Mit ihrer Liebesgeschichte zu dem kenianischen Krieger Lketinga landete die "weiße Massai" Corinne Hofmann einen literarischen Welterfolg. Mit der inzwischen erwachsenen Tochter reiste sie nun erstmals in die Heimat des Vaters. Diese und weitere Erlebnisse schildert sie in ihrem neuen Buch "Afrika, meine Passion", das sie am Montag, 26. September, ab 20 Uhr im Kulturhaus Salzwedel vorstellt. Volksstimme-Mitarbeiter Lion Grote sprach mit ihr über die Wanderung durch Namibia, den Stolz der afrikanischen Frauen und die Begegnung zwischen Vater und Tochter.

Volksstimme: Frau Hofmann, im ersten Teil ihres neuen Buches beschreiben Sie eine Wanderung durch Namibia. Wie kam es dazu?

Corinne Hofmann: Ursprünglich wollte ich etwas Abstand zu Afrika gewinnen und bin mit einer Freundin nach Indien gereist. Das hat mich aber irgendwie nicht so gepackt, und ich merkte, dass ich Afrika nie verlassen könnte. Zufällig las ich dann ein Inserat in der Zeitung: "Autorin mit viel Mut und Humor für gemeinsame Expedition zu Fuß und Kamel gesucht". Da hab ich mich gemeldet, und vier Monate später waren wir in Namibia. Das war sehr spannend, vor allem wegen der Himba, ein Volk, das dort noch sehr ursprünglich lebt. Aber die 720 Kilometer waren sehr anstrengend. Durch die Wüste zu laufen ist schon was anderes als durch die Schweizer Berge.

Volksstimme: Sie beschreiben sehr oft die afrikanischen Frauen. Welche Rolle spielen diese in den Gemeinden?

Corinne Hofmann: Die Frauen sind das Rückgrat Afrikas. Wie sie das harte Leben mit einer Leichtigkeit nehmen, ist beeindruckend. Dabei tragen sie die Last, für das Überleben der Kinder sorgen zu müssen. Es gibt Frauen dort, die haben richtig Power. Mit denen möchte ich nicht streiten. Auch der Stolz ist unglaublich. Wenn ich bei manchen im Slum saß und ihren Geschichten zugehört habe, dann haben die mich stark gemacht. Da kann man gar nicht genug von kriegen. Manchmal muss man sich dann schon schämen, worüber man sich hier in der Schweiz oder in Deutschland beschwert.

Volksstimme: Der persönlichste Teil Ihres Buches ist die Reise mit ihrer Tochter Napirai zu deren Wurzeln nach Barsaloi in Kenia. Sie war mit 21 zum ersten Mal dort und hat immer gesagt "Mama, das ist deine Geschichte". Gab es vorher kein Interesse?

Corinne Hofmann: Oh doch! Sie hatte ja meine Geschichten gelesen. Aber es war insofern nicht ihre Geschichte, als dass sie keine Erinnerungen hatte. Wenn die Leute sie gefragt haben, wie ihr Vater so ist, konnte sie nichts sagen. Diese Unsicherheit hat sie schon sehr gestresst. Aber heute sagt sie, dass es ihr gutgetan hat. Heute kann sie sagen, wer und wie ihr Vater ist. Ich wusste immer, dass sie es schaffen muss, die Leute dort kennen zu lernen. Als wir dann dort waren und sie gesehen hat, wie man dort lebt, hat sie auch gesagt, "Ich hätte das nicht ausgehalten." Was sie dann aber auch erlebt hat, war die Wärme der Menschen. Die ist wie ein Hafen. So hart das Leben auch ist, es gibt einen engen Zusammenhalt.

Volksstimme: Wie kam es letztlich zu dieser gemeinsamen Reise?

Corinne Hofmann: Geplant war das immer. Natürlich musste sie erst 18 sein, damit ich sie auch wieder mitnehmen konnte. Dann wollte sie erst ihre Lehre beenden. Als ich dann die sechs Wochen in Afrika unterwegs gewesen bin, war ich voller Energie, als ich heimkam, und erzählte ihr all die tollen Geschichten. Da hat sie schon gesagt, dass sie das unbedingt auch mal erleben will. Wenig später kam dann ein Brief von James, dem jüngeren Bruder meines Ex-Mannes Lketinga - er ist der einzige in der Familie, der schreiben kann. Der war viel dicker als sonst und sehr emotional. Sonst schrieb James immer nur, was er so macht und was passiert ist, aber da schrieb er zum ersten Mal, wie sehr er uns vermisst und dass er hofft, dass Napirai mal kommen würde. Den Brief las ich ihr vor, und dann sagte sie: "Wir fliegen da hin." Aus tiefsten Herzen hat sie gespürt, dass sie bereit ist. All die Jahre, in denen ich versucht habe, den Kontakt zu halten, haben sich damit gelohnt.

Volksstimme: Wie lief die Begegnung zwischen Napirai und ihrem Vater Lketinga?

Corinne Hofmann: Wir hatten den Moment herbeigesehnt, aber auch gefürchtet. Beide sind ja eigentlich eher zurückhaltend, und ich hatte etwas Sorgen, dass er Napirai vielleicht ignoriert. Aber als er dann zu uns auf die Lodge kam, hat er sie kurz angesehen und dann ganz doll geherzt und gedrückt. Er hat dann nur noch "My child, my child!" gerufen und konnte sich gar nicht beruhigen. Ich habe Napirai nur noch lachen hören. Das war überraschend, aber genau der richtige Weg.

Volksstimme: Wie war der Empfang im Dorf?

Corinne Hofmann: Unsere Ankunft hatte sich natürlich ganz schnell herumgesprochen. Es gibt ja keine Fernseher und so, deshalb war es das Ereignis. Die Dorfältesten haben uns gesegnet, und die Familie hat uns ein Picknick am Fluss bereitet. Selbst die Kinder, die mich noch nie gesehen haben, kannten meine Geschichte. Das ist wie eine Legende. Alle haben sich bedankt, dass wir sie über all die Jahre nicht vergessen haben.

Volksstimme: Besonders wichtig für Sie war immer die Großmutter. Wie hat sie auf das Wiedersehen reagiert?

Corinne Hofmann: Zwischen ihr und Napirai gibt es auch ein ganz starkes Band. Die sehen sich vom Profil her auch sehr ähnlich. Das Treffen war für beide sehr wichtig. Ich habe die Großmutter noch nie so glücklich gesehen, glaube ich.

Volksstimme: Und wie haben Sie sich gefühlt?

Corinne Hofmann: Als ich gesehen habe, dass alles gut läuft, war ich sehr entspannt. Ich habe mir viele Sorgen gemacht, wie Napirai sich dort fühlen wird. Im ersten Moment hat sie natürlich schon gesagt, "Mama, so zu leben ist schon krass". Wenn man aus der Schweiz kommt und zwei Tage später in Barsaloi steht, ist das schon ein Kulturschock. Aber schon am zweiten Tag lief sie frei im Dorf herum und mit den Kindern an der Hand. Sie hatte sich immer Geschwister gewünscht, und plötzlich hatte sie so viele. Ich habe meine Mission jetzt erfüllt, die Tore sind geöffnet, und ich bin mir sicher, dass Napirai auch wieder nach Kenia fliegen wird. Als Mutter wusste ich, dass es wichtig für sie war, sie musste nur den richtigen Moment finden.

Volksstimme: Ihre Tochter Napirai schreibt auch selber Abschnitte in dem Buch. War das so eine Art Mutter-Tochter-Projekt?

Corinne Hofmann: Ja, genau. Das Buch war ursprünglich anders geplant, aber nach der Reise habe ich ihr gesagt: "Napirai, das ist jetzt auch deine Geschichte". Ich bat sie, ihre Gefühle aufzuschreiben, weil ich das ja nicht für sie machen kann. Das war ganz toll, wie sie das gemacht hat und ich freue mich sehr darüber.

Tickets für diese Veranstaltung gibt es auch im Service-Center der Volksstimme, Neuperverstraße 32 in Salzwedel.