Erstmals strömten die Gäste zum Jahresempfang der Stadt Haldensleben aufs Schloss Hundisburg. Mit dem Rolandschwert im Bereich Wirtschaft und Soziales wurde Detlef Schmahl und im Bereich Kultur Alfred Schmidt ausgezeichnet. Der Empfang verband Rückblick und Ausblick.

Hundisburg l "Ich kann mich noch gut daran erinnern, als das hier alles eine Ruine war", sagte der Hundisburger Ortsbürgermeister Josef Franz (Die Linke), bevor die Festreden gehalten wurden. "Wo wir hier sitzen, standen acht Meter hohe Bäume und Schafe waren eingepfercht."

Ganz soweit gingen die Erinnerungen von Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) nicht, den Stadtratsvorsitzender Guido Henke (Die Linke) als "nahestehenden, nahewohnenden und eng vertrauten Minister" begrüßt hatte. Er sei als Landrat über 17 Jahre fast täglich nach Haldensleben gefahren, erzählte Webel. 1994, als er erstmals nach Hundisburg kam, sei der Barockgarten ganz am Anfang gewesen und vor dem Schloss wurde noch Fußball gespielt. Dass dieses Kleinod hier entstehen konnte, sei einer soliden Haushaltsführung der Stadt Haldensleben, die Eigentümer des Schlosses ist, zu verdanken. Solche freiwilligen Aufgaben können erst finanziert werden, wenn die Pflichtaufgaben zu 100 Prozent erfüllt sind.

"Reden wir künftig selbstbewusster über unsere Stadt"

Bürgermeister Norbert Eichler (CDU) konfrontierte die Gäste im Hauptsaal des Schlosses mit zwei "Momentaufnahmen", wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Stehen im Jahr 2030 im Gewerbegebiet viele Immobilien leer, haben Arbeitslosigkeit und extremer Bevölkerungsrückgang für eine Verödung der Stadt gesorgt? Oder wird 2030 die Wirtschaft in Haldensleben weiter für Arbeit sorgen, wird das Leben noch immer lebenswert sein? Zum Thema "Momentaufnahme", unter dem der Empfang stand, hatte Eichler diese zwei Szenarien konstruiert. "An welches glauben Sie", fragte er die Gäste.

"Reden wir künftig selbstbewusster über unsere Stadt. Sagen wir doch einmal oder gleich mehrfach, was das gute Leben in unserer Stadt ausmacht! Wir haben allen Grund dazu", forderte er auf. "Wir neigen in Haldensleben gerne zur Zurückhaltung, wir orientieren uns für meinen Geschmack zu oft am Durchschnitt und machen uns viele Dinge selber madig."

Eichler nannte als Schwerpunkte für die künftige Entwicklung zwei Faktoren: "Wie stellt sich Haldensleben für junge Familien dar und zweitens, wie definiert sich Haldensleben als Bildungs- und Arbeitsstandort?" Und der Bürgermeister verwies darauf, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement der Bürger sei. Deswegen sollen Vereine weiter gefördert und freiwilliges Engagement unterstützt werden.

Gleich zweimal wurde am Sonnabend das Rolandschwert verliehen. Bürgermeister Eichler überreichte es für Wirtschaft und Soziales an den Geschäftsführer der gGmbH Seniorenhilfe, Detlef Schmahl. "Seit mehr als zwei Jahrzehnten prägt Detlef Schmahl das soziale Leben dieser Stadt", erklärte er. 1993 hatte Schmahl die Seniorenhilfe gegründet, die er gemeinsam mit seiner Frau Andrea führt.

An fünf Standorten beschäftigt das Unternehmen mittlerweile 170 Mitarbeiter, wobei Eichler nicht nur auf die Seniorenheime in Haldensleben und Flechtingen verwies, sondern auch auf die Kindertagesstätten der Seniorenhilfe in Calvörde, Weferlingen und Hörsingen. "Auch das im Bau befindliche Mehrgenerationenhaus der Stadt Haldensleben wird Detlef Schmahl mit seinem Unternehmen konzeptionell-inhaltlich mit unterstützen", erklärte Eichler. Der 53-Jährige engagiere sich auch als sachkundiger Einwohner im Stadtrat und im Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Den zweiten Preisträger würdigte Fritz Bruhnke. Alfred Schmidt sei die Heimatverbundenheit in die Wiege gelegt worden, denn er kam im Juni 1966 zur 1000-Jahr-Feier von Haldensleben zur Welt. Sein Vater weckte in ihm das Interesse für die Geschichte und die Briefmarken. Schon als Elfjähriger fand er den Weg in eine Arbeitsgemeinschaft der Philatelie und bereits im Jugendalter erhielt er erste Auszeichnungen mit Exponaten über Rolande und Neuhaldensleber Postgeschichte. Diesen Themen ist er treu geblieben. Mit seinen Exponaten, die schon weltweit von Washington über Brüssel bis Neu Delhi gezeigt und mit hohen Auszeichnungen prämiert wurden, steht Alfred Schmidt "in diplomatischen Diensten für seine Stadt". Für 2014 hat der Verein der Haldensleber Briefmarkenfreunde, den Schmidt als Student mit gegründet hatte, den Zuschlag für eine Nationale Briefmarkenausstellung mit den Verbänden Österreichs, der Schweiz, Liechtensteins, der Niederlande und Deutschlands erhalten.

Beide Preisträger dankten für die Ehrung und versicherten, gern in ihrer Heimatstadt zu leben und sich hier zu engagieren. Er habe bei den Preisträgern der Vorjahre festgestellt, dass keiner den Preis als Ruhepolster angesehen, sondern sein Wirken sogar noch intensiviert habe, sagte Alfred Schmidt, das werde er auch versuchen.

 

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