64 Einwendungen sind gegen die geplante Hähnchenmastanlage in Dambeck vorgebracht worden. Gestern hatten die Verfasser die Möglichkeit, ihre Argumente gegen das Vorhaben während eines Erörterungstermins mündlich noch einmal zu untersetzen.

Dambeck l "Ich fasse es als Provokation auf, die Anlage in so einer Nähe zu einem Wohnort errichten zu wollen, und hoffe, dass die zuständige Behörde das nicht zulässt", sagte Salzwedels Vize-Bürgermeister Erich Kaiser gestern während des Erörterungstermins zum Genehmigungsantrag für eine Hähnchenmastanlage bei Dambeck. Die Stadt hatte im Vorfeld bereits das gemeindliche Einvernehmen zu dem Vorhaben versagt. Kaiser bezog sich gestern auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtes über eine ähnliche Anlage in Roxförde. Darin war von mindestens 400 Meter Abstand die Rede. Im Antrag für die Anlage bei Dambeck steht: "Der Vorhabenstandort befindet sich etwa 300 Meter nördlich der Ortslage Dambeck."

Diese und 63 weitere Einwendungen gegen das Projekt der Biogas Dambeck GmbH Co. KG sind im kleinen Saal des Kulturhauses zusammengefasst zu Themen erörtert worden. Die anwesenden rund 40 Einwender konnten ihre Argumente gegen das Vorhaben präzisieren und vor Mitarbeitern des Landesverwaltungsamtes, das für das Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz zuständig ist, erläutern. "Damit sollen die Entscheidungsträger in die Lange versetzt werden, fundiert darüber zu befinden", betonte Marita Rienecker vom Landesverwaltungsamt, die die Erörterung moderierte.

Allerdings wurde die Entscheidung nicht gestern getroffen. Die vorgetragenen Aussagen sind aufgezeichnet worden und sollen im Nachhinein ausgewertet werden, wie Rienecker erklärte. Zu dem Termin waren neben den Gegnern der Anlage mit 160000 Hähnchen in vier Ställen, auch die Antragsteller mit den beteiligten Planern und Gutachtern erschienen, die zu Einwänden und Fragen Stellung nahmen. So wurden neben dem zu geringen Abstand unter anderem fehlerhafte Prognosen hinsichtlich des Austretens von Geruch, Staub, Ammoniak, Aerolsolen und Keimen von den Einwendern ins Feld geführt. Des Weiteren spielten Lärmschutz, die Hühnerkotausbringung, Natur- und Bodenschutz, Wasser- und Veterinärrecht, der Brandschutz und allgemeine Einwendungen eine Rolle. Die Mitglieder der Bürgerinitiative "Keine Hähnchenmast" untermauerten ihre Argumente mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Auswirkungen industrieller Tierhaltung auf die Umwelt und Gesundheit. Dabei erhielten sie Schützenhilfe von Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland.

Claus Riehn aus Brewitz beschrieb die zu erwartenden Auswirkungen auf seinen Wohnort, der ebenfalls nur 400 Meter von der geplanten Anlage entfernt sei. Seiner Meinung nach, sei die Belastung durch bereits vorhandene Tierhaltung nicht berücksichtigt worden. Ein Thema war der hohe Lkw-Verkehr zur Ver- und Entsorgung, für den weder die Zufahrtstraßen noch die Dorfstraße von Dambeck ausgelegt sei. Ein eventuell erforderlicher Neubau gehe für den Fall der Dorfstraße zu Lasten der Einwohner, die über die Straßenausbaubeitragssatzung herangezogen würden, betonte BI-Mitglied Holger Thiel. Im Fall einer Genehmigung müssten Betreiber und Stadt diese Frage vertraglich regeln.