Zu einem neuen Spectaculum in der Stadt am Aland lud die Stadtinformation Seehausen am Sonnabendabend ein. "Ausverkauft" hieß es schon Wochen vorher.

Seehausen l An der Steintorbrücke startete das Spektakel, und 140 Gäste sahen zu. Kaum waren die mittelalterlichen Klänge der mecklenburgischen Gruppe "Hinterhof" verklungen, verlas Seehausens Bürgermeister Detlef Neumann in rotem Gewand folgende Bestimmung: Bürger im Alter von 15 bis 60 Jahren haben sich in eine Liste einzutragen, die Wachen für alle fünf Stadttore festlegt. Wer sich nicht daran halten wolle, müsse in den Kerker zu Wasser und Brot.

Stadtwachen an allen fünf Toren

Tatsächlich gab zwischen 1532 und 1537 diese Regelung eines Bürgermeisters, dem die Ordnung der Stadt am Herzen lag. Das bestätigte Claudia Preuschoff, die im Schauspiel der Theatergruppe "Hahn im Korb" mitwirkte. Als Ratsherr trat Falk Preuschoff auf, der endlich Gelegenheit hatte, seine Amtskette zu tragen.

"Das weiße Gold", so der Titel des Schauspiels, war Salz. Mit einem großen Karren schafften es die Händler heran und führten es mitsamt Tross in Richtung Beustertor. Dort erlebten alle eine Überraschung, die seinerzeit an der Tagesordnung war. Der Wagen wurde überfallen. Die Ritter Holger und Helge Altknecht lieferten sich ein Gefecht vor begeistertem Publikum, ehe der Wagen den Marktplatz an der Salzkirche, erreichte. Zum Dank für die Rettung lud der Bürgermeister zum Essen ein.

Einmal im Jahr gab es in Seehausen einen großen Markt, der Waren und Geld, vor allem aber Salz, in die Stadt brachte. Mit dem Salz kamen aber auch die Ratten, und weil nicht nur Unrat auf die Straße flog, sondern die Männer überallhin urinierten, hatte die Pest in Seehausen den idealen Nährboden. "Da ist schon wieder einer, der uriniert. Wo soll das noch hinführen", rief Waschfrau Kathleen Zimmermann und zeigte auf Ralf Behrendt, der eine Gießkanne benutzte. Das Publikum lachte auf. Als Quacksalber verkleidet, gab Claudia Preuschoff zwar der erkrankten Jeannette Alt eine Heilsalbe, aber ihr Motto war: "Die Stadt muss gesäubert werden! Einiges ändert sich nie!" Kein Wunder, dass die Handelsleute das Weite suchten.

Passend zum Schluss des Stücks spielte die Musikgruppe "Hinterhof": "Heideldidel- dum, die Pest geht um, der Knochenmann spielt zum Tanz!" Nun war die Stunde von Junker Jürgen (Schmidt) gekommen, derweil der Männerchor Seehausen in Mönchskutten Bier ausschenkte. Dieser erzählte von Markgraf Albrecht der Bär, ein pfiffiger und fauler Herr. Der dachte nicht daran, auf Kreuzzug ins Heilige Land zu wandern und wollte lieber 1147 mit dem Heereszug über die Elbe in die Prignitz, was so viel wie bewaldetes, unwegsames Land bedeute. Die Slawen wurden geschlagenen und Havelberg als Wiege der Prignitz bestimmt. Nur absolute Lokalpatrioten fahren heute mit dem Autokennzeichen SDL-PR plus Nummer herum, behauptete der Geschichtsexperte.

Wunderblut Christi macht Wilsnack reich

Ach, und dann war da noch etwas zu Wilsnack, das 1382 abgebrannt war bis auf die Kirche, wo sich auf Oblaten rote Flecken fanden. Nach Meinung der Bischöfe war das nichts anderes als das Wunderblut Christi. Schon wurde Wilsnack zum Wallfahrtsort, Millionen Pilger kamen, die sich das Pilgerzeichen an den Hut steckten, bis Luther den finanziellen Betrug auffliegen ließ und die Besucher ausblieben. Bis Hape Kerkeling ("Ich bin dann mal weg") Werbung für das Pilgern machte. Seitdem kommen wieder jährlich rund 4000 Gäste zur Bad Wilsnacker Wunderblutskirche.

Nach so viel Reden wartete auf die Zuhörer in der Salzkirche ein deftiges Gelage. "Gehabet euch wohl, sauft und nachher fresst", sprach Junker Jürgen und sang mit Tochter Doro "Wenn der Topf aber nun ein Loch hat", bis die "Hintertür"-Männer den Gesang übernahmen.

   

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