Auf die Pläne für eine neue Verkehrsführung in Osterburg und einigen Ortsteilen der Einheitsgemeinde (Volksstimme vom 17.Dezember) ging folgender offener Brief an das Stadtoberhaupt ein:

"Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schulz, wie es der Presse und Ihren Äußerungen während der letzten Stadtratssitzung zu entnehmen war, dürfen wir in absehbarer Zeit wieder mit erlaubten 50 statt 30 Kilometern pro Stunde die Krumker Straßen passieren. Nicht, dass ich darauf gewartet hätte, und auch meine nicht repräsentative Blitzumfrage bei betroffenen Bürgern ergab, dass Ihnen mit dieser Maßnahme nicht gerade der große Wurf gelungen ist. Die Meinungen reichten von "Katastrophe" bis "egal"; Applaus konnte ich nicht vernehmen.

Tempo 30 in Krumke muss bleiben

Insofern stellt sich die Frage, warum überhaupt Handlungsbedarf besteht? Tempo 30 in Krumke muss bleiben!

Zunächst komme ich nicht umhin, ein Demokratiedefizit anzumerken. Die Entscheidung für Tempo 30 ist im Rahmen einer Anwohnerversammlung in Krumke mit Bürgermeister Raden gefallen - damals ohne Gegenstimmen. Insofern fordere ich Sie auf, Ihr Vorhaben auch mit den Anwohnern zu diskutieren und nicht über deren Köpfe hinweg zu entscheiden. Auch eine eventuelle Diskussion im Ortschaftsrat halte ich in diesem Fall für nicht ausreichend, schließlich ist kein Einwohner aus Krumke dort vertreten.

Zahlreiche ortsunkundige Besucher des Schlossparks fahren durch Krumke. In Unkenntnis der für schnellen (Begegnungs-) Verkehr kaum geeigneten Straßenverhältnisse ist Tempo 50 schlicht das falsche Signal zum Gasgeben. Zudem addieren nicht wenige Autofahrer zu den Geschwindigkeitsbegrenzungen grundsätzlich den Faktor 10, wir müssen also mit Tempo 60 und mehr rechnen.

Kinder und gehbehinderte Menschen können sich bei Tempo 30 sicherer fühlen. Der unterschiedliche Anhalteweg kann über "Glück gehabt" und "Krankenhaus" entscheiden. Bei gleicher Ausgangslage beträgt der Anhalteweg eines Pkw bei 30 km/h elf Meter, bei 50 km/h sind es schon 25 Meter, von zu befürchtenden höheren Geschwindigkeiten ganz zu schweigen.

Nicht zu vergessen sind die vierbeinigen Verkehrsteilnehmer. Wir teilen uns den Verkehrsraum mit hochsensiblen (Flucht-)Tieren. Der Pferdeverkehr (mit und ohne Reiter, von und zur Reithalle, speziell auf der Parkstraße) ist bemerkenswert hoch. Hin und wieder sieht man auch herrenlose Pferde die Straßen entlang traben. Das ist unvermeidbar, wenn man mit Pferden umgeht, so wie es in Krumke Tradition ist. Und nicht immer herrscht Tageslicht!

Für mich ist es eine Horrorvorstellung, sollte ein unbedacht gefahrener Pkw in solch einen, häufig mit Kindern durchgeführten, Pferdetrieb hineinfahren. Krumke würde viel verlieren, wenn die Pferde von den Straßen verschwinden müssten.

Nicht zuletzt würde Krumke an Attraktivität verlieren. Tempo 50 und seit Fertigstellung der Brücke nach Zedau auch zusätzlicher Durchgangsverkehr können schon abschreckend auf junge Familien sein - wollten wir nicht gerade die für eine Ansiedlung in der Altmark begeistern? Hinzu kommen in Verbindung mit dem Kopfsteinpflaster bei höheren Geschwindigkeiten deutlich höhere Lärmwerte.

Ein Schilderwald wäre die Folge

Und schließlich steht es dem Naherholungs- und Touristenort Krumke ganz gut, wenn auch die Gäste sich nicht vor dem laufenden Verkehr fürchten müssen.

Abschließend vergessen Sie bitte auch die ökonomische Seite nicht: Wie ich hoffentlich überzeugend nachweisen konnte, würde das Entfernen der bestehenden "Zone-30-Schilder" den Aufbau eines ganzen Schilderwaldes nach sich ziehen - unsere Gladigauer und Walslebener Gemeindemitglieder hätten dafür sicher kaum Verständnis.

Über eine Stellungnahme würde ich mich sehr freuen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie eine besinnliche Weihnachtszeit und viel Tatkraft im neuen Jahr!"

Mathias Fritze,

Krumke