin schlechtes Wetter herrscht, ist das bei uns auch so. Oft müssen wir ihn dann eines Besseren belehren. Bei uns ist alles in Ordnung", sagt Dietert. Auch etwas Romantik haben die beiden im Riesegepäck, wie der 28-Jährige schildert. So gebe es abends nach dem Sonnenuntergang im Kerzenschein ein Gute-Nacht-Schnäpschen und dann genieße man die Stille am Donauufer.

Die erste Etappe des Globalen Triathlons führt die Lehrerin und den Landschaftsökologe mit dem Kajak durch zehn Länder auf der Donau bis zum Schwarzen Meer. Das wollen sie in einem Zeitfenster von drei Monaten geschafft haben. Ein besonderer Tag wird für die beiden der 29. Juni sein, wenn sich die Genthiner mit Aktionen in den Donau-Tag einbringen, der von allen Anrainer-Staaten begangen wird.

Ziel der zweiten Etappe wird Südostasien, das von Thomas Dietert und Elly Kern per Trekking bereist wird. Dann geht es weiter nach Neuseeland, wo sich die das Team ein halbes Jahr aufhalten will. Wenn die Reisekasse aufgebessert ist, steigen beiden aufs Fahrrad. In einem Jahr werden die Abenteurer, die sich während ihres Studiums in Greifswald kennengelernt haben, wieder in ihrer Heimatstadt erwartet.

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