Es steht in Zentrumsnähe, da liegt die Motivwahl nahe - alte und neue Ansichten von Halberstadts Mitte. Klaus Kuhn verwandelt im Auftrag der Halberstadtwerke zurzeit ein großes Trafohäuschen am Breiten Tor in ein Kunstwerk.

Halberstadt. Dass Passanten stehen bleiben, ist er gewohnt. "Das war schon bei der ersten Trafostation am Sommerbad so und noch stärker am Bahnhof", erzählt Klaus Kuhn. Der fröhliche Halberstädter hält den Farbpinsel in der Hand, die hellblaue Farbe trocknet ein wenig ein. Sein Sohn Stephan klebt gerade schwarze Kreppbänder unterhalb des Trafodaches an, ihm hilft an diesem Tag ausnahmsweise sein Bruder Sven. Ansonsten arbeiten Vater Klaus und Sohn Stephan seit gut zwei Wochen schon allein an dem 7 x 9 x 3 Meter großen, an drei Seiten noch weißen Gebäude. Im September, sagt er, wird es bunt sein.

Dass Klaus Kuhn den Trafostationen ein schmuckes Aussehen gibt, ist einer zufälligen Begegnung zu verdanken. Er wollte vor drei Jahren die Rotunde der Stadtwerke nutzen, um seine Bilder zu zeigen. Die große Resonanz auf die Ausstellung war für alle Beteiligten überraschend. Die Stadtwerkeleute kamen mit ihm ins Gespräch und die Frage stand, ob er sich große Flächen als Malgrund vorstellen könne.

Kann er, denn Kuhn liebt große Formate. Und so kam der erste Auftrag, das Trafohaus am FSZ. "Da hatte ich noch eine Vorgabe bekommen, was das Motiv betraf. Für das Gebäude am Bahnhof wählte ich dann meine eigenen Motive", erzählt Kuhn und ergänzt lachend, wie sehr er dabei ins Schwitzen kam, schließlich malte er eine alte Lok - und Eisenbahner haben ein sehr genaues Auge für die Details.

Die Arbeit macht ihm Spaß, und auch die Fragen von Passanten beantwortet er gerne. Ohne dabei die Arbeit zu vergessen, denn es soll schließlich schön werden, was da an den Wänden prangt.

Bevor Klaus Kuhn aber seine Acrylatfarben mischt, skizziert er grob die Szene, die entstehen soll. Dabei beachtet er, was ihm Uwe Pommerenke an Hinweisen gegeben hat. Der Netzmeister Strom bei den Stadtwerken muss darauf achten, dass Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, der Zugang nicht erschwert wird und auch die Lüftung der Trafostationen weiter gut funktioniert. Aber das ist alles kein Problem, die Zusammenarbeit klappt gut.

Ein Fakt, der auch Andreas Jahn Spaß macht. Der Stadtwerkesprecher erklärt, warum das Versorgungsunternehmen die Verteilerstationen und Trafohäuschen gestalten lässt - es hält zum Großteil Schmierfinken davon ab, sich an den Flächen auszutoben. "Und auf lange Sicht rechnet sich das, denn die Reinigung der Wände ist aufwändig und teuer. Und noch eins kommt hier zusammen: Halberstädter Künstler mit Halberstädter Unternehmen erfreuen Halberstädter Bürger."