"Sex...Aber mit Vergnügen." Diese Komödie von Franca Rame sowie Dario und Jacopo Fo gab es am Freitag im prall gefüllten Quarnebecker Saal zu erleben. Die Zuschauer kamen bei dem Ein-Frau Stück mit der brillanten Schauspielerin Traute Römisch aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Quarnebeck l Menschen sind fortschrittlich. Sie fliegen ins All. Sie bauen Roboter. Sie klettern auf die höchsten Berge. Sie tauchen in die tiefsten Meere. Sie kommunizieren über das Internet. Doch in einer ganz bestimmten "Sache" sind Menschen selbst im 21. Jahrhundert noch genauso rückständig wie vor tausend Jahren. Dabei tun es die meisten. Damals wie heute. Und zwar mit Genuss. Denn es macht Spaß. Aber man spricht nicht darüber. Es ist tabu. Die Rede ist vom Geschlechtsverkehr. Am Freitag, im Saal zu Quarnebeck, wurde sich der delikaten Angelegenheit endlich mal bewusst angenommen. Und zwar richtig. Schauspielerin Traute Römisch ließ es krachen. "Sex...Aber mit Vergnügen", hieß das Stück, zu dem der örtliche Heimatverein eingeladen hatte. Im Theater Wolfsburg ist die Inszenierung von Rainer Steinkamp ein Dauerbrenner, der bestens läuft.

Bestens war offensichtlich auch der Vorverkauf zu der Veranstaltung gelaufen. "Wir sind restlos ausverkauft", vermeldete Heimatvereinsvorsitzender Andreas Lenz, der sich zur Begrüßung nicht nur beim Theater Wolfsburg für die unkomplizierte Zusammenarbeit bedankte, sondern auch bei den vielen Helfern, ohne die eine solche Veranstaltung nicht durchführbar gewesen wäre.

Dann ging es los. Traute Römisch, eine freundliche Erscheinung mit blonden Haaren und knallrotem Lippenstift, betrat in schwarzer Kleidung die Bühne. Diese war schlicht gehalten - ein Sofa, ein Tisch, ein Plakat, reichten. Kein Pomp, kein Chi-Chi, nichts, was von der Darstellerin hätte ablenken können.

Gut so. Denn Traute Römisch, eine gebürtige Buxtehuderin, schlüpfte in die Rolle von Franca Rame, einer Italienerin, deren Mann die Komödie einst in Anlehnung an das Buch "Zen oder die Kunst des Vögelns" geschrieben hatte.

Traute Römisch kam ohne Umschweife zum "Höhepunkt", sprich, zum Thema des Abends: Sex. Eine körperliche Handlung, die, wie zu erfahren war, böse Folgen haben kann: Aids, Kinder, Herzinfarkt.

Ihrem Publikum schien Traute Römisch diesbezüglich alles zuzutrauen. Deshalb verteilte sie gleich erstmal Kondome. Zur Sicherheit. "Wer weiß", so sagte sie, "was heute noch passiert." Vielleicht ja sogar...Sex. Ein Thema, so betonte Traute Römisch, über das niemand Bescheid weiß. Schon Adam und Eva hatten mit dem Beischlaf so ihre Probleme. Besonders Eva zierte sich. Für sie war das Genital ihres Liebsten nichts weiter als ein "Furunkel", das urplötzlich steif im Wind stehen kann. Immerhin: Eva war treu. Es gab ja auch keinen anderen.

"Lustig, aber mit viel Hintersinn. Ein Stück zum Grübeln und zum Lachen."

Doch auch in der Gegenwart bleibt Sex ein Rätsel. Auch für Traute Römisch. "Meine Mutter hat mich gewarnt. Männer wollen immer nur das eine. Aber sie hat mir nicht gesagt, was?" Eine Freundin habe mit Sex da schon mehr Erfahrung gehabt. Angeblich. "Gedrückt" worden sei sie oft. Nur an der falschen Stelle. Ständig tat der Bauchnabel weh.

Selbst der erste Kuss war für Traute Römisch ziemlich unangenehm. "Mein Freund wollte mir immer die Zunge in den Mund stecken. Dabei bin ich Vegetarierin."

Und auch die Aufklärungsversuche der Oma scheiterten. Somit kam es, wie es kommen musste: In ihrem ersten Beruf als Krankenschwester bereitete Traute Römisch einem Patienten aus Versehen eine Erektion.

Und so ging es etwa 90 Minuten lang. Im Weiteren informierte Traute Römisch beispielsweise noch über den Unterschied zwischen Volvo und Vulva (die Schreibweise, die Red.), schlug eine Bresche für die Selbstbefriedigung, bat um eine Gedenkminute für alle Jungfrauen und stellte fest, dass Männlein und Weiblein irgendwie nicht zueinander passen.

Die Schauspielerin glänzte dabei mit wechselbarer Mimik und kraftvoller Ausstrahlung. Sie präsentierte sich frech, gestenreich und wortgewandt, stets mit der nötigen Prise Sarkasmus und Humor.

Die Zuschauer waren jedenfalls restlos begeistert. So meinte beispielsweise Karin Schulz aus Kusey: "Lustig, aber mit viel Hintersinn. Ein Stück zum Grübeln und zum Lachen."

   

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