Seit gestern Nachmittag sitzt ein Schönebecker im Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Er soll eine Frau mit einer Eisenstange verletzt haben. Danach ist er geflohen. Ein Großeinsatz für die Polizei.

Schönebeck l Unfassbare Szenen müssen sich Mittwochnachmittag in einer Wohnung in der Schönebecker Mittelstraße abgespielt haben: Verletzt und verstört ruft eine 47-Jährige bei der Polizei an. Die Frau aus Calbe berichtet am Telefon, dass sie von ihrem ehemaligen Lebensgefährten geschlagen worden sei.

Der Anruf landet im zentralen Notrufmanagement der Polizei in Magdeburg. Sofort machen sich Beamte aus Schönebeck auf den Weg zur Straße in Bad Salzelmen. Sie finden die Frau. Die 47-Jährige berichtet, dass der Mann mehrfach mit einer Eisenstange auf sie eingeschlagen habe. Anschließend malträtierte er sein Opfer mit bloßen Fäusten weiter. Schließlich habe er von der Frau abgelassen, sei geflohen und ließ die Verletzte so zurück.

Verletzungen an Halswirbel und Kiefer, Hämatome, Blutergüsse

Sie erlitt Verletzungen am Halswirbel und am Kiefer, ihr Körper zeigte Hämatome und Würgemale. "Die Kollegen haben sofort Notarzt und Rettungsdienst verständigt", sagt Stephan Weiß, Leiter des Schönebecker Polizeirevierkommissariates. Zwar bestand, wie sich später herausstellte, keine Lebensgefahr, doch die Frau kam zur stationären Behandlung ins Krankenhaus.

Der vermeintliche Täter war da bereits auf der Flucht. Gegenüber der Geschädigten soll er aber kurz davor noch angedeutet haben, sich selbst das Leben nehmen zu wollen. Diese Ankündigung war für die Polizei Anlass für einen Großeinsatz. Andreas Weiß. "Es wurden umfangreiche polizeiliche Maßnahmen ergriffen." Mehrere Streifenwagen waren unterwegs, um den Mann zu finden. Kräfte aus Magdeburg wurden hinzugezogen. Auch der Polizeihubschrauber verstärkte die Suche nach dem 48-Jährigen. Schließlich wurde der Mann noch in der Nacht in Calbe aufgegriffen. Im Bericht von Polizei und Staatsanwaltschaft ist dazu zu lesen: "Durch umfangreiche Fahndungsmaßnahmen und einen Bürgerhinweis konnte der Beschuldigte vorläufig festgenommen werden."

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat darauf hin Haftantrag wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung gestellt. Noch gestern wurde der vermeintliche Täter von der Polizei zu den Vorgängen befragt. Außerdem wurde er dem diensthabenden Richter des Amtsgerichtes in Schönebeck vorgeführt. Der erließ nach Anhörung Haftbefehl, worauf der 48-Jährige in die Justizvollzugsanstalt nach Magdeburg gebracht wurde.

Bereits 2005 Mord wegen Beziehungststreitigkeiten

Zu den Motiven, die den Mann bewegten, die Frau derart zu misshandeln, gaben die Behörden gestern mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen keine weiteren Auskünfte. Allerdings, so hieß es aus Kreisen der Ermittlungsbehörden, ließe sich eine Beziehungstat nicht ausschließen. Immerhin sind der vermeintliche Täter und sein Opfer laut offiziellen Verlautbarungen einmal ein Paar gewesen.

In Schönebeck gab es bereits 2005 zwei schreckliche Straftaten mit ähnlichem Hintergrund, nämlich nachdem Paare sich verstritten hatte. Im November hatte ein 29-Jähriger seine 27-jährige Ex-Freundin, die Mutter zweier Kinder, auf offener Straße niedergestochen. Zeugen beobachten das Geschehen in der Pestalozzistraße damals.

Zwei Monate vorher war in Schönebeck ebenfalls eine Frau von ihrem Ex-Ehemann erstochen worden.