Der 100. Geburtstag der Havelbergerin Frida Steffen war vor kurzem Anlass für ihre Kinder, dem Prignitz-Museum eine historisch wertvolle Sammlung mit alten Ansichten der Stadt zu übergeben.

Havelberg l Sie war für die Mitarbeiter des Prignitz-Museums nicht nur eine gute Interviewpartnerin, wenn es um die Geschichte Havelbergs ging. Frida Steffen hat auch über Jahrzehnte eine reiche Sammlung an Fotos, Negativen und Glasplattennegativen aufbewahrt, die für die Historie von großer Bedeutung ist. Diesen Schatz überreichten ihre Kinder, Ilsegret Kripke und Horst-Jürgen Steffen, dem Prignitz-Museum. Anlass war der 100. Geburtstag von Frida Steffen am 26. November.

Ihr Schwiegervater Reinhold Steffen war als Fotograf ein wichtiger Dokumentar der Havelberger Geschichte, schätzt Museologin Antje Reichel ein. Er hat von den 1920-er bis 1950-er Jahren viele Aufnahmen in der Stadt gemacht und davon Postkarten angefertigt. Bekannt ist zum Beispiel eine Luftbildaufnahme von der Stadtinsel. Auf der Rückseite steht "Havelberg (das norddeutsche Rothenburg)".

Dass diese Sammlung von Frida Steffen so wichtig ist, hatten die Museumsmitarbeiter bereits Ende der 1990-er Jahre erkannt. Fred Haverland hatte Positive von den Negativen angefertigt. Museologin Sabine Ball listete 1997 die 112 Glasplattennegative sowie 94 Kleinbildnegative auf. Nach dem Tod von Frida Steffen im Jahr 2006 war diese Sammlung nicht auffindbar. Jetzt, bei Dacharbeiten am Markt 9, wurde die Kiste wiederentdeckt.

Ilsegret Kripke und Horst-Jürgen Steffen schauten sie durch und so manche Erinnerung an ihre Kindheit wurde geweckt. So gibt es zum Beispiel Fotos aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Vorschulzeit oder vom Baden in der Elbe. Für sie war es keine Frage, die Sammlung dem Museum zu übergeben. "Wir wollen, dass diese Zeitzeugnisse erhalten bleiben. Es fachgerecht aufzubewahren, ist für uns schwierig", erklärt Horst-Jürgen Steffen, der in Neuruppin zu Hause ist. Seine Schwester wohnt in Stahnsdorf. Zur Sammlung gehört auch eine alte Lochkamera, die sich nun ebenfalls im Besitz des Museums befindet.

Die Negative in unterschiedlichen Formaten will das Prignitz-Museum schnellstmöglich digitalisieren, damit sich die Qualität nicht weiter verschlechtert. Manche von ihnen sind 80, 90 Jahre alt. Die Gelatineschicht ist empfindlich.

"Die Sammlung ist ein ganz wichtiges Zeugnis der Havelberger Geschichte. Wir sind glücklich, sie in unseren Bestand aufnehmen zu können", sagte Museologin Antje Reichel. Die Bilder können gut verwertet und genutzt werden.

Fred Haverland hatte mit den von ihm angefertigten Positiven schon einmal eine Ausstellung im Altstadt-Café gestaltet. Dort waren zum Beispiel die Traditionskanone vor dem Gasthaus im Mühlenholz zu sehen und das Hochwasser von 1926. Denkbar wäre eine neue Ausstellung mit den Aufnahmen von Reinhold Steffen.

Er war vor dem Ersten Weltkrieg als Buchhändler nach Havelberg gekommen, lebte zuvor in Arneburg. Zunächst hatte er sein Geschäft in der Scabellstraße, um 1920 zog er zum Markt 9 um. Er erweiterte sein Angebot und verkaufte auch Musikinstrumente, Schreibwaren und Bilder. Nach seinem Tod und dem seiner Frau 1957 löste Frida Steffen 1958 das Geschäft auf. Später war dort ein Fahrzeugladen drin. "Als wir die Wohnung unserer Mutter auflösten, haben wir bergeweise Fotoalben und auch alte Kameras gefunden", berichtet Ilsegret Kripke. Nur die Negative waren zunächst nicht aufzufinden. Zum Glück wurde die Kiste jetzt entdeckt. "Wir wissen, was da weggewesen wäre", sagt Antje Reichel.

   

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