Preiswerte Parkplätze für Wohnmobilreisende in Wernigerode sind Campingplatzbetreibern im Harz ein Dorn im Auge. Sie beklagen Preisdumping und Wettbewerbsverzerrung, der Deutsche Camping-Club hält dagegen und spricht von Anpassung an den Trend.

Wernigerode l Urlaub mitten in der Stadt. In Wernigerode nutzen das Reisemobilisten aus ganz Deutschland auf dem Parkplatz "Katzenteich". Der Volksstimmebeitrag darüber hat einige Campingplatzbetreiber im Harz auf den Plan gerufen.

Mit diesen Stellplätzen würde die Stadtverwaltung Wernigerode "täglich gegen gültige Gesetze und Verordnungen verstoßen", so Ingo Nitschke vom Campingplatz "Am Schierker Stern". Wenn die Gäste auf den Plätzen die Stützfüße der Fahrzeuge ausfahren, ihre Satellitenschüsseln und Campingmöbel aufbauen sowie Urlaub dort verbringen, habe das mit einem Aufenthalt zur Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit - wie vorgeschrieben - nichts zu tun. "Das ist Camping", unterstreicht Nitschke in seinem Schreiben an die Volksstimme, das er gemeinsam mit Martina Both vom Campingplatz "Alte Waldmühle" in Wernigerode verfasst hat.

Beide kritisieren weiter, dass der Aufenthalt auch ohne Kassierung der Kurtaxe geschehe, wozu ein Campingplatzbetreiber gezwungen werde. Außerdem werfen sie der Stadtverwaltung Wernigerode "Preisdumping und Wettbewerbsverzerrung" vor.

Preisdumping ist echte Konkurrenz

So wie auf ihren Campingplätzen werden auf fast allen im Harz für den Kurzzeitplatz, auch "Sleep Go" genannt, von Wohnmobilisten im Durchschnitt zehn Euro pro Übernachtung kassiert. In Wernigerode am "Katzenteich" und auch auf dem Großparkplatz "Am Anger" nur fünf Euro. Dass dieser Preisvorteil zieht, weiß Sebastian Brümmler nur zu gut. Für den Betreiber des Campingplatzes "Am See" in Halberstadt seien die "Billigplätze" in Wernigerode eine echte Konkurrenz. Dennoch, fügt er hinzu, "es gibt auch eine Reihe von Wohnmobilreisenden, die bei mir campen."

Gelassener wird der Konkurrent in Elbingerode, im Gästehaus "Familie Mann" im Wernigeröder Ortsteil Nöschenrode und in Darlingerode gesehen. "Ich fange alles ab, was am Katzenteich nicht stehen möchte", sagt Heinz König, Betreiber des Wohnmobil-Stellplatzes "Harzblick" in Darlingerode. Acht Euro müssen bei ihm die Camper bezahlen, Ruhe und Idylle seien gratis.

Ingo Nitschke und Martina Both sprechen von Missstand und fordern, dass dem Trend "Hauptsache billig" campen, der auch auf dem Parkplatz "Thälchen" in Schierke zu beobachten sei, Einhalt geboten werde. "Es wird höchste Zeit, dass der Gesetzgeber etwas gegen die Schieflage unternimmt, das Gesetze und Verordnungen auch für Kommunen Gültigkeit haben und die IHK ihrer Aufgabe als Interessenvertreter gerecht wird."

Ganz so einfach ist das nicht, zumal die Einrichtung und Nutzung solcher Wohnmobil-Parkplätze in der Verantwortung der Kommune liegt. "Wir sind die falsche Adresse", sagt Ralf Grimpe, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Harzkreis, auf Nachfrage. Er habe Verständnis für den Frust der Campingplatzbetreiber, "doch die IHK legt die Preise nicht fest". Er wolle die konkreten Fälle aber nochmals prüfen.

In der Pressestelle des Deutschen Camping-Clubs (DCC) in München ist man über den "moderaten Preis" von fünf Euro überrascht, hält aber den Service für Wohnmobilisten in Wernigerode für "fortschrittlich" und dem Trend "angepasst", so Viktoria Groß gegenüber der Volksstimme. Gerade in Städten und Gebieten, die vom Tourismus leben, werden zunehmend Stellplätze für Reisemobilisten eingerichtet. "Immer mehr Wohnmobile, aber auch Camper mit Wohnwagen steuern sie an, weil sie spontan unterwegs sein wollen", sagt die Pressesprecherin. Dass der Caravan dazu gehört, sei eine neue Entwicklung und hänge ganz einfach mit der komfortablen Ausstattung zusammen. "Früher war der Wohnwagen eher nur eine Hülle, heute ist alles an Bord, was ein Wohnmobil auch hat." So suchen eben auch Camper für ihren Caravan preiswerte Alternativen zum Abstellen. "Sie werden aber trotzdem weiter bevorzugt Campingplätze ansteuern", ist Viktoria Groß überzeugt.

Hauptnutzer der Parkplätze werden Reisende mit Wohnmobilen sein, von denen es allein in Deutschland rund 450 000 gibt, jährlich kommen 15 000. "Ein Trend, dem man sich stellen muss", sagt die DCC-Pressesprecherin und rät: "Die Abstellplätze in Wernigerode sollten umliegende Campingplatzbetreiber nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung sehen."

Stadt Wernigerode ist an Auflagen gebunden

Diesen Fakt hatten Wernigerodes Stadtverwaltung und Stadtrat auch bei den damaligen Entscheidungen für die Einrichtung von gebührenpflichtigen Wohnmobil-Parkplätzen in den Vordergrund gestellt. Am Preis von fünf Euro, "können wir derzeit nicht rütteln", sagt Andreas Meling. Der Parkplatz "Katzenteich", wo 21 Stellplätze für Wohnmobile ausgewiesen sind, sei zur Landesgartenschau 2006 entstanden. "Er ist mit Fördergeld gebaut worden, so dass die Stadtverwaltung an Auflagen gebunden ist. Dazu gehört, dass mit den Erträgen aus der Bewirtschaftung keine Gewinne erzielt werden dürfen", erläutert der Pressesprecher des Rathauses.

Eine Schwachstelle auf dem "Katzenteich" sei jedoch, dass die Gebühr nur beim Durchfahren der Schranke erhoben wird. "So kann es vorkommen, dass Wohnmobilisten trotz einmaliger Zahlung mehrere Tage dort stehen", weiß Andreas Meling. Derzeit werde geprüft, die Schrankenzahlstelle durch einen Automaten zu ersetzen, an dem die Standgebühr und auch die Kurtaxe tagaktuell bezahlt werden kann. Für Strom und Wasser gibt es bereits Automaten.

Dass die Kurtaxe zu entrichten ist, darauf wird auf beiden Wohnmobil-Parkplätzen mit Schildern hingewiesen. Diese ist bei der Wernigeröder Tourismus GmbH zu zahlen. Wie viele Reisemobilisten sich davor drücken, "kann ich nicht einschätzen", sagt Axel Gebhardt gegenüber der Volksstimme. "Täglich kommen jedoch Camper und zahlen sie, weil sie den Gästepass gern in Anspruch nehmen möchten", so der Mitarbeiter der Tourist-Information. Mit dem "Wernigerode-Ticket" bleiben Reisemobilisten mobil, sie können kostenlos Busse und Straßenbahnen im Harzkreis benutzen.

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