Die Osterwiecker Stadt-und Jugendbibliothek soll in den Bunten Hof ziehen, denn das Fallstein-Gymnasium benötigt die jetzigen Räume für die eigene Nutzung. Einzelheiten zu dem Umzug hat der Sozialausschuss bekanntgegeben.

Osterwieck l Die Mitglieder des Osterwiecker Sozial-und Bildungsausschusses haben sich zu ihrer jüngsten Sitzung in der Stadt-und Jugendbibliothek getroffen. Seit zehn Jahren befindet diese sich bereits im Keller des Fallstein-Gymnasiums. Nun erklärte der Ausschuss, wie es mit der Bibliothek künftig weitergehen soll.

"Wir brauchen die Räume dringend zur eigenen Nutzung", erklärte Ausschussmitglied Brigit Försterling, die als Lehrerin am Fallstein-Gymnasium arbeitet. "Zum Mittagessen sitzen unsere Schüler praktisch auf dem Flur. Ein Raum zur Essenaufnahme ist dringend nötig", so Försterling. Einen kleineren Bibliotheksraum wollen die Lehrer zudem zur separaten Betreuung einzelner Schüler nutzen. Er solle dazu dienen, um Schüler Klassenarbeiten nachschreiben zu lassen oder Kinder einige Stunden einzeln zu beschulen. So lerne beispielsweise ein autistischer Junge am Fallstein-Gymnasium, der ab und an durch pädagogische Mitarbeiter betreut werde. "Außerdem haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben, vielleicht doch irgendwann einen Schulsozialarbeiter zu bekommen, der bräuchte ebenfalls einen Raum für seine Arbeit", erklärte Försterling.

Eine andere Möglichkeit, die eigenen Räume zu nutzen, sei der Lehrerin zufolge die Nachmittagsbetreuung der Schüler. Da das Fallstein-Gymnasium eine Ganztagsschule ist, seien Räume für die Nachmittagsbeschäftigung der Kinder und Jugendlichen wichtig, die klar von den Klassenräumen getrennt sind. "Bisher werden die Schüler in den Unterrichtsräumen betreut. Wir haben kein einziges Zimmer übrig, alle sind momentan belegt", weist Försterling auf die schwierige Situation in der Schule hin.

Die Bibliothek soll in den Bunten Hof ziehen, wenn dieser fertig saniert ist. Dort stünden laut Hauptamtsleiter Manfred Riecher etwa 120 Quadratmeter für die Bücher zur Verfügung. Das sei weniger Platz, als die jetzigen Räume im Fallstein-Gymnasium hergeben.

Auf dem Papier funktioniere diese Lösung jedoch gut, warf Bibliotheksmitarbeiterin Kathrin Mannewitz ein, die bereits mit dem Konzept für den neuen Standort vertraut ist. Mit dieser Lösung gebe es keine Qualitätsverluste für die Bibliothek. "Auch die Betriebskosten wären nicht höher, im Gegenteil", so Manfred Riecher.

Dem Hauptamtsleiter zufolge gebe es kein anderes vernünftiges Ziel für den Umzug der Bibliothek als den Bunten Hof. Dieser sei deshalb schon so gut wie beschlossen.

Sozialausschussmitglied Rüdiger Seetge drückte dennoch Zweifel an dem Standortwechsel aus. "Wir wissen doch mittlerweile, dass einige Fallstein-Schüler sich Bücher ausleihen, nur weil die Bibliothek in ihrer Schule ist. Die Bibliothek hier zu haben, ist ein richtiges Erfolgskonzept", sagte er. Die Besucherzahlen würden seiner Meinung nach schlagartig schrumpfen, hebe man den unmittelbaren Kontakt zu den Gymnasiasten auf. Birgit Försterling beschrieb hingegen: "Ich hatte manchmal eher den Eindruck, als hätten einige Erwachsene Hemmungen gehabt, ihre Bücher in der Schule auszuleihen. Vielleicht kommen in den Bunten Hof wieder mehr von ihnen."

Die Lehrerin könne sich vorstellen, dass ihr Kollegium eine Ausnahmeregelung für die Schüler treffen könnte. "Etwa eine Absprache, dass die Kinder den Schulhof verlassen dürften, um zur Bibliothek zu gehen", erklärte sie. Im Bunten Hof sollen übrigens auch Wohnungen für behinderte Schüler des Gymnasiums entstehen.

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