Genthin l Auf dem antiquarischen Markt sind Originalschriftstücke des Schriftstellers Edlef Köppen aufgetaucht, die auch die Stadt- und Kreisbibliothek, die seit 1996 seinen Namen trägt, gern zur Erweiterung ihres Köppen-Nachlasses erwerben würde. Das Anliegen trug Bibliotheksleiterin Gabriele Herrmann dem Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss vor.

Die Briefe sind bereits geprüft worden. "Sie sind einzigartig und würden der Arbeit mit dem Nachlass gut tun." Es ist davon auszugehen, dass die Stadtbibliothek nicht der einzige Interessent ist.

Seit 2004 gibt es den Edlef Köppen-Freundeskreis, der der Bibliothek bei ihrer Aufgabe, Namen und Werk des Genthiner Sohnes zu pflegen, behilflich ist. Als Beispiel nannte Gabriele Herrmann die Abschrift handschriftlicher Briefe. Diese in ein lesbares Dokument zu verwandeln sei ein "umfangreiches Unternehmen" und ein Aufwand, der nur ehrenamtlich geleistet werden könnte.

Die Ausschussmitglieder freuten sich über die zur Verfügung gestellten Köppen-Produktionen, die in der Stadt- und Kreisbibliothek entstanden sind, darunter ein Hörbuch, das vor allem für die Schulen des Landkreises gedacht ist, und Band 1 zur Köppen-Forschung.

Derzeit unterstützen Bibliothek und Freundeskreis einen Hörbuchverlag, der den "Heeresbericht", Edlef Köppens wichtigsten Roman, in einer Volltextversion produzieren möchte. Außerdem besteht Kontakt zu einer Universität in Conneticut. Dort arbeitet man an einer neuen englischsprachigen Version des "Heeresberichts", da die bislang einzige aus dem Jahr 1931 nicht mehr zeitgemäß ist. Zudem wird durch einen Stendaler Autor die Herausgabe eines Köppen-Buches geplant. Hier sind die Genthiner wiederum bei der Recherche behilflich. In Vorbereitung ist zudem anlässlich seines 120. Geburtstages ein Köppen-Jahr mit monatlichen Veranstaltungen.

Die Erschließung des bis dahin nicht wirklich erkannten Schriftstellers und Rundfunkpioniers Edlef Köppen habe den Standort Genthin attraktiver gemacht, sagte Gabriele Herrmann. Sie versicherte, dass bei einer Befürwortung durch den Ausschuss auch Spenden und Fördermittel eingeworben werden sollen. Zur Preisspanne machte sie keine näheren Angaben.

Der Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss gab mit einem einstimmigen Votum Gabriele Herrmann grünes Licht, um die Briefe zu verhandeln. Damit ist aber noch nicht gesagt, dass die Stadt die notwendigen Eigenmittel auch zur Verfügung stellt.

"Der Köppen-Nachlass ist wichtig, aber bei unserer Haushaltslage investiere ich lieber in Leben als in 80 Jahre altes Papier", sagte Dr. Gordon Heringshausen (CDU). Schließlich befinde sich die Stadt in Konsolidierung, merkte Dr. Hubert Schwandt (Feuerwehr Parchen) an.

Die Masse habe Edlef Köppen noch nicht wahrgenommen, räumte Lutz Nitz (Bündnis 90/Die Grünen) ein, aber der Schriftsteller habe für Genthin durchaus Bedeutung, setzte Horst Leiste (SPD) hinzu.