Das Schönebecker Tierheim steht in der Kritik. Schon wieder. Immer noch? Denn das, was sieben Gassigeher in einem Brief anprangern, war bereits vor Jahren Thema. Nach dem jüngsten Artikel in der Volksstimme gab es mehrere Reaktionen. Es finden sich Kritiker aber auch Befürworter des Status quo.

Schönebeck l Nach der Veröffentlichung eines Artikels über das Schönebecker Tierheim am 18. April hat es mehrere Reaktionen von Lesern gegeben. Sie fallen unterschiedlich aus. Die Volksstimme gibt nachfolgend wesentliche Teile der Meinungsäußerungen wieder.

Höchst unzufrieden mit dem Service der Tierheim-Mitarbeiter ist Renate Seifert aus Schönebeck. Sie hatte sich vor knapp einem Jahr einen Kater aus dem Tierheim geholt. Das Büro, sagt sie, sei ihr unschön und unsauber erschienen. Der Kater sei ihr als stubenzahm und artig beschrieben worden - aber das Gegenteil war der Fall. Der Wildfang ging über Tisch und Bänke, ließ sich anfangs nicht streicheln und richtete mit seinen Krallen vielmehr erstaunlichen Schaden an.

Zahmer Stubentiger entpuppt sich als Wildfang

Als sich Renate Seifert beim Tierheim beschwerte, habe es dort geheißen: "Bei uns war der nicht so." Nach einem Jahr lässt sich "Felix" jetzt zwar streicheln und die schwerbehinderte Frau hat ihn zutiefst ins Herz geschlossen, dennoch kritisiert sie die offenkundig falschen Informationen bei der Vermittlung des Tieres.

Einen anderen, nämlich positiven Eindruck hat Olaf Mühlberg aus Barby. Er schreibt: "Ich habe selber einen Hund aus dem Tierheim und war oft dort zu Besuch. Von den geschilderten Missständen ist mir dabei nichts aufgefallen. Ganz im Gegenteil. Die Mitarbeiter waren immer bemüht, unter den gegebenen Umständen Ordnung und Sauberkeit in den Zwingern und auf dem Gelände zu halten." Wer selbst Tiere hat, der müsste wissen, welche Arbeit damit verbunden ist. Deshalb sei es durchaus möglich, dass nicht immer alles reibungslos vonstatten geht. "Wenn sich jeder um die Tiere kümmern würde, die er sich angeschafft hat, gäbe es eine solche Situation gar nicht", appelliert Olaf Mühlberg. Er findet es sei angebracht, die Arbeit des Tierheim-teams zu würdigen. "Sie sorgen Tag für Tag dafür, dass die Tiere, die keiner mehr haben will, noch ein bisschen Liebe bekommen."

"Ich kenne ein anderes Tierheim, als dort dargestellt."

Mit Erstaunen hat Katja Jäger aus Barby den Volksstimme-Artikel gelesen. "Ich kenne ein anderes Tierheim, als dort dargestellt", hebt sie hervor. Die Frau aus Barby hat selbst einen Hund und ist im Hundesportverein ihrer Heimatstadt aktiv, wie sie darlegt. "Dort werden durch Verantwortliche des Tierheimes Hunde aus diesem zusammen mit unseren Hunden in Gruppenausbildungen trainiert, um die Sozialisierung der Tiere zu verbessern und ihnen damit eine bessere Vermittlungschance zu geben. Mit Erfolg!"

Katja Jäger hat Verständnis für das Tierheim-Team und meint, dass es bestimmt nicht einfach sei, stets die Pflege und Haltung auf hohem Niveau zu halten. Alle Beteiligten sollten bitteschön darüber nachdenken, wie das Leben der Tierheim-Tiere verbessert werden kann: "Ob nun durch persönlichen Einsatz, finanziell oder unseren moralischen Beistand."

Unabgesprochen geht darauf Anja Kögler in einem sehr ausführlichen Schreiben ein. "Die Tierheimbefürworter könnten sagen, das sich die Leute, die sich dauernd beschweren, doch selber vor Ort engagieren sollen. Aber genau das machen diese Menschen schon seit Jahren." Genau deshalb ist es für die Schönebeckerin nicht nachvollziehbar, dass die Verantwortlichen alles abstreiten, was sieben Gassigeher anprangern (Anmerkung der Redaktion: Der Artikel vom 18. April beruhte auf der Kritik von sieben Personen, die regelmäßig Tierheim-Hunde ausführen).

"Aber was sehen diese Menschen denn immer nur, wenn sie ins Tierheim kommen? Bilden sich die Leute etwa alles nur ein", fragt Anja Kögler ungläubig.

Die Frage nach den Fortschritten beim Neubau sei gar nicht beantwortet worden, moniert sie (Anmerkung der Redaktion: Eins nach dem anderen, das Thema kommt noch).

"Immer wieder werde ich privat von Menschen angesprochen, die sich bei mir darüber beschweren, dass die Mitarbeiter die ihnen anvertrauten Tiere nicht kennen und dementsprechend keine Auskünfte über deren Charaktereigenschaften geben können", führt Anja Kögler weiter aus. Sie habe von mehreren im Umkreis arbeitenden guten Hundetrainern gehört, die zum Teil ehrenamtlich ins Tierheim kamen, um dort den Hunden zu helfen. "Nur leider haben sie irgendwann die Arbeit eingestellt. Wegen Desinteresse der Mitarbeiter, Unbelehrbarkeit im Umgang mit Tieren oder schlicht und ergreifend, weil keiner mit den Hunden weitergearbeitet hat."

Ihr gehe es vor allem darum die Verantwortlichen wachzurütteln. Gerade ein von einem Tierschutzverein geführtes Tierheim sollte eine Vorreiterposition in Sachen Tierschutz und Kompetenz einnehmen", schreibt die Leserin. Sie schlägt ein Gespräch zwischen den kritischen Gassigehern und dem von Stadtseite zuständigen Dezernenten Joachim Schulke vor. Unter Anwesenheit der Volksstimme.

Ungenannt möchte ein weiterer Briefeschreiber (oder Briefeschreiberin) bleiben, um "weiterhin recherchieren zu können". Da die Volksstimme anonyme Zuschriften nicht veröffentlicht, kann an dieser Stelle dazu nichts weiter ausgeführt werden, nur so viel: Die Kritiken insgesamt seien mehr als berechtigt und müssten abgearbeitet werden.

 

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