Der Seeweg in Kamern, der noch vor einigen Tagen unter Wasser stand, ist am Sonnabend vollgeparkt mit Autos. Viele Helfer unterstützen die Anwohner beim Aufräumen. Vor den Häusern türmen sich immer mehr Berge mit Sperrmüll.

Kamern l Schlamm, tote Fische und jede Menge Müll hinterlässt das Wasser aus dem Kamernschen See, je mehr es weggeht. Im Seeweg können manche schon fast trockenen Fußes zu ihren Häusern gelangen, bei anderen reichen die Gummistiefel, manchmal ist die Wathose sicherer. Endlich kann richtig gepumpt werden. Sarah Chroust und ihre Nachbarn gelangen nun in ihre Wohnungen. Zwei Tage zuvor war daran nicht zu denken.

"Ich war gerade fertig, mir die Wohnung einzurichten, jetzt müssen wir alles rausschmeißen und entkernen", sagt sie. Ihr Freund trägt ein Stück nach dem anderen aus dem Haus. Freunde helfen mit. Die Trennwände für die einzelnen Zimmer sind schon raus.

Die gesamte Familie Chroust-König ist vom Hochwasser getroffen, ebenso die Mieter. Das Elternhaus steht ein Stück höher im Seeweg, auch dort wird gepumpt. Gerade erst hatte die Catering-Firma in der Bungalowsiedlung am Schönfelder See die Gaststätte eröffnet. Auch dort ist alles weg, sagt Katja Chroust. Die Familie wohnt im früheren Internat in Havelberg. In der Schiffsgaststätte in Kamern, die vom Wasser verschont blieb, wird dennoch gekocht. Das Mittagessen zum Beispiel für die Betroffenen, die sich selbst nichts zubereiten können.

Feuerwehren helfen den Flutopfern

In der alten Schulküche haben am Sonnabend Elke Brandt und Gudrun Elster noch mal den Dienst übernommen und kümmern sich um die Verpflegung der Betroffenen und der Helfer. Vom DRK gibt\'s nun keine Versorgung mehr. Von der Havelberger Feuerwehr machen sechs Kameraden dort Mittagspause. Für diesen Sonnabend hatten sie den Besuch des Oldtimertreffens in Bad Wilsnack geplant. "Am Mittwoch entschieden wir uns aber lieber für einen freiwilligen Arbeitseinsatz", erzählt David Koch. Gemeinsam mit Heiderose Schöne, Harald Wienecke, Stefan Keller, Bina Panhans und Udo Biedermann wird gepumpt. Dabei kommt zusammen mit einer Tauchpumpe eine alte Injektionspumpe aus DDR-Zeiten zum Einsatz. Das Pumpsystem schafft ganz ordentlich: 500 bis 600 Liter pro Minute laufen über zwei B-Schläuche in den See zurück. Der Erfolg zeigt sich an den Bäumen, wo der höhere Wasserstand vom Vormittag gut zu erkennen ist.

Feuerwehren aus Tangermünde, Storkau und Hämerten sind ebenfalls in Kamern im Einsatz. In der Chausseestraße ist Öl ausgelaufen. Auf einem Grundstück steht es im Garten. Ursula Böhm hatte dagegen Glück, dass das Garagentor ein Ausdringen auf den Hof verhindert hat. Somit kann die Feuerwehr das Öl-Wasser-Gemisch über den sogenannten Separator abpumpen. "Wenn das Tor so wie meins durch das Wasser gebrochen wäre, hätten wir das Öl auch auf dem Grundstück gehabt", sagt Sohn Volkmar Böhm.

Statt Strandfest große Aufräumaktion

Auch auf den Grundstücken der Familie sind viele Helfer im Gange, die Folgen des Hochwassers zu beseitigen. Die Sperrmüllberge türmen sich hoch auf den Straßen. Strom gibt\'s in der Chausseestraße über Baustromverteiler, im Seeweg ist noch alles dunkel. Die Abwasserentsorgung erfolgt immer noch über das Abpumpen auf den Acker, berichtet Feuerwehrmann Werner Bioletti. Er ist wie viele andere seit nunmehr Wochen im Hochwassereinsatz. Nächsten Sonnabend wäre Strandfest in Kamern gewesen. "Das fällt aus. Dafür gibt\'s eine große Aufräumaktion", sagt er.

Viele Helfer sind im Grünen Haus von Stefanie Wischer tätig. Alles muss raus. Das ist bei Hannelore Roller nicht anders. 60 Zentimeter stand das Wasser in ihrer Mietwohnung. Manches hatte sie noch hochstellen oder -hängen können, vieles ist unbrauchbar. Mit ihrem Dackel Hexe war sie im Pfarrhaus in Schollene untergekommen. "Meine rote Katze aber ist weg." Nachfragen in den Tierheimen in Rathenow und Stendal brachten bisher keinen Erfolg. Wichtige Dokumente und Fotoalben hatte sie ins Auto gepackt, als es hieß, dass das Wasser kommt. "Und dann habe ich doch ein Album vergessen, dass meine Mutter einst extra für mich mit Bildern aus meiner Kindheit angelegt hatte", erzählt sie.

50 Häuser sind es allein in Kamern, die im Wasser stehen. Betroffen sind in der Gemeinde außerdem Häuser und Bungalows in Schönfeld sowie in Neukamern. Der kleine Ortsteil ist jetzt wieder über den Schulsteig zu erreichen. Etliche Tage waren die verbliebenen Einwohner vom Wasser eingeschlossen. Bis Normalität einkehren kann, wird es noch lange Zeit dauern.

   

Bilder