Havelberg (wma) l Für Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski war es wieder ein besonderes Ereignis, jemandem zum Geburtstag zu gratulieren, der fast doppelt so alt ist wie er. Auch die Gleichstellungsbeauftragte Sigrid Wiedenhöft war sehr davon angetan, den Hansestädter Gustav Gerneth gestern zum 107. Geburtstag viel Gesundheit zu wünschen. Bernd Poloski überbrachte nicht nur die Glückwünsche der Stadt, sondern auch des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt Dr. Reiner Haseloff und des Landrates Jörg Hellmuth. "Ich habe auch ein Glückwunschschreiben von Bundespräsident Joachim Gauck erhalten", erzählte Gustav Gerneth. Zu den ersten Gratulanten, die ihm natürlich auch viel Gesundheit wünschten, gehörten sein Sohn Heinz, die Enkelkinder Ute, Henry und Christine sowie die Urenkel Christin und Benny.

Seine Wohnung hält der allein lebende Senior blitzsauber und der Einkaufsbummel mit dem Auto von Heinz bleibt Tradition. Freitags führt der Einkaufsbummel ihn immer über den Frischemarkt.

Ein Leben voller Arbeit liegt hinter dem rüstigen Senior. Zwei Weltkriege hat er mitgemacht, zahlreiche Währungen schon in seiner Geldbörse gehabt und er kann viel aus seinem Leben erzählen. Als Mitarbeiter des einstigen Gaswerkes in Havelberg war er zum Beispiel damals für die Gaslaternen in der Domstadt verantwortlich. Sein ehemaliger Arbeitskollege Karl-Heinz Pehl zählte ebenso wie ein Vertreter von Eon avacon zu den Gratulanten. Seinen Lieblingssitzplatz am Fenster seiner Wohnung, mit Blick auf den Stadtgraben, möchte der 107-Jährige nicht missen. "Die Fenster wollte ich jetzt putzen, aber ich durfte es nicht, da Opa das alleine machen wollte", berichtete Enkelin Ute. Sie hatte auch wieder den Lieblingskuchen, den Sägespäne-Kuchen, für das Geburtstagskind gebacken. Auf die Havelberger Volksstimme, die seit vielen Jahren zu seiner Frühstückslektüre gehört, möchte Gustav Gerneth nicht verzichten. Ebenso nicht auf seine Kaffeemaschine, die er Anfang der 1970er Jahre aus Westberlin von einem Besuch beim Vater mitgebracht hatte. Er selbst trinkt zwar Tee, aber einmal im Jahr, für die Gratulanten, benötigt er die historische Kaffeemaschine. Beim Zählen der Kaffeefilter - es sind bestimmt noch über zwanzig - stellte er dann aber fest, dass die Kaffeemaschine ihn wohl überleben wird. Seit fast einem halben Jahrhundert, genau gesagt seit 47 Jahren, bezieht der Havelberger Gustav Gerneth seine Altersrente. Bei der Verabschiedung konnte sich der Senior die Worte: "Na dann bis zum nächsten Jahr, in alter Frische", nicht verkneifen.