Im Verein "Freunde fürs Leben" sorgen Senioren-Technik-Botschafter dafür, dass ältere Menschen mit neuer Informations- und Kommunikationstechnik vertraut werden. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Halberstadt l Vor fünf Jahren gegründet, zählt der Halberstädter Verein "Freunde fürs Leben" inzwischen 352 Mitglieder und gilt als größter sozialorientierter Verein im Landkreis Harz. Er machte sich zur Aufgabe, die verschiedenen sozialen Aktivitäten der Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt (WGH) zu bündeln und dauerhafte soziale Strukturen in den Wohnquartieren und darüber hinaus zu schaffen.

"Damit werden Projekte unterstützt, die gute Nachbarschaften pflegen und ausbauen sowie dem Kontakt der Menschen untereinander dienen."

Landrat Martin Skiebe

Grundlage der Vereinsarbeit waren und sind die Erfahrungen aus dem erfolgreichen Programm "WGH-WohnenPLUS", so WGH-Vorstand Karl-Heinz Schönfeld, der auch Vorsitzender des Vereins ist, bei einer Zusammenkunft im Vereinstreff am Breiten Weg, wo er die Bundestagsabgeordnete Heike Brehmer (CDU) und Landrat Martin Skiebe (parteilos) willkommen hieß. "Damit werden Projekte unterstützt, die gute Nachbarschaften pflegen und ausbauen sowie dem Kontakt der Menschen untereinander dienen. Die Förderung der Jugend- und Altenhilfe, die Unterstützung und Beratung von älteren, gesundheitlich beeinträchtigten bzw. hilfsbedürftigen Personen im täglichen Leben sowie die Förderung von Bildung und Erziehung zählen ebenfalls dazu."

Vor zehn Jahren wurde das langfristige Konzept der Wohnraumanpassung für alle 4000 Wohnungen der Genossenschaft beschlossen. Nach dem Grundsatz "Wenn sich das Leben ändert, kann sich auch die Wohnung ändern" schafft die WGH in Zusammenarbeit mit Kranken- und Pflegekassen die Voraussetzungen, dass ältere oder mobilitätsbeeinträchtigte Menschen im gewohnten Umfeld bleiben können. Schönfeld verwies unter anderem auf die 13 Fahrstuhlanlagen, die in zehn Jahren eingebaut wurden und denen noch 16 folgen werden.

Die Begleitung des erfolgreichen Programms "WGH-WohnenPLUS" ist jedoch nur ein Betätigungsfeld des Vereins, in dem 30 Interessengruppen an drei Standorten regelmäßig zusammenkommen. Es existieren unter anderem mehrere Sport- und Kreativgruppen, ein Chor, ein Kochklub, eine Skatrunde, Sprachkurse und Gruppen, die sich im Umgang mit moderner Technik wie Computer und Handys beschäftigen.

Inzwischen startete ein neues Projekt, das über Computerkurse für Senioren hinaus geht. Das Besondere am neuen Angebot in Halberstadt: Nach dem Motto "Von Älteren für Ältere" werden die Kurse von Senioren, sogenannten Senioren-Technik-Botschaftern, geleitet, die ihren Altersgenossen den Nutzen von moderner Technik im Alltag nahebringen. Das Kursangebot wird keinesfalls "trocken" sein. An modernen Tablet-PCs können die Senioren Nützliches, Informatives und Lustiges ausprobieren. Angst vor der modernen Technik müsse dabei niemand haben. Die Kursangebote richten sich sowohl an Menschen mit Vorerfahrung als auch an Anfänger.

Möglich wurde das in Sachsen-Anhalt einzigartige Projekt durch eine Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. "Wir haben einen Antrag gestellt", berichtet Schönfeld, "und noch vor der Bundestagswahl informierte uns Heike Brehmer, dass wir zu den 18 Auserwählten in ganz Deutschland gehören, die gefördert werden." Inzwischen ist der Zuwendungsbescheid eingetroffen, die Primacom verlegte einen kostenlosen Highspeed-Anschluss und ein Elektronikgroßmarkt sorgte nach Ausschreibung für die zehn PC-Tablets. Mit Elfi Rudolph und Siegfried Seyffert stehen die ersten Senioren-Technik-Botschafter fest. Weitere sollen folgen und als Multiplikatoren Kenntnisse und Erfahrungen mit neuer Informations- und Kommunikationstechnologie an andere weiter vermitteln.

Siegfried Seyffert, Gründungsmitglied des Vereins, beschäftigt sich seit Jahren mit Computern. "Die Technik schreitet in großen Schritten voran, da müssen mithalten. Wenn wir nicht dran bleiben, sind wir weg vom Fenster", sagt er und spricht von einem "Glücksfall, dass die WGH diese Möglichkeit geschaffen hat". Er sei stolz, als Botschafter ausgewählt worden zu sein. "Ich will anderen die Scheu vor der Technik nehmen. Es ist aber auch wichtig, dass wir uns gegenseitig helfen und unser Wissen weitergeben."

Heike Brehmer, die symbolisch den Fördermittelbescheid übergab, sprach von einem gewissen Zeitaufwand, der sich aber lohne. "Man kann viel dazu lernen, sich Wissen aneignen und mit anderen kommunizieren. Wichtig ist, die Hemmschwelle abzubauen." Die Abgeordnete freut sich über die Unterstützung durch die Hochschule Harz. Prof. Dr. Birgit Apfelbaum vom Fachbereich Verwaltungswissenschaften hat Spaß an der Arbeit mit den Senioren und versichert, das Projekt weiter zu begleiten.

Landrat Skiebe, der die Schirmherrschaft übernommen hat, lobt die Initiativen des Vereins, ist begeistert von der Angebotsvielfalt und vom neuen Projekt. Er hält dieses schon vor dem Hintergrund, dass die Menschen im Landkreis älter werden, für außerordentlich wichtig. "Wenn der Verein auf diese Weise Menschen mitnimmt und sie dadurch besser am Leben teilhaben können, dann nenne ich das beispielgebend und fortschrittlich. Außerdem ist dieses Projekt ein Baustein für weitere Zusammenführung von Menschen", wünschte er allen Beteiligten viel Erfolg in der weiteren Arbeit.