"Rosarot oder düster" - unter diesem Motto hatte der Förderverein der Bibliothek am Dienstag zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Thema: die Zukunft des Bücherbusses.

Salzwedel l Podiumsdiskussionen leben normalerweise von gegensätzlichen Ansichten. Die Teilnehmer unter dem Dach der Salzwedeler Bibliothek waren sich jedoch in der grundlegenden Frage einig: Der Bücherbus soll weiter die Bürger im Altmarkkreis mit Lesestoff versorgen. In der Frage, welche Kosten das Angebot in Zukunft verursachen soll, gingen die Ansichten allerdings auseinander.

190000 Euro stehen im Haushalt des Altmarkkreises für die Unterstützung aller Bibliotheken bereit. Davon erhält die Stadt- und Kreisbibliothek Salzwedel für die Medienausleihe in der Freydanckschen Villa und die Versorgung der Orte im Norden des Altmarkkreises über den rosafarbenen Bus 140000 Euro. Von diesem Betrag seien 110000 Euro als Zuschuss für die rollende Bibliothek auskömmlich, so Landrat Michael Ziche. Joachim Mikolajczyk, Leiter des KulTour-Eigenbetriebes der Stadt Salzwedel, zu dem auch die Bibliothek gehört, sieht in der Zuweisung dagegen 90000 Euro für den Bus. Und diese reichen seiner Meinung nach für einen ganzjährigen Betrieb nicht aus. Bereits Mitte Februar hatte Mikolajczyk gemeinsam mit Bibliotheksleiterin Bettina Mühe sowie Claudia Büssow, Vorsitzende des Fördervereins, Alarm geschlagen (die Volksstimme berichtete). Mit 90000 Euro könne nur ein Betrieb bis Oktober abgesichert werden. Mikolajczyk wies darauf hin, dass die Stadt Salzwedel 2010 den Bücherbus mit weiteren 20000 Euro unterstützt habe.

"Der Bus ist kein Störfaktor, sondern eine Bereicherung."

Bettina Mühe

Ziche betonte, dass die 190000 Euro für die Bibliotheken dauerhaft festgeschrieben seien. Er stellte allerdings auch klar, dass es nicht mehr Geld geben werde. Denn der Haushalt des Altmarkkreises sei defizitär. Zudem hätten sich die Rahmenbedingungen des Finanzausgleichs erheblich verändert. Erhielten Landkreise und Kommunen einst ein Viertel des Haushaltsvolumens des Landes, so habe sich dieser Betrag in den vergangenen Jahren nahezu halbiert; Tendenz weiter sinkend, obwohl der Umfang des Landesetats gleich geblieben sei.

Andererseits sei der Altmarkkreis alles andere als ein "Bibliothekennotstandsgebiet" und eine der wenigen Gebietskörperschaften, die die Bücherausleihen der Region noch bezuschussen, so Ziche unter Hinweis auf einschlägige Statistiken (siehe Infokasten). Die entsprechende Vereinbarung über die Zuschüsse dieses Jahres habe der KulTour-Eigenbetrieb bislang noch nicht unterschrieben, erinnerte der Landrat. Er ließ auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass der Zuschuss an einen ganzjährigen Betrieb des Bücherbusses gebunden ist.

Die Bundestagsabgeordnete Undine Kurth (B 90/Grüne) gab allerdings zu bedenken, dass der Erhalt des Status quo in der Finanzierung letztlich bedeute, die Zuschüsse zu senken.

Bettina Mühe unterstrich noch einmal, dass der Bücherbus eine Einrichtung des Altmarkkreises sei, die auch fachlich gut betreut werden müsse. Ehrenamtliches Engagement genüge den Qualitätsansprüchen nicht.

Zur Kreisgebietsfusion 1994 gab es nur im Altkreis Salzwedel eine rollende Bibliothek - eine Einrichtung, die anderenorts als Störfaktor angesehen wurde, blickte Bettina Mühe zurück. "Der Bücherbus ist jedoch kein Störfaktor, sondern eine Bereicherung", sagte sie mit Nachdruck.

"Doch die anderen Bibliotheken blockten ab."

Lutz Franke

1994 habe man ein System übernommen, das eigentlich überholt sei, resümierte Michael Ziche. Der Bücherbus ist nur im Norden des Altmarkkreises unterwegs und hat sich in diesem Bereich weiter entwickelt.

An Versuchen, ein gemeinsames Netz, das den Bus mit einschließt, zu schaffen, hat es seitdem nicht gefehlt - an nennenswerten Erfolgen allerdings schon. Lutz Franke, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Kreistag, erinnerte daran, dass er ein Gespräch mit den Leiterinnen der Bibliotheken initiieren wollte. Das sollte der Anfang für ein Bibliothekskonzept sein. "Doch die anderen Bibliotheken blockten das ab. Es hieß: ,Das Geld geht nach Salzwedel, was geht uns der Bücherbus an\'", berichtete Franke. Dieses Kirchturmdenken habe ihn sehr geärgert. Landrat Ziche berichtete von einem Gespräch mit den Bürgermeistern der Kommunen, an dessen Ende nur Salzwedels Oberbürgermeisterin Sabine Danicke und er sich zum Bücherbus bekannten. Die anderen Bürgermeister verweigerten sich einer Finanzierung über die Kreisumlage.

Bettina Mühe schlug vor, die Bibliotheken künftig nicht mehr pauschal zu bezuschussen, sondern das Leistungsprinzip anzuwenden. Das könne aus dem Umsatz ermittelt werden, erläuterte Moderator Karl-Heinz Reck ein Modell des Bibliotheksverbandes. Der Umsatz ergebe sich aus dem Verhältnis zwischen den Ausleihungen und der Zahl der vorhandenen Medien. "Der Durchschnitt aller öffentlichen Bibliotheken in Sachsen-Anhalt liegt übrigens bei 3,4, der des Bücherbusses bei 3,57", fügte Reck hinzu.

Michael Ziche erachtete dieses Prinzip als überlegenswerten Ansatz. Es frage sich allerdings, ob das von den Beteiligten auch gewollt sei.

Unter den Zuhörern des Abends war auch die Landtagsabgeordnete Verena Wicke-Scheil (Bündnis90/Grüne). Die Politikerin, die jahrelang im Bibliothekswesen arbeitete, fragte, ob sich ein Landkreis drei Bibliotheken mit Kreisfunktion leisten können. Eine Aufgabenzuweisung sei unbedingt erforderlich. Undine Kurth forderte die Entscheidungsträger der Region zu einer Bibliothekskonferenz mit festen Ziel auf. Die Signale für Gespräche sind zumindest positiv. Die neue Leitung der Gardelegener Stadt-, Kreis- und Gymnasialbibliothek sei durchaus für eine Zusammenarbeit, sagte Mitarbeiterin Romy Topf während der Diskussion.

"Das wird nicht viel bringen, aber wenigstens ein bisschen."

Claudia Büssow

Bis es jedoch eventuell zu erneuten Gesprächen kommt, werden sich die Mitglieder des Fördervereins der Bibliothek vor allem des Bücherbusses annehmen. Gegründet von 13 Mitgliedern, sei er inzwischen auf 45 Mitstreiter abgewachsen, informierte Vorstandsvorsitzende Claudia Büssow.

Durch verschiedene Aktionen werde der Verein den Bus in diesem Jahr mit 2000 Euro unterstützen, kündigte sie an. Auch die Idee, Werbung am Bus anzubringen, wolle man weiter verfolgen. "Das wird nicht viel bringen, aber wenigstens ein bisschen."

Denn dass die rollende Bibliothek benötigt werde, stehe außer Frage, machte der Gymnasiast Jan Hoffmann aus Kläden deutlich. In seinem Heimatort herrsche großer Bedarf an Lesestoff. Er selbst habe sich seit 2003 im Bücherbus 1230 Medien ausgeliehen.

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