Wer einen Angehörigen hat, der unter Demenz leidet, fühlt sich häufig auf sich allein gestellt. Ein Demenz-Service Zentrum in Schönebeck könnte Abhilfe verschaffen. Im November wurde darüber bei einer Podiumsdiskussion gesprochen. Nun sollen Taten folgen.

Schönebeck l An den runden Tisch zum Thema Demenz hat Burkhard Lischka, Bundestagsabgeordneter für die SPD, die Vertreter von Pflegeheimen, Pflegediensten und Behörden eingeladen. Im Haus Luise diskutierten rund 25 Menschen über Probleme und Chancen rund um die Betreuung von Demenz-Kranken. Besonders erfreulich: Drei Angehörige waren gekommen, um ihre Erfahrungen beizusteuern.

"Ich möchte jetzt gern feste Dinge verabreden", erhob Anett Lazay vom Diakonieverein Burghof ihre Stimme. Dabei brachte sie, gemeinsam mit Sigrid Meyer von der Bürgerstiftung Salzland, ein Pflegeforum ins Gespräch. Wichtig sei hier vor allem, ein Angebot zu schaffen, zu dem sich jeder Betroffene eingeladen fühlt. "Wir müssen mit den Menschen ins Gespräch kommen, um ihnen schnell und unbürokratisch weiter zu helfen", sagt Sigrid Meyer. Hierfür sollen demnächst in regelmäßigen Abständen Treffen organisiert werden, zum Beispiel in Form eines Angehörigen-Café. Meyer fordert an dieser Stelle die Bereitschaft der Akteure, sich zu beteiligen.

"Das ist eine tolle Idee, wir sind gerne dabei", meldet sich die neue Leiterin der Alzheimer Beratungsstelle Schönebeck, Birgit Herter. Allerdings fügt sie nach der Veranstaltung hinzu: "Wir haben solche Angebote schon seit einiger Zeit. Zu uns kann jeder kommen." Das neue Pflegeforum soll in den Räumen der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft stattfinden. Der erste Termin wird im April sein. Manche Betreiber von Pflegeheimen - so zum Beispiel das Haus der Geborgenheit der Volkssolidarität - zeigten sich einverstanden mit den Vorschlägen. Bei anderen besteht Klärungsbedarf.

Außerdem soll ein Flyer erstellt werden, in dem alle Stationen, die Hilfe bei der Betreuung von Alzheimer Patienten bieten, aufgeführt sind. Der Flyer soll bei den Arztpraxen in Schönebeck ausgelegt werden. "Es ist total wichtig, die Ärzte ins Boot zu holen. Sie sind für viele Betroffene die erste Anlaufstelle", erklärt Katrin Brauer-Schmoldt vom Haus der Geborgenheit. Sie sieht viel Bedarf, die Ärzte zu sensibilisieren, da diese die Grundlage der Arbeit eines Demenz-Service-Zentrums bilden würden.

Ein großes Problem für die Betroffenen ist der Antrag für die Pflegestufe. An dieser Hürde scheitern viele Angehörige. "Da kommt eine halbe Stunde lang ein Gutachter und macht sich daraus ein Bild", fasst Katrin Brauer-Schmoldt vom Haus der Geborgenheit ihre Beobachtungen zusammen. Sie findet es traurig, dass ein Mensch anhand von Pflege-Minuten eingestuft werden soll. Energisch wirft anschließend Sigrid Meyer in den Raum: "Wie viel wert ist uns Pflege? Wie viel wert ist uns Krankheit?" Damit wendet sie sich direkt an die Politik. Burkhard Lischka kann daraufhin nur antworten: "Es gibt zwar Hilfestellungen, es gibt aber auch noch Bedarf." Die Bewilligung der Gelder für die Projekte dauere an.

Das sieht Gudrun Schedler vom Stadtseniorenrat der Stadt Schönebeck ähnlich. "Zwischen denen, die Informationen haben, und denen, die welche benötigen, klafft eine große Lücke", erklärt sie.

Bei einem Thema sind sich allerdings alle Anwesenden einig. Es kommt auf das Miteinander an. In Zukunft solle nicht mehr aus reinem Konkurrenz-Denken gehandelt werden. Das liegt daran, dass in den nächsten Jahren nach Einschätzung der Experten am runden Tisch immer mehr Menschen an Demenz erkranken werden.

Hintergrund: Mit der zunehmenden Lebenserwartung wird sich auch die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen erhöhen. Derzeit leben in der Bundesrepublik etwa 1,2 Millionen Betroffene. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft geht von einer Steigerung der Anzahl der Erkrankten bis zum Jahr 2050 auf bis zu etwa 2,6 Millionen Menschen aus.