Wie vielfältig die Karrierechancen bei der Bundeswehr sind und wie interessant die Technik, davon erhielten gestern auf dem Biwakplatz Groß Wudicke über 300 Schüler beim Zukunftstag einen umfassenden Eindruck.

GroßWudicke l "Die Bundeswehr sucht vor allem Elektroniker und Fachinformatiker. Sie haben bei uns eine echte Perspektive", erklärte Karriereberaterin Heike Jähnel aus Stendal. Aber auch andere technische Berufe seien zunehmend gefragt, natürlich können auch Frauen beim "Bund", wie die Truppe allgemein genannt wird, anfangen.

Zum Beispiel im Sanitätsdienst. Das Sanitätszentrum aus Havelberg war beim Zukunftstag auf dem weitläufigem Parkplatz inmitten des Kiefernwaldes mit einem luftgestützten und beheizbaren Zelt vertreten, das über eine Schleuse mit einer Rettungsstation im Container verbunden war. Krankenschwester Katharina Gaßmann informierte die Schüler über Einzelheiten: Vorhanden sind drei normale und ein Intensivbehandlungsplatz, im Container können sogar kleine chirurgische Eingriffe unternommen werden. Intubationsbesteck, EKG-Gerät und Spritzenpumpe sind unter anderem vorhanden, sogar ein Notfallkoffer samt Beatmungsbeutel für Babys.

Zu Gast waren bei ihr gerade die Förderschüler aus Klietz - denn schaffen sie den Hauptschulabschluss, können sie ebenfalls eine Laufbahn bei der Bundeswehr einschlagen. Angeschrieben worden waren im Vorfeld alle Schulen in den Landkreisen Stendal, Salzwedel und Jerichower Land, 15 hatten am Ende zugesagt und waren mit Bussen angereist. Über 300 Schüler waren erschienen, um sich über die Bundeswehr zu informieren. Sie ist mit ihren Standorten in Klietz und Havelberg übrigens der bei weitem größte Arbeitgeber im Altkreis Havelberg.

Fünf Soldaten passen in einen Fuchs-Panzer

Der Zukunftstag hatte bislang immer in Stendal stattgefunden. In diesem Jahr hatte der Klietzer Kommandeur auf Anfrage den Biwakplatz erstmals zur Verfügung gestellt. Die Premiere in Groß Wudicke war gut gelungen, weshalb der Zukunftstag auch im nächsten Jahr wieder hier stattfinden könnte.

Wie genau die Bundeswehr ausbildet, darüber informierten vier Auszubildende vom Klietzer Truppenübungsplatz. In Klietz werden vom zivilen Dienstleistungszentrum Elektriker, Kfz-Mechatroniker und Konstruktionsmechaniker ausgebildet. Insgesamt lernen derzeit dort 17 Lehrlinge.

Dicht umringt von Sekundarschülern aus Gardelegen war Stabsunteroffizier Thomas Liebe von den Panzerpionieren aus Havelberg. Er erklärte den Transportpanzer "Fuchs". Das gepanzerte und schwimmfähige Fahrzeug fasst fünf Soldaten, der Motor verfügt über 315 Pferdestärken.

Nebenan informierte Hauptmann Oliver Franke über seinen Beruf. Als Feuerwerker ist er für den Schieß- und Übungsbetrieb auf dem Klietzer Platz zuständig. "Range Control" steht an seinem Jeep, der bei der Bundeswehr "Wolf" genannt wird. Der Hauptmann betreut die Truppenteile, die auf dem Platz üben wollen, er plant die Schießen und teilt die Schießbahnen zu. Dabei ist viel zu berücksichtigen, etwa ob es Waldbrandwarnstufen gibt oder aber Flugbetrieb. Zudem muss ein Feuerwerker auch Blindgänger beseitigen.

CRC-Anzug schützt vor Hieb- und Stichwaffen

Der Offizier, der seit 20 Jahren eine Uniform trägt, hatte auch mal klein angefangen: Nach dem Realschulabschluss absolvierte er in Berlin eine Tischlerlehre, dann ging er zu den Gebirgsjägern. Es folgte der Wechsel in die Offizierslaufbahn, was viele Lehrgänge mit sich brachte. Auch als Feuerwerker muss man sich ständig und regelmäßig fortbilden, berichtete er den Schülern von seinem Beruf. Und man muss natürlich als Berufssoldat zu Auslandseinsätzen bereit sein.

Dass es dabei durchaus auch mal gefährlich werden kann, erfuhren die Schüler an der Station der Feldjäger aus Burg. Hier konnte, wer wollte, einen schlag- und stichfesten CRC-Schutzanzug anprobieren. "Groß bewegen kann man sich darin aber nicht", stellten die Gymnasiasten vom Genthiner Bismarck-Gymnasium bei der Anprobe fest. Feldjägerin Malina Klindtworth hatte da gerade Paul Pfeiffer "verpackt", zusätzlich gehören im Einsatz noch Schild und Schlagstock dazu. Unter anderem auf Auslands- einsätzen im Kosovo hatten diese Anzüge bei gewalttätigen Demonstrationen schon gute Dienste geleistet. Vor Kugeln schützen sie allerdings nicht.

Bei Beschussgefahr sollte man lieber im "Multi-A4-FSA" Platz nehmen. Das Kürzel FSA steht für Fahrzeugsicherheitsausstattung: Das Fahrerhaus des MAN-Wechsellader-Lkw besitzt unter anderem kugelsichere Scheiben und kann sogar die Detonation einer Mine überstehen. Ein Container für ihn ist auch für den Personentransport konzipiert. Damit reagierte die Bundeswehr auf die Anschläge in Afghanistan, wo Soldaten bei der Fahrt im Bus getötet worden waren. Der Lkw ist Bestandteil des Fahrzeugparks des Burger Logistikbataillons.

Mit vor Ort waren die Havelberger Fernmelder mit ihrer mobilen Antennenmastanlage. Hauptfeldwebel Sven Günther erklärte die Technik: Die Antenne kann bis 34 Meter hoch ausgefahren werden, der Parabolspiegel Daten bis zu 70 Kilometer weit versenden.

Vertreten waren ferner die Feuerwehr des Klietzer Übungsplatzes, der Katastrophenschutzzug des DRK samt Wasserwacht und die Karriereberater.

Weitere Informationen unter "www.bundeswehr-karriere.de" oder (0800)9800880.

   

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