Wetterfeste Naturfreunde statteten den Amphibien an den Brietzer Teichen einen Besuch ab. Sie ließen sich dabei auch nicht vom strömenden Regen abschrecken.

Brietz l Wenn Ute Machel skeptisch ist, ob beim zweiten Anlauf zur Frühjahrs-Tümpeltour Besucher kommen, lässt sie sich das jedoch nicht anmerken. "Wenn jemand kommt, dann gehen wir auch los, "sagt die Mitarbeiterin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) und hüllt sich in wetterfeste Kleidung. Jacke, Regenhose und Gummistiefel. Immer wieder sieht sie erwartungsvoll in Richtung Bundesstraße 71, ob von dort aus ein Auto in Richtung Sportplatz abbiegt.

Bereits zwei Wochen zuvor fiel die erste angekündigte Tümpeltour an den Brietzer Teichen der Witterung zum Opfer. Ermutigend ist das Wetter an diesem Abend auch nicht. Zum Regen gesellt sich ein unangenehm kalter Wind. Das Warten scheint nicht vergeblich. Doch in den ersten beiden Autos sitzen zunächst zwei weitere "Offizielle": Dieter Leupold, Koordinator des Grünen Bandes beim BUND, und Ralf Knapp. Der Kreisnaturschutzbeauftragte wird die Tümpeltour leiten. Das Trio wartet gemeinsam, während der Regen noch weiter zunimmt. Aber Ute Machel weiß: "Wenn Eltern ihren Kindern diese Tour versprochen haben, dann wollen die Kinder das auch durchziehen. Und den Eltern bleibt dann nichts anderes übrig, als sich auf den Weg zu machen."

Wie zum Beweis biegt tatsächlich ein Auto von der Bundesstraße 71 in Richtung Sportplatz ein. Jörg und Regine Wischer sowie ihr Sohn Til steigen aus, ausgestattet mit Keschern und bereit, dem widrigen Wetter zu trotzen. "Til wollte unbedingt zu dieser Tümpeltour", bestätigt Regine Wischer die Erfahrung von Ute Machel schmunzelnd. Der Salzwedeler Thomas Koberstein gesellt sich noch zu der Gruppe, dann geht es los in Richtung Teiche.

Lange muss die Gruppe nicht wandern, um dem ersten Vertreter der ortsansässigen Fauna zu begegnen. In Höhe der Mühle sitzt ein Frosch im Schein der Taschenlampen mitten auf dem

Platten-weg. Ralf Knapp bückt sich kurz und hat das Tier mit einem schnellen Griff in der Hand. "Das ist ein Teichfrosch", erklärt der Experte. Von seinen Verwandten, beispielsweise dem Moorfrosch, könne man ihn durch seine bleiche Bauchseite und den Fersenhöcker unterscheiden.

Der Forsch fühlt sich im Griff des Naturschutzbeauftragten anfangs alles andere als wohl. Er spreizt seine Gliedmaßen, versucht, sich aus der für ihn ungewohnten Situation zu befreien. Doch nach einigen Minuten scheint er sich damit abgefunden zu haben. Der Frosch hängt nahezu bewegungslos in der Hand von Ralf Knapp und lässt sich am Ende sogar gefallen, dass Til ihn streichelt.

Als die wetterfesten Naturfreunde die Brietzer

Teiche erreichen, ist es bereits nahezu dunkel. Sie werden von einem in der Lautstärke an- und abschwellenden, aber ununterbrochen anhaltenden Konzert empfangen. Männliche Laubfrösche versuchen, die weiblichen Exemplare ihrer Art auf sich aufmerksam zu machen. Dazwischen lassen immer wieder einige Gänse ihre Rufe hören.

Die Froschkonzerte dauern normalerweise von Anfang April bis Mai, erklärt Ralf Knapp seinen Zuhörern. Die Damen dieser Gattung kommen indes selten vorbei. Wenn, dann nur für eine Nacht.

Ein Laubfrosch gerät den Teilnehmern der Tümpeltour nicht in die Kescher, die sie immer wieder vorsichtig ins Wasser tauchen. Dafür aber die in ihrem Köcher steckende Larve der gleichnamigen Fliege, die Til Wischer genau im Schein seiner Taschenlampe begutachtet.

Kurz darauf hat Ralf Knapp einen Moorfrosch erwischt. Es gebe jeweils drei Grün- und drei Braunfroscharten, so Ralf Knapp weiter. Zu letzteren gehören neben dem Moorfrosch auch der Gras- und der Springfrosch. Sie auseinanderzuhalten sei alles andere als einfach. Unmittelbar interessiert ihn vor allem, ob es sich bei der "Zufallsbekanntschaft" um ein Weibchen oder ein Männchen handelt. "Es hat keine Haftzehe, also ein Weibchen", so das Ergebnis seiner Betrachtung.

Das Froschkonzert verrät, dass die Bewohner der Brietzer Teiche recht zahlreich sein müssen. Aber die Lurche scheinen kein Verlangen zu haben, sich fangen und im grellen Schein mehrerer Taschenlampen genau untersuchen zu lassen. Immer wieder leuchten die Tümpeltour-Teilnehmer in die Gewässer, ziehen die Kescher durchs Wasser, achten auf die kleinste Bewegung.

Ralf Knapp hat inzwischen eine junge Erdkröte erwischt, die sich aber - im Gegensatz zu den Fröschen - nicht einfach ergeben möchte. Immer wieder windet sie sich aus dem Griff und versucht, zu entkommen. "Sie ist anscheinend mit der Gesamtsituation unzufrieden", sagt Ralf Knapp schmunzelnd und lässt das Tier wieder frei. Die nächste Erdkröte ist, wie Ralf Knapp und Dieter Leupold feststellen, ein Männchen, dem erstaunlicherweise ein Fuß fehlt.

Das Froschkonzert veranlasst Ralf Knapp und Til Wischer, einen Teich nach dem anderen zu umrunden, in der Hoffnung, dass einer der quakenden Bewohner sich in Ufernähe platziert hat. Ihre Suche im nach wie vor strömenden Regen

erweist sich als vergeblich. Til Wischer entdeckt dicht am Ufer noch zwei Gelbrandkäfer, die schnell versuchen, aus dem Kescher zu krabbeln.

Auf dem Rückweg entzündet Ute Machel Fackeln, deren Flammen nicht nur dem Regen widerstehen, sondern auch den Wald um die Mühle mit warmem Schein erhellen.

 

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