Schönebeck l Einmütigkeit hat am Donnerstag im Stadtrat über einen Antrag der Fraktion FDP/Schall geherrscht. Der sieht vor, dass die Städte Schönebeck, Barby und Calbe sowie Bördeland zusammen arbeiten. Das könnte das derzeit bei jeder der Kommunen bestehende Missverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben verringern. Diese Argumentation führte Stadtrat Reinhard Banse an. Seines Wissens gebe es zwischen Calbe, Barby, Bördeland und Nienburg bereits eine Willensbekundung zur interkommunalen Zusammenarbeit. "Diese Städte sind weiter als wir", sagte er.

Banse und seine Fraktionskollegen versprechen sich Synergieeffekte. Der Einkauf von Material wie Papier oder Streusalz wäre preiswerter möglich, auch die Anschaffung technischer Geräte und der damit verbundene Wartungsservice. Außerdem könnte Personal im Krankheitsfall untereinander ausgetauscht werden. Stadtbedienstete könnten gemeinsam Schulungen besuchen, und Auszubildende hätten die Chance, jede der beteiligten Kommunen kennenzulernen.

Der Vorschlag ist bereits vor einigen Tagen in der Volksstimme publiziert worden. Die Schönebecker Lokalredaktion fragte bei dieser Gelegenheit die Kommunen nach ihrer Meinung. "Das hatten wir versäumt", räumte Banse ein. Die durchweg zustimmenden Reaktionen würden dem Antrag zusätzliches Gewicht geben. Wichtig sei jedoch, dass alle Partner gleichberechtigt an einen Tisch kommen.

Sämtliche Fraktionen stimmten diesem Vorschlag prinzipiell zu. Allerdings legten die CDU und Die Linke Änderungsanträge vor. Im Wortlaut ähnlich, wird darin vorgegeben, zuerst einmal rechtliche Fragen zu klären. "Wir möchten den Antrag ändern in einen Prüfantrag. Die Verwaltung soll klären, welche Möglichkeiten konkret bestehen", erläuterte Fraktionschefin Sabine Dirlich (Die Linke) .

Zwar befand CDU-Kollege Torsten Pillat, dass der Antrag seiner Fraktion "der schönere" sei, auf die Räte machte diese Notenvergabe aber wenig Eindruck. Der Stadtrat verabschiedete mehrheitlich den Änderungsantrag der Linken und natürlich auch den Antrag der Fraktion FDP/Schall.

Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase (parteilos) begrüßte die Initiative. "Ich nehme den Prüfauftrag an", sagte er sogar noch vor der Abstimmung. Insbesondere bei der Materialbeschaffung und dem Austausch von Auszubildenden sieht er Vorteile für alle. Allerdings: "Ich würde mich weigern, in Vorkasse für andere Gemeinden zu gehen." Und: "Ich möchte mir den Vorwurf ersparen, dass es heißt: Der Haase lädt ein und doktriniert uns was auf." Der Gemeindechef will den Vorschlag bei nächster Gelegenheit beim Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt vorstellen.

Ein weiteres großes Thema während der Stadtratssitzung war die Zukunft des Plötzkyer Sportplatzes. Weil der Verein, der die Sportstätte am Waldrand des ostelbischen Ortsteiles bislang als Pächter betreut hat, nur noch aus zwei Leuten besteht, ist der Pachtvertrag mit der Stadt Schönebeck gekündigt worden. Es standen bereits Interessenten vor der Gemeindetür, die auf der Sportstätte ihr Einfamilienhaus errichten wollen. Doch der Ortschaftsrat Plötzky möchte den Sportplatz gerne erhalten. Schließlich gibt er den Grundschülern des Ortes eine ideale Möglichkeit für den Schulsport.

Der aber sollte nun eigentlich auf dem Schulhof ausgerichtet werden. Ein Vorschlag der Stadt Schönebeck, der bei den Eltern nicht auf Gegenliebe stieß. Kurzum (Volksstimme berichtete bereits) entschied sich die Stadt, den Sportunterricht auf dem Sportplatz weiter zu ermöglichen. Mitarbeiter des städtischen Bauhofes rückten schon am Donnerstag an, um Sprunggrube, Laufbahn und sanitäre Einrichtungen herzurichten.

Der Ortschaftsrat Plötzky hat einen Antrag in den Stadtrat eingebracht, mit dem die Verwaltung aufgefordert wird, für die Erhaltung des Sportplatzes ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten. Ziel soll es sein, die Sportstätte im Interesse der Grundschule Plötzky und auch für den "unter Umständen wieder neu zu belebenden Freizeitsport" zu erhalten. Die CDU-Fraktion brachte dazu einen Änderungsantrag ein mit der Maßgabe, den Schulsport spätestens bis 1. Mai wieder zu ermöglichen.

Auch die Linke war wieder mit einem Änderungsantrag im Boot. "Wir sollten nicht nur gucken, was passiert. Die Verwaltung sollte aktiv werden", so Sabine Dirlich.

Es folgten zahlreiche Meinungsäußerungen. Haase: "Schulsport ist Pflichtaufgabe, Freizeitsport nicht." Pretziens Ortsbürgermeister Friedrich Harwig: "Wenn es um Angelegenheiten der neuen Ortsteile geht, sollten wir gehört werden. Das war hier nicht der Fall." Torsten Pillat: "Bemerkenswert, wie schnell die Verwaltung eine Lösung aus dem Ärmel geschüttelt hat." Stadtratschef Markus Baudisch: "Ich warne davor, Sportstätten zu schließen." Dann Manfred Pöschke (Rettet die Altstadt): "Wie lange wollen wir noch diskutieren?" Sehr hilfreich die Bemerkung von Plötzkys Ortsbürgermeister Herbert Schmeißer: "Es wird sich eine neue Fußballmannschaft bilden. Die Weichen sind gestellt."

Der Stadtrat stimmte den Anträgen von Plötzky und CDU zu. Heißt: Der Schulsport ist abgesichert. Der Freizeitsport, laut Schmeißer, bald auch. Nur die Häuslebauer fallen dann wohl in die (Sprung-)Grube.