Fast 20 Jahre ist er auf "seiner" Fähre im Einsatz: Olaf Quiel schippert Menschen und Fahrzeuge von einer zur anderen Elbseite. Auch heute, Heiligabend, verrichtet der Werbener auf der Räbeler Fähre seinen Dienst.

Räbel l Das Notizbüchlein liegt in der obersten Kabine, auf der Brücke, von wo aus der Fährmeister den besten Überblick über das Geschehen auf der Elbe hat. Täglich trägt Olaf Quiel in das Heft die vom Funk übermittelten Pegel ein. Sein gestriges Fazit: "An Weihnachten kommen wir am Seil durch." Hochwasser ist aktuell nicht in Sicht. Mit diesem ändert sich auch die Fähr-Situation. Und dies könne ganz schnell vonstatten gehen.

1992 übernahm Olaf Quiel das Ruder auf der Fähre Räbel. Oder besser gesagt das Kommando über die Technik. Seitdem setzt der Werbener das Gefährt über die Elbe, befördert Menschen, Tiere und Fahrzeuge von der einen zur anderen Seite. Seit fast 20 Jahren übt er diesen Job aus, begrüßt täglich Personen, die auf ihn und die Gierseilfähre angewiesen sind. "Natürlich gibt es Stammkunden", erzählt er. Beispielsweise Bundeswehr-Angehörige, die zur Kaserne nach Havelberg wollen. Oder auch Krankenpfleger, die umgekehrt in Richtung Räbel von Bord gehen. Auch am heutigen Heiligen Abend sorgt er für den Transport über den Fluss. Um 7Uhr beginnt die Arbeit, um 11.30 Uhr beendet er den Dienst. "Ich habe Frühschicht." Dann bestehe noch genügend Zeit, den Heiligen Abend zu genießen.

Der Funk ist ständig an, Informationen vom Schifffahrtsamt sind auch für eine Fähre von großer Bedeutung. So muss der Werbener ständig den Verkehr auf der Elbe im Auge behalten, wissen, wann das nächste Schiff seine Route quert. Aber nicht nur dies ist für ihn interessant. Immer, wenn die aktuellen Pegel über Funk gemeldet werden, notiert er sich diese ins Büchlein. Nicht nur die Werte der sachsen-anhaltischen Städte, sondern beispielsweise auch den Elbstand der tschechischen Stadt Usti. So kann Olaf Quiel abschätzen, wann ein möglicher Hochwasserscheitel eintrifft. "Ich habe bisher keine Saison erlebt, an dem wir kein Hochwasser hatten." Es kommt also. Aber wann? Gestern notiert er sich beispielsweise plus elf Zentimeter für den Standort Tangermünde, bei einem Stand von 3,13 Meter. Noch ist keine Gefahr. "Das kann aber an Silvester wieder ganz anders aussehen." Mit dem erhöhten Stand ändert auch die Fähre ihr System. Dann wird aus einer Gierseilfähre eine Motorfähre. Der Dieselmotor kommt in Fahrt. Das geschieht, wenn der Damm, also das letzte Straßenstück unter Wasser steht und nicht mehr befahrbar ist.

Die Zahl der Fahrgäste schwankt. Speziell zwischen Sommer und Winter. Dann können Passagiere "einem Löcher in den Bauch fragen". Aber der Werbener Fährmeister antwortet gern auf Fragen zum System seines Fahrzeugs oder zu Zielen in der Umgebung. Viele radelnde Touristen sind in den Sommertagen unterwegs. Ein Plausch mit den Gästen gehört dazu.

In der jetzigen Jahreszeit kann es schon einmal ungemütlich an Deck werden, wie kürzlich, als Dauerregen herrschte. Das nützt nichts, schließlich "muss ich raus", um beispielsweise die Landeklappen hoch- oder runterzufahren. Das Positive überwiegt jedoch, schließlich "bin ich hier mein eigener Herr".

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