Mit dem Apfeltag hat das Projektteam der "ZukunftsWerkStadt" ins Schwarze getroffen. 40 Bewohner aus mehreren Orten der Stadt Osterwieck wissen nun, welche Apfelsorten in ihren Gärten wachsen.

Osterwieck l Mit Beuteln und Körben voller Äpfel kommen die Leute am Sonnabend ins Energieberatungszentrum. "Schon eine Nummer bekommen?", fragt Elke Selke vom Projektteam die Neuankömmlinge und übergibt ihnen einen Zettel. Geduld ist gefragt, denn Apfelexperte Lothar Thormeier kann immer nur einen Kleingärtner betreuen.

Viele Äpfel erkennt der Blankenburger, der in seiner Baumschule auch Apfelbäume züchtet, am Aussehen. Aber längst nicht alle. Und dann wird der Geschmack getestet, das Kerngehäuse begutachtet oder im Fachbuch nachgeschlagen. "Manche Sorten sind in Form und Farbe jährlich unterschiedlich", erklärt er die Schwierigkeit. Letztendlich erkennt er am Sonnabend 60 verschiedene Apfelsorten von den Osterwieckern.

Es handeln sich gewöhnlich um alte Apfelsorten, die es heute eher nicht im Supermarkt zu kaufen gibt. "Die neuen Sorten sind eher süß und bissfest, die alten Sorten haben noch Säure, sie sind würziger", beschreibt Thormeier einen Unterschied.

Wenn der Fachmann erzählt, hören die Wartenden gespannt zu. So erfährt man, wie langwierig und schwierig es ist, eine Apfelsorte zu züchten. Für eine spezielle Sorte benötigte er schon mal 15 Jahre. Mitunter kann es auch 30 Jahre dauern. Heute möchten Kleingärtner lieber Apfelbäume haben, deren Früchte ohne Leiter zu ernten sind. Diese kleinen Bäume haben aber eine wesentlich kürzere Lebenswartung als die großen, ausladenden Bäume, die hundert Jahre erreichen können.

Bei so viel Wissen um den Apfel scheint es kein Wunder zu sein, dass der Apfelexperte sich diese Frucht auch selbst täglich gönnt. "So drei bis vier Äpfel", sagt er.

"Die Leute sollen erkennen, welche Schätze wir hier haben", erklärt Elke Selke ein Ziel der "ZukunftsWerkStadt" und des Apfeltages gleichermaßen. "Diese vielen alten Apfelsorten gehören mit zu den Schätzen, die wir geerbt haben." Dass so viele Leute die Idee des Projektteams annehmen und dass hier 60 verschiedene Apfelsorten vorgelegt werden, hätte sie nicht gedacht.

Premiere für Programmkino am Mittwoch im E-Werk

Schon am Mittwoch folgt die nächste Aktion im Rahmen der "ZukunftsWerkStadt" - die Premiere für ein Programmkino. Damit wird in Osterwieck nach zwei Jahrzehnten erstmals wieder ein Kinofilm aufgeführt. "Bei unserer Ideensammlung im März war dieser Vorschlag für das alte Kino in der Mittelstraße gekommen", erklärt Elke Selke. Im Kino lässt sich das jedoch nicht umsetzen, wohl aber im E-Werk. Welcher Film am Mittwoch ab 19 Uhr gezeigt wird, soll eine Überraschung sein. Aber einige Statisten werden sich möglicherweise wiedererkennen.

"Wunsch ist es, einmal im Monat einen anspruchsvollen Film zu zeigen und danach auch darüber zu diskutieren", berichtet Selke. Dieses Vorhaben soll über die Projektlaufzeit der "ZukunftsWerkStadt", die bis März 2013 reicht, hinausgehen.