Salzwedel l Morgen wird er 19 Jahre, der pinkfarbene Bücherbus der Stadt- und Kreisbibliothek Salzwedel. Auch wenn es mit den Finanzen derzeit nicht rosig aussieht, so sind die Mitarbeiter optimistisch, dass die kleine Bibliothek weiter rollen wird.

"Wie schnell doch 19 Jahre vergangen sind", sagt Bibliothekarin Kerstin Gromeyer erstaunt. Sie erinnert sich noch genau an den 21. April 1993. Damals sei das Gefährt erstmals auf Tour gewesen, habe in Kuhfelde und den Orten drumherum gestoppt. An Bord gewesen seien Christamaria Meyer, die sich mit für den Erwerb des Bücherbusses stark gemacht hatte, sowie die Bibliotheksleiterin Heidi Urban. "Damals war die kleine Bibliothek auf Rädern eine Attraktion, heute ist sie fester Bestandteil des Lebens in den Dörfern. Die Leselust ist ungebrochen", weiß Kerstin Gromeyer. Die Nutzer würden ihr oft sagen, dass sie das Angebot nicht mehr missen möchten. Denn so komme Kultur aufs Land.

"Seit sieben, acht Jahren haben wir einen stabilen Fahrplan. Im Vorjahr sind sogar mit Kakerbeck, der Gemeinde Kuhfelde und der Kita Schrampe weitere Haltestellen dazugekommen. Jetzt fahren wir 124 Stationen an", berichtet Kerstin Gromeyer. Der neue Fahrplan für das nächste halbe Jahr sei fertig. Es habe nur kleine Veränderungen gegeben, entsprechend der Zeitbedürfnisse vor Ort.

Der Bus sei übrigens in einem sehr guten Zustand. Dafür sorge der Fahrer Adolf Helbig. "Unser Gefährt ist jetzt ohne Probleme durch den TÜV gekommen", sagt die Bibliothekarin stolz. Dennoch drohe beim Alter des Busses immer die Gefahr, dass ein Teil verschleiße. "Das lässt sich nicht vorausahnen. Die Reparatur ist dann oft kostspielig", meint sie. Spenden, die der im Vorjahr gegründete Bibliotheks-Förderverein entgegennehmen dürfe, würden ein Stück weit helfen. Doch es werde extrem schwierig, mit den zur Verfügung stehenden 90000 Euro übers Jahr zu kommen, wenn ein Defekt auftrete. Die Schmerzgrenze liege eigentlich bei 110000 Euro. Es könne nicht noch mehr gespart werden. "Wir hoffen, dass die Politik gemeinsam einen Weg findet, damit es mit dem Bücherbus weitergehen kann. Denn 1500 Nutzer, vom Kleinkind bis zum Senior, warten jährlich auf unseren Besuch", sagt Kerstin Gromeyer, die sich gemeinsam mit Sascha Steinig-Pinnecke und Adolf Helbig um die Bus-Besucher kümmert. Bis zu 130 Leser würden täglich in die rollende Bibliothek kommen und bis zu 800 Medien ausleihen. "Wir haben Angebote für alle Altersgruppen, versuchen, stets aktuelle Lektüre und mehr anzubieten", sagt sie.

Kassetten sind beim Nachwuchs weiter beliebt

Konnten vor 19 Jahren Bücher, Zeitschriften und Kassetten ausgeliehen werden, so gibt es heute zudem CDs, Videos, DVDs, einige Konsolenspiele und seit Dezember auch eBooks. Sascha Steinig-Pinnecke berichtet, dass die Kassetten heute noch bei den Jüngeren hoch im Kurs stehen. So seien die Geschichten von "Bibi Blocksberg" und "Benjamin Blümchen" in Hörform gefragt. "Eine CD geht da schon eher mal kaputt als eine Kassette", schildert er seine Erfahrung. Fantasy-Literatur sei in allen Altersgruppen beliebt. "Das ging mit den Harry-Potter-Romanen so richtig los", erinnert er sich. Aber auch historische Romane, Zeitgeschichte und Biografien würden gern gelesen, ergänzt Kerstin Gromeyer. Eine große Nachfrage gebe es nach Hörbüchern und Konsolenspielen.

Das Team des Bücherbusses setzt auf die Leseförderung. 19 Kindertagesstätten, 6 Grundschulen und die Sekundarschule Dähre werden regelmäßig einmal im Monat angesteuert. "Es ist ganz wichtig, dass auch die Jüngsten an Bücher herangeführt werden", sagt Kerstin Gromeyer. Nach den Lesefesten in Rohrberg und Brunau werde es diese Veranstaltung am 6. Juli in Kuhfelde geben. "Wir werden die Veranstaltung gemeinsam mit dem Bibliotheks-Förderverein und der Grundschule Kuhfelde ausrichten", blickt sie voraus.

Im 20. Jahr des Bücherbus-Bestehens seien weitere Angebote geplant. "Ich bin optimistisch, dass wir weiterfahren können und dass die Politik eine Lösung für die Finanzierung findet. Denn der Lesehunger ist ungebrochen. Das treibt uns voran", sagt Kerstin Gromeyer.