Salzwedel l 1992 zog Maxim Sachraj aus einer Stadt in der Nähe der weißrussischen Hauptstadt Minsk nach Salzwedel. "Meine Eltern trafen die Entscheidung, um ihren Kindern bessere Zukunftschancen zu ermöglichen", erklärt der 26-Jährige. Und für diesen Schritt ist der junge Mann seinen Eltern heute noch dankbar. Denn die Biographie, die Maxim Sachraj heute hat, wäre in Weißrussland vermutlich nie so geschrieben worden.

Mit nicht einmal 18 Jahren lief der Salzwedeler über die Catwalks von Paris und Mailand. Dabei begann seine Karriere mit einem Versäumnis. "Ich wollte mich 2006 beim Casting für das Schülerferienticket bewerben. Aber ich habe den Einsendeschluss um eine Woche verpasst", erinnert sich Maxim Sachraj. Doch davon ließ er sich nicht beirren und meldete sich auf einer Modelplattform in Internet an.

"Mich hat dann ein erfahrenes Model angeschrieben und gefragt, ob ich bei der Fashion Week sei. Er schrieb mir, dass ich mich bei seiner Agentur melden soll", erzählt der Salzwedeler. "Ich hatte großes Glück, dass er mir geholfen hat. Ich hatte damals keine Ahnung vom Modeln", blickt Sachraj zurück. Maxim Sachraj schickte daraufhin Fotos zur Berliner Agentur des Models. "Die fanden mein Gesicht interessant und haben mich zu einem Test-Shooting eingeladen. Dort wurden Bilder für eine Kartei geschossen und meine Maße genommen", erklärt der junge Mann.

Erster Auftritt für Prada in Paris

Sein erstes Auftrags-Fotoshooting absolvierte das Model 2007 für die Bravo. Dort war er auf dem Cover einer Dr.-Sommer-Beilage. "Dafür wurde ich von einigen Mitschülern belächelt", erinnert sich der Salzwedeler. Doch danach ging es für den Altmärker richtig los. Designer luden ihn zu Castings für die Fashion Week in Paris und Mailand ein. Ungefähr eine Woche bevor die eigentlichen Shows beginnen, müssen sich die Mannequins den Designern präsentieren. Für den damals 18-jährigen, der mitten in der Abiturphase steckte, hieß das: Erst zum Casting nach Paris, dann nach Mailand. In der italienische Modemetrople erhielt er die Nachricht, dass ihn Prada bucht. Also zurück in die französische Hauptstadt.

In Paris hatte Maxim Sachraj seinen ersten Laufsteg-Auftritt. Und das vor 500 Gästen und für eine der bekanntesten Marken der Welt. "Ich war ganz schön aufgeregt", gibt der 26-Jährige zu und beschreibt die Szenerie kurz vor dem Auftritt so: "Wir standen alle in einer Reihe. Ich sah nur das helle Licht und die vielen Besucher. Die Aufregung stieg, je höher ich die Treppe zum Laufsteg gestiegen bin." "Plötzlich stand nur noch ein Model vor mir. Dann ging es für mich auf den Laufsteg. Körperspannung, Blick geradeaus, aussagekräftiges Gesicht - es hat alles gepasst", erzählt der 26-Jährige. "Nach dem Auftritt habe ich vom Designer Lob erhalten", erklärt der Salzwedeler.

Zusage für Fashion Week in Mailand

Nach der Show in Paris erhielt der junge Mann die Bestätigung, dass er auch für die Fashion Week in Mailand gebucht wurde. In den folgenden Monaten kamen weitere Model-Jobs rein, beispielsweise für die Berliner Fashion Week.

Obwohl Maxim Sachraj durch das Modeln in der Vorabi-Phase einiges an Schulstoff verpasste, schaffte er 2007 seinen Abschluss am Jahngymnasium. Es folgte der Zivildienst und dann kam die große Frage: Weiter über die Catwalks dieser Welt spazieren oder ein Studium beginnen? "Ich bin meinen Eltern heute noch dankbar, dass sie mich auf den Weg zum Studium gebracht haben. Für mich war es damals schwer, mit dem Modeln aufzuhören", sagt der Salzwedeler, der während seiner Zeit an der Hochschule keinen Auftrag angenommen hat. 2012 machte der junge Mann seinen Bachelor. Die Arbeit schrieb er während eines halbjährigen Aufenthalts bei Volkswagen in Südafrika. Im Anschluss arbeitete er als Ingenieur im Wolfsburger VW-Werk und büffelte nebenbei für seinen Master-Abschluss, den er seit Ende Mai in der Tasche hat. "Vor einem halben Jahr habe ich mir vorgenommen, es noch einmal mit dem Modeln zu versuchen", erklärt der Salzwedel. Der erste Schritt für einen Karriere-Neustart ist bereits getan.

Er hat neue Fotos anfertigen lassen. Denn aus dem schönen Jüngling ist ein Mann geworden. Außerdem hat er eine Facebook-Seite erstellt und wurde auf Anfrage von einer jungen Hamburger Agentur in deren Kartei aufgenommen. In den kommenden Monaten will er mit seinen neuen Bildern gezielt auf weitere Agenturen zugehen. Und wenn es nicht klappt, hat Maxim Sachraj noch immer seine Arbeit bei VW und nebenbei ein eigenes Gewerbe.

Denn er ist einer der Organisatoren des Amula-Festivals im Salzwedeler Burggarten. "In den kommenden Jahren werde ich mich für einen dieser drei Wege entscheiden. Ob es Modeln, Veranstalter oder der Job bei VW wird, weiß ich noch nicht", erklärt Sachraj. "Ich habe mit dem Studium eine anstrengende Zeit hinter mir und genieße jetzt erstmal meine Freiheit", blickt er voraus und ergänzt: "Ich rate jedem jungen Menschen, seine Ziele zu verfolgen, auch wenn man Umwege gehen muss. Es lohnt sich, Lasten auf sich zu nehmen."

 

Bilder