Die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes in Haldensleben bietet Schulklassen und anderen Kindergruppen Raum für Veranstaltungen, hilft jungen Familien, steht aber auch Vätern offen, die ein paar Stunden mit ihren Kindern verbringen wollen, wenn die Kinder bei den Müttern leben.

Haldensleben l "Ich komme schon seit drei Jahren regelmäßig hierher, um meinen Sohn zu sehen", erzählt der junge Mann. Dass er aus Süddeutschland kommt, ist ihm anzuhören. Alle paar Wochen nimmt er die stundenlange Fahrt auf sich. Er freut sich auf die Stunden, die er mit seinem Sohn verbringen kann. Das Verhältnis zur Mutter des Kleinen ist getrübt. Der Kinderschutzbund ist für ihn die einzige Möglichkeit, um gemeinsam mit seinem Sohn einige Zeit zu verbringen. Er kennt die Mitarbeiter und Helfer in der Kreisgeschäftsstelle des Kinderschutzbundes Börde in Haldensleben. Gerade hat er mit seinem Sohn den dritten Geburtstag hier gefeiert.

Etwa 15 Väter oder Großeltern nutzen regelmäßig die Räumlichkeiten des Kinderschutzbundes, um den Kontakt zu ihren Kindern oder Enkelkindern aufrecht zu halten. Vorangegangen sind bittere Verhandlungen meist mit den Müttern, die das Sorgerecht haben. Das Jugendamt oder Amtsgericht hat festgelegt, dass diese regelmäßigen Treffen stattfinden können. Die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes erhält dafür vom Landkreis auch eine finanzielle Zuwendung, denn Mitarbeiter müssen für diese besonderen Gäste da sein. Auch am Wochenende.

Eine junge Frau und ein junger Mann, die mal ein Paar waren, streiten sich im gemütlichen kleinen Beratungszimmer - laut und unsachlich. Das Kleinkind versteht zwar noch nicht, was da vor sich geht, denn es kann noch nicht sprechen, dennoch versucht die Mitarbeiterin des Kinderschutzbundes auf die Eltern einzuwirken, vernünftig miteinander umzugehen. Das gelingt den beiden Kontrahenten nur schwer. Im Interesse ihres gemeinsamen Kindes aber müssen sie miteinander auskommen, und dabei haben sie noch viele Jahre vor sich.

Marlis Schünemann, die Vorsitzende des Kreisverbandes Börde des Kinderschutzbundes, kennt die meisten Schicksale. Wenn die Eltern oder Großeltern kommen, wird immer auch ein bisschen erzählt. Und sie sind dankbar, dass sie hier so gut aufgenommen werden, dass hier alles einladend eingerichtet ist und viel Spielzeug zur Verfügung steht, so dass den Kindern die Situation leichter gemacht wird . Und es gibt auch eine kleine Küche. Denn für Eltern wie für Kinder sind diese Stunden nicht einfach. Da entsteht im Laufe der Zeit eine Vertrautheit mit der Umgebung, die auch für die Kinder das Hiersein erleichtert.

Seit kurzem kann der Kinderschutzbund auch eine Wohnung in Wolmirstedt nutzen. Ein wahres Glück auch für die Kinder und ihre Eltern. Im Laufe der Jahre hat der Hilfsbedarf stetig zugenommen, sagt Marlis Schünemann. Sie hat mit weiteren Helfern vor vier Jahren begonnen, die Geschäftsstelle am Waldring in Haldensleben einzurichten, hat aufgepasst, wo Mobiliar ausgemustert wurde, wo Förderung für Projekte und Vorhaben wie die Familienwerkstatt zu ergattern waren. Das ist bis heute so. Und sie geht ständig Klinken putzen, denn ohne Sponsoren läuft nichts.

Für viele junge Familien ist der Kinderschutzbund inzwischen eine Art Zuflucht geworden, zu der sie mit ihren Problemen kommen oder einfach mal, um sich mit anderen auszutauschen. Kinder- gruppen und Klassen nehmen auch gern die Angebote an.