Am Gebäude am Markt, in dem sich einst die Synagoge der jüdischen Gemeinde befand, haben gestern über 50 Havelberger der Opfer der Pogromnacht von 1938 gedacht. Bürgermeister Bernd Poloski legte mit Ordnungsamtsleiter Klaus Heidrich einen Kranz nieder, die Vize-Präsidentin des Landtages Helga Paschke mit dem Landratskandidaten Mario Blasche (Die Linke) ebenfalls. Zuvor hatte der Bürgermeister an die Schrecken jener Reichskristallnacht und die Verfolgung, Inhaftierung und Ermordung jüdischer Bürger erinnert. Museologin Antje Reichel blickte in die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Havelberg, die seit 1334 nachgewiesen ist. Im Jahr 1938 lebten noch zehn jüdische Einwohner in der Stadt, im Hachschara-Lager 25 Jugendliche. Was in den Abendstunden des 9. November 1938 in Havelberg geschah, war anhand von Augenzeugenberichten zu erfahren, die Gerda Schürmann, Max Tietze und Ursula Friedrich verlesen haben. Judith Tetzlaff und Gottfried Förster begleiteten das Gedenken musikalisch. Dieses galt nicht nur den Opfern der Pogromnacht, sondern allen Opfern jeglicher Gewaltherrschaft und Diktatur. "Wir wenden uns von dieser Stelle gegen Unrecht, Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit", sagte der Bürgermeister.Foto: Andrea Schröder