Das Energieberatungszentrum am Osterwiecker Markt besteht seit genau einem Jahr. Es habe Vorbildcharakter, sagt Eon-Avacon-Vorstandsmitglied Matthias Herzog und prophezeit der Einrichtung eine lange Zukunft.

Osterwieck l Als Eon-Avacon und die Halberstadtwerke vor einem Jahr das Energieberatungszentrum (ebz) gründeten, sah die (Energie-)Welt noch anders aus, vor allem für die großen Konzerne. Mittlerweile gibt es die Energiewende mit dem Atomausstieg. "Große Herausforderungen", wie Matthias Herzog am Montagnachmittag zur Geburtstagsfeier des "ebz" auch über die Anforderungen an die Stromnetze sagte. Energieeffizienz bekommt eine noch größere Bedeutung - und ebenso die dafür notwendige Beratung.

Trotz der Trägerschaft der beiden Energieversorger gibt sich das Osterwiecker Beratungszentrum unabhängig. Ein Punkt, den Landkreis-Wirtschaftsförderer Bernd Skudelny hervorhob. Als äußeres Zeichen stehen dafür das Logo und die Farben, die sich an keinen der Träger anlehnen. Und dass sich im Schaufenster des "ebz" mehrere Modellwindräder drehen, versteht Halberstadtwerke-Geschäftsführer Bodo Himpel ebenfalls als Symbol. Nämlich für die Dardesheimer und ihren Vorzeige-Windpark. "Wir symbolisieren damit den ganz wichtigen Aspekt, dass wir die Region gemeinsam vertreten." Die Konkurrenzsituation im Wettbewerb um die Energiekonzession wird damit hinten angestellt.

Energieberatungszentren sind so unbekannt nicht, die Halberstadtwerke haben eines und Eon-Avacon einige - die Kooperation zweier Unternehmen gilt aber nach den Worten von Matthais Herzog als einmalig. Was vor einem Jahr als "echtes Experiment" begann, scheint zu laufen. Herzog wünschte dem "ebz" Erfolg für die "nächsten 99 Jahre". Eine augenzwinkernde, aber auch bemerkenswerte Aussage, weil die Verträge der Osterwiecker Einrichtung zunächst nur für eine Testphase von zwei Jahren geschlossen sind. Neben Matthias Herzog zeigte sich auch Bodo Himpel sehr zuversichtlich, was die weitere Zukunft des "ebz" betrifft.

Der Stadtwerkechef kündigte für das nun beginnende zweite Jahr einen weiteren Qualitätssprung an, vor allem in der Beratung zur Energieeffizienz. Ein erster Beitrag dazu könnte eine Lichtausstellung sein, die vom 14. November bis 2. Dezember hier zu sehen sein wird.

Insgesamt 13 Veranstaltungen liefen im ersten Jahr des "ebz", blickte Himpel zurück. Mehrere Vortragsveranstaltungen für Privatleute wie Gewebetreibende darunter. Besonders angetan ist er aber von der Idee eines Partnernetzwerks, von dem Sanierungswillige wie die mittlerweile beteiligten 16 Firmen gleichermaßen profitieren. "Das ist der Anfang einer Entwicklung, die wir fortsetzen wollen."

Bisher 3710 Gäste in der Touristinformation

Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ lenkte die Aufmerksamkeit auf eine zweite Einrichtung, die ebenfalls genau seit einem Jahr mit dem "ebz" unter einem Dach zusammenarbeitet - die Tourist- und Stadtinformation. Seinerzeit war dazu ein Vertrag mit dem Verein für Fremdenverkehr und Touristik geschlossen worden. "Osterwieck erwacht aus seinem Dornröschenschlaf", sagte vorgestern Vorsitzende Ellen Söllig. Die Übernachtungszahlen hätten zugelegt. Im ersten Jahr seien 3710 Gäste in die Tourist- und Stadtinformation gekommen. Es habe seit der im April abgeschlossenen Ausbildung der Gästeführer 52 Stadtführungen gegeben. Die Elektrofahrräder, noch eine neue Attraktion, seien bisher elfmal ausgeliehen worden.

Mit dem Lutherfest vom 18. bis 20. Mai 2012 warte schon die nächste Herausforderung, sagte Söllig. Dieses Fest stellte Dr. Thomas Dahms vom Kulturlandverein in den Mittelpunkt, er gab historische Fakten und Zusammenhänge, wie vor fast 500 Jahren Luthers Gedanken in Osterwiecker Hausinschriften einflossen, wie die Bewohner damit Mut und Zusammenhalt bewiesen. Damit seien die Vorfahren Vorbilder für heute. "Mit Luther in die neue Zeit", lautet somit das Motto des Festes 2012. Vorab wird es bereits am 5. November in Osterwieck ein wissenschaftliches Symposium geben.

Dass die Entwicklung des Energieberatungszentrums und des Touristbüros Anteilnahme findet, zeigte sich am regen Besuch zur Geburtstagsfeier. Viele Gewerbetreibende folgten der Einladung, Vertreter der Stadtpolitik, auch Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke als Aufsichtsratsvorsitzender der Halberstadtwerke und der Landtagsabgeordnete Bernhard Daldrup.