Salzwedel/Kapstadt/Windhoek l "Gleich nach meiner Ankunft in Kapstadt habe ich Alltag und Seelsorge kennengelernt", erzählt Matthias Böhlert. Pfarrer Albrecht Hahne, ein Nachfahre von Einwanderern, habe ihm vom Tod einer 16-Jährigen erzählt, für deren Beerdigung er bei jeder Gelegenheit Geld sammelte. In einem Seniorenkreis habe er einen Vortrag über die Lutheriden (Luther-Nachfolger) gehalten. "Die Teilnehmer waren neugierig, wollten wissen, wo Salzwedel liegt, wie das Leben in der DDR als Christ war, wie ich zur Musik gekommen bin", schildert der Salzwedeler. Aber auch Fragen zur Wende und zum Erleben der Grenzöffnung seien gestellt worden. "Es war eine intensive Diskussion", blickt er zurück.

Einen Tag habe er genutzt, um mehr über Kapstadt zu erfahren. "Alt heißt dort, dass Gebäude im 18. Jahrhundert entstanden sind. Vieles ist aus Holz. Der holländische Baustil dominiert", berichtet Matthias Böhlert. Eine Kirche sei als Scheune getarnt gewesen, in der einst heimlich Gottesdienste gefeiert worden seien.

Weiter ging es nach Stellenbosch, einer Kleinstadt mit einer Universität. Beim Konfirmationsgottesdienst hat der Westaltmärker einen jungen Trompeter begleitet und ein kleines geistliches Konzert mit Werken von Heinrich Schütz gegeben. Am Abend habe er ein Orgelkonzert mit Musik aus der Heimat Luthers und aus lutherischen Ländern gespielt. Übernachtet hat der Gast bei Hans Huyssen, einem Cellisten, Komponisten und Chorleiter, sowie dessen Familie. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich in Stellenbosch Weinberge sehe", sagt der Konzertreisende. Bei dem Spaziergang durch diese, seien die Pflanzen ausgerissen worden, die nicht hingehören.

Per Flugzeug ging es von Kapstadt nach Windhoek in Namibia. Bischof Erich Hertel brachte zur Begrüßung die "Allgemeine Zeitung" mit, das einzige deutschsprachige Blatt in dem afrikanischen Land. Darin entdeckte Matthias Böhlert eine Ankündigung der Orgelkonzerte, die er während des Aufenthaltes geben würde. Dem Reporter eines deutschen Senders habe er ein Interview gegeben. Und er habe mit einem schwarzen Pastor einer schwarzen lutherischen Gemeinde gesprochen. "Die Kirche hat 1200 Sitzplätze. Und die sind jeden Sonntag voll", zeigt er sich beeindruckt. Dort werde a cappella gesungen.

In Windhoek sei ihm aufgefallen, dass die meisten Straßen deutsche Namen haben. Das sei der Geschichte geschuldet. Per Bus ging es nach Swakopmund, wo das nächste Konzert auf dem Programm stand. Hinter dieser Stadt beginne gleich die Namib-Wüste. "Es regnet dort so gut wie nicht. Ich habe jede Menge Flussbetten gesehen, die ausgetrocknet waren", erzählt Matthias Böhlert. In dieser Stadt habe er in einer Kirche auch ein von Lutz Gerlich aus Naumburg gestaltetes Fenster entdeckt - den Arbeiten des Glaskünstlers sei er bereits in Wladiwostok während einer Konzertreise begegnet. "Es besteht Interesse an weiteren Kontakten zu ihm. Ich konnte ein bisschen weiterhelfen", sagt er. Neben dem Musizieren für interessierte Zuhörer habe er selbst viel gelernt. "Ich durfte den Atem der Geschichte spüren, nachfragen. Ich habe hautnah erlebt, wovon man sonst nur liest", resümiert Matthias Böhlert.