Ist das Arbeitsamtsgebäude in Halberstadts Schwanebecker Straße 14 künftig ein Kreishaus? Gestern hat Landrat Michael Ermrich auf Volksstimme-Anfrage diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen.

Halberstadt l Alt gegen neu, gehobener Bürostandard gegen den kräftig verborgenen Charme von DDR-Kombinatsbauten - oder Trauteweinstraße gegen Schwanebecker Straße. In der Behörde von Landrat Michael Ermrich (CDU) wird ernsthaft geprüft, den Verwaltungssitz der Halberstädter Arbeitsagentur zu kaufen.

Das erklärte Ermrich gestern vor der Presse, nachdem die Volksstimme am Montag in seiner Behörde nachgefragt hatte, ob Gerüchte zutreffen würden, wonach ein solcher Immobilienhandel in der Kreisverwaltung geprüft werde. "Bei einer 1000-Mann-Behörde und auch in der Arbeitsagentur bleiben solche Gespräche nun mal nicht geheim", musste Ermrich einräumen. Der Politiker erklärte auch, bereits in der Vorwoche habe er in der Kreistagssitzung auf eine entsprechende Nachfrage im nichtöffentlichen Beratungsteil antworten müssen.

Laut Landrat werde derzeit geprüft, dass der Kreis das einst für 60Millionen D-Mark errichtete Gebäude der Arbeitsagentur in der Schwanebecker Straße erwirbt. Dann könnte die Agentur selbst als gleichermaßen potenter wie langfristiger Mieter das Gebäude weiter nutzen. Zusätzlich auch der Halberstädter Bereich der kreiseigenen Kommunalen Beschäftigungsagentur KoBa sowie das Jugend- und das Sozialamt der Kreisverwaltung, die bereits heute dort vertreten sind.

"Es ist halt keine Lage am Potsdamer Platz"

Im Gegenzug, so Ermrich, würden die Planungen aufgegeben, das Gebäude der einstigen Molkerei-Fachschule in Halberstadts Wilhelm-Trautewein-Straße zu sanieren. Dort - so die bisherigen Überlegungen - sollten die KoBa sowie die Ämter für Jugend und Soziales einziehen.

Ein Kriterium für diesen Immobiliendeal mit der Bundesarbeitsagentur als Hauseigentümerin ist naturgemäß der Kaufpreis. Auch auf Volksstimme-Nachfrage wollte der Landrat keine Summe nennen. "Nun ja, es ist halt keine Lage am Potsdamer Platz", war die einzige Bemerkung, zu der sich der oberste Kreisverwalter verleiten ließ. Bekannt ist hingegen, dass die kreiseigene KoBa geplant hatte, in der Trauteweinstraße rund sieben Millionen Euro in die Sanierung zu investieren.

Wie die Volksstimme erfuhr, soll der sogenannte Verkehrswert des Arbeitsamtsgebäudes ebenfalls sieben Millionen Euro betragen. Da die Büroflächen und die übrigen öffentlichen Bereiche des Arbeitsamtsgebäudes inklusive der Tiefgarage im Vergleich zu den üblichen Standards eher großzügig bemessen sind, drohen dem Kreis hohe Bewirtschaftungskosten im Falle des Kaufs der Schwanebecker Straße14. Vielleicht können diese Nachteile sowie der Umstand, dass die Polizei das Gebäude im kommenden Herbst komplett verlassen wird, den Sieben-Millionen-Euro-Einkaufspreis noch entscheidend drücken?

Allerdings, gegenüber der Volksstimme machte Ermrich deutlich, nicht der Kaufpreis allein sei ausschlaggebend. Auch die Frage nach den städtebaulichen Folgen für den Fall, dass der auffällige Gebäudekomplex nahezu leer stünde, würde allein die Arbeitsagentur dort verbleiben.

"Theater schließen? Überhaupt keine Option!"

Traditionell zieht Michael Ermrich vor der Presse im Dezember eine Jahresbilanz. Seine Formel für 2011 aus der Perspektive der Kreisverwaltung: "Wir sind von größeren Katastrophen verschont geblieben und im Kreis ein gutes Stück vorangekommen."

Gleichwohl, speziell in der Frage der ungewissen Zukunft des Nordharzer Städtebundtheaters habe Michael Ermrich weiter sein wollen. "Das Haus zu schließen, ist überhaupt keine Option für uns", bekräftigte der Landrat.

Allerdings, selbst wenn alle drei kommunalen Träger ihre bereits beschlossenen Kürzungen zurücknehmen würden, reichte diese finanzielle Förderung nicht, die Defizite des Theaters auszugleichen. Aktuell, so Ermrich, betrage das Minus für das laufende Jahr rund 100000Euro.

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