Zum Krippenspiel laden Neuferchauer Kinder seit vielen Jahren am Wochenende vor dem 4. Advent in das Gotteshaus ein. Am Sonnabend war es wieder so weit.

Neuferchau l "An dem Tag haben die Leute mehr Zeit als Heiligabend. Es ist nicht so stressig, und nach der Aufführung können alle noch einige Zeit in der Kirche verweilen", begründete Martina Lenzke. Denn nach dem Stück werden den Zuschauern noch Schmalzstullen, Glühwein und Tee gereicht.

Martina Lenzke leitet jedes Jahr mit weiteren Helferinnen und den Kindern in ihrer Freizeit die Proben für das Krippenspiel. Dafür dankte Bärbel Schulz, die Frau des Kuseyer Pfarrers Bernd Schulz, der Neuferchauerin mit einem kleinen Geschenk. "Liebe Martina, ihr habt aus Ärger und Enttäuschung über die Kirchenleitung dieses Kirchenkreises euer Amt als Kirchenälteste und Küster niedergelegt", sagte sie. "Das schmerzt uns noch heute. Dass ihr trotzdem als Christen in dieser Gemeinde weiterhin ehrenamtlich tätig seid, verdient einen besonderen Applaus. Ich möchte mich im Namen des Kirchspielrates bedanken", erklärte die Pfarrersfrau.

Den Applaus haben sich Martina Lenzke, ihre Helferinnen und die rund 20 Kinder mehr als verdient. Denn sie inszenierten ein Krippenspiel, das von den üblichen Aufführungen abwich. In mehreren Aufzügen debattierten die Darsteller über den Sinn der Weihnachtsfeier, sprachen über die Arten das Fest zu begehen, aber auch über die Heimat und die Veränderungen im Dorf.

Die Grundthema blieb aber erhalten: Jeder sollte in seine Stadt ziehen, um sich schätzen zu lassen, wie die Ansagerin eingangs erklärte. In der ersten Szene sprachen zwei Männer in einem Zugabteil über das Weihnachtsfest. Während der eine sich auf das Wiedersehen in der Familie freute, konnte der andere dem Fest nichts abgewinnen.

Anschließend besuchte die schwangere Maria ihre geschiedene Freundin, wo beide über den Sinn einer Familie sprachen. Ihre Freundin hielt nicht viel vom Zusammenleben mit dem Ehepartner. Ihr Kind bekomme sie allein groß. Ihr geschiedener Mann indes kaufte noch ein Geschenk für ihr Kind. "Und was möchten sie für ihre Frau", fragte der Verkäufer. "Nichts. Die bekommt schon jeden Monat ein Geschenk - die Alimente", antwortete er.

In weiteren Szenen freut sich ein Mann, dass sein Ort schöner geworden ist, während sein Gesprächspartner alles nur schlecht macht. Die Heimat sei ihm verloren gegangen. Diese Diskussionen über Weihnachten und Heimat setzten sich bis an die Weihnachtstafel fort. Erst in der letzten Szene war die Krippe mit dem Jesuskind zu sehen. Die Mitwirkenden legten Geschenke an der Krippe ab. Worauf Maria und Josef meinten: "Was bringt ihr dem Kind so viele Geschenke? Der Sohn Gottes ist geboren. Das ist das größte Geschenk."

Das Krippenspiel gab den Zuschauern zu denken. Das war auch anschließend in Gesprächen bei Schmalzstullen und Glühwein zu hören. Für die schmackhaften Schmalzstullen hatten Marga Schuntermann und Elisabeth Hermann gesorgt. Während die kleinen Engelchen vom Krippenspiel die Kollekte einsammelten, gab Martina Lenzke bekannt, dass mal nicht für Brot für die Welt gespendet wird, sondern für die Restaurierung der Wenzer Kirche.

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