Die ehemalige Deesdorferin Hilda Krense ist jetzt 100 Jahre alt. Ein Besuch in ihrem Geburtsort gehört seit vielen Jahren zum Ritual an ihrem Ehrentag. Auch in diesem Jahr hat sie sich dieses heimatliche Treffen nicht nehmen lassen und nach der Kaffeerunde gab es als Überraschung einen Gottesdienst für sie.

Deesdorf l "Natürlich habe ich auch schon einige Problemchen, aber nach Deesdorf komme ich immer besonders gern", sagt die jetzige Halberstädterin. "Wegen meines hohen Alters kenne ich die meisten Einwohner nicht mehr, viele aus meiner Verwandtschaft sind bereits verstorben".

Eine besonders enge Beziehung gibt es jedoch: Sigrid Schmidgunst bereitet vor Ort den Ehrentag mit der Familie vor. Die Kaffeetafel fiel in diesem Jahr besonders groß aus. Ehrengäste waren schon am Vormittag in ihr Halberstädter Domizil gekommen. Hier lebt Hilda Krense seit 1961 in einer Genossenschaftswohnung. Sie kommt ohne fremde Hilfe im Alltag zurecht, kein Pflegedienst muss eingreifen. "Mein Sohn kommt alle zwei oder drei Wochen und macht die großen Einkäufe", sagt die Jubilarin. Die täglichen Besorgungen erledigt die 100-Jährige noch selbst. "Kochen ist meine Leidenschaft", gesteht sie. Auch das Saubermachen der Wohnung gehört dazu. "Nur die hohen Fenster lasse ich lieber aus". Sie freut sich auf Besuch, trifft sich mit Bekannten zum Kaffeekränzchen.

Die Überraschung zu ihrem Geburtstag war der Besuch in der Deesdorfer Kirche. Diese ist heute nur noch selten für Gottesdienste geöffnet, doch Sigrid Schmidgunst, Astrid Henkel sowie Ingrid und Detlef Bartolmä haben es möglich gemacht. Die Andacht übernimmt Waltraud Ulbrich aus Wegeleben, eine ehrenamtliche Predigerin. Alle Glocken läuten, als die Gäste, darunter Wegelebens Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer (CDU), die Kirche betreten. "Hier wurde ich konfirmiert, geheiratet habe ich meinen Mann in Gröningen", erinnert sich die Jubilarin. "Lobet den Herrn", stimmt die Predigerin an, die es nach eigenen Angaben "auf die Hälfte der Lebensjahre" bringt. Hilda Krenses Elternhaus steht in Deesdorf und es zieht sie immer wieder hierher. Der Krieg hat die Ehe mit ihrem Kurt viel zu schnell beendet. Die guten Beziehungen zur Familie seien aber immer geblieben. Zur Erinnerung an den Ehrentag überreicht Waltraud Ulbrich ein Buch mit einem Psalm und einen bronzenen Stein mit einem Kreuz. "Man braucht heute etwas als Halt", sagt sie bei der Übergabe. Bevor es zur Segnung an den Altar geht, wird die 100-Jährige gefragt, ob sie Hilfestellung benötige. "Nein, das schaffe ich allein," ist die Antwort.

Feier wird nach dem Kirchenbesuch fortgesetzt

Nach dem Gottesdienst geht es wieder in die Deesdorfer Gaststätte, wo noch viele Erinnerungen mit Verwandten und Bekannten ausgetauscht werden. Hilda Krense ging einst in Deesdorf in die Grundschule, führte dann einen Arzthaushalt in Halberstadt und lernte dort das Kochen. Mitten im Krieg heiratete sie ihren Kurt. Von den beiden Söhnen hatte der nicht viel, er starb als Soldat in Russland. So musste sie die Kinder versorgen, war von der Dienstpflicht aber nicht verschont. Nach fünf Jahren in der Würstchenfabrik folgte ein angenehmerer Arbeitsplatz in der Uhrenfabrik. Zweimal besuchte sie ihren Sohn Karl-Heinz, der in Moskau studierte. "Da konnte man schon stolz sein." Nach der Wende folgten weitere Auslandsbesuche. Die Jubilarin dürfte heute eine der ältesten Leserinnen der Volksstimme in der Region sein. In Deesdorf ist übrigens der nächste öffentliche Gottesdienst für Sonntag, den 13. Oktober, zum Erntedankfest geplant.

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