Für den Schönebecker Christian Jakobs ist der Turm auf dem Hummelberg ein bedeutender Teil Schönebecker Geschichte. 2012 gründete der 28-Jährige mit Freunden einen Verein. Die Ehrenamtlichen wollen bis 2020 das Bauwerk wieder hergestellt haben. Es gibt sogar schon Nutzungsideen.

Schönebeck l "Es war, als stünde man vor einer verwunschenen Burg. Fast mystisch!" Christian Jakobs erinnert sich noch ganz genau an seine erste Begegnung mit dem Turm auf dem Hummelberg. Ein Schulausflug führte den Schönebecker und seine Freunde in der ersten Klasse auf die rund 95 Meter hohe Erhebung. "Es gab viel zu entdecken", weiß Christian Jakobs noch, der heute 28 Jahre alt ist. Verschlungene Wege führten zur Anhöhe hinauf. Trampelpfade, fast zugewachsen. Doch ins Nichts führten diese Wege nicht. Ganz im Gegenteil. Auf der Spitze des Hummelbergs steht ein Gebäude. Eine altes Turmgebäude. Rundbögen und Zinnen brachten den gerade einmal Siebenjährigen zum Staunen. Der rote Backstein leuchtet, wenn die Sonne das imposante Bauwerk bescheint. Es strahlt Erhabenheit aus, auch wenn es seit Jahren dem Verfall preisgegeben ist. Das Haus wirkt imposant, auch wenn Fenster, Türen, Dächer fehlen. Das Dickicht des Grüns auf dem Hummelberg umschmeichelt den Turm, scheint ihn auch vor allzu Neugierigen zu schützen.

Christian Jakobs hat sich in diesen Ort verliebt. Noch heute sagt der Schönebecker, er sei als Kind wie elektrisiert gewesen. Losgelassen hat ihn die Begegnung nicht mehr. Im Gegenteil. Der Turm auf dem Hummelwerk soll zum Lebenswerk für Christian Jakobs werden. "Wir wollen das Gebäude retten und mit Leben erfüllen." Diese Idee geistert im Kopf des jungen Mannes herum und treibt ihn seit Jahren an, Rettung und Wiederaufbau des Stücks Schönebecker Geschichte anzugehen. Keine Schnapsidee, keine Stichflamme, die nach einem Auflodern schnell wieder erlischt. Als Christian Jakobs 23 Jahre alt war, begann er, sich intensiv mit der Geschichte "seines Märchenschlosses" zu befassen. Während seine Freunde ganz jugendlichen Dingen nachgingen, vergrub sich Christian Jakobs in Akten und Bücher, durchforstete das Stadtarchiv und machte sich auf die Suche nach Erinnerungen. Jeder Fund zum Hummelberg, jedes Detail zu seiner Historie ist wie ein neues Steinchen eines großen Mosaiks. Mehr und mehr ergibt sich ein Bild, das wiederum motiviert Christian Jakobs weiterzumachen. "Aus dem Interesse für ein Gebäude, ist echte Begeisterung geworden", sagt er, wenn er seine die Gründe für seine Motivation in Worte fassen soll. Ganz eigen ist Christian Jakobs das Interesse an der Geschichte, besonders der seiner Heimat, denn diese Geschichte sei identitätsstiftend. Viel Hilfe hat Christian Jakobs von den Schönebecker Stadtarchivaren Britta Meldau und Mathias Hille erfahren. Sie halfen beim Stöbern und hatten so manchen guten Tipp parat.

Die Geschichte ist schnell erzählt. 1870 will sich der Schönebecker Brauer August Wilhelm Allendorff ein Sommerhaus auf den Hummelberg setzen lassen. Zuvor entstand schon ein Wohnhaus mit einem großen Keller, der bis heute erhalten ist. Aus dem Sommerhaus wurde schnell ein Aussichtsturm. Neben dem bis heute legendären Bierer Berg ist die Anhöhe ein lukrativer Naturort. Gartenanlagen prägen den Osthang. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges fällt das Gebäude der Wehrmacht zur Nutzung zu. 1956 wird der Turm restauriert und eine Sternwarte eingerichtet. Der Kulturbund Schönebeck kümmert sich. 1959 erhält das kleine Planetarium den Namen "Volkssternwarte Bruno H. Bürgel". Doch 1961 wird - wie schon einmal Jahre zuvor - erneuter Schwammbefall festgestellt. Bis 1963 ziehen sich Sanierungsversuche, weiterer Befall, Einbrüche und Zerstörungen hin. Der Anfang vom vermeintlichen Ende. Die Einrichtung der Sternwarte wird ausgelagert. Der Turm steht leer und ist fortan dem Verfall preisgegeben. Inzwischen steht nur noch die äußere Hülle. 1996 gibt es Initiativen seitens der Stadt, das Areal einer neuen gastronomischen und touristischen Nutzung zuzuführen, dabei auch den Turm einzubeziehen. Die Pläne verschwinden in der Schublade - und werden nicht weiter verfolgt.

Wieder vergehen 16 Jahre. Jetzt kommt Christian Jakobs\' Stunde. Er findet zunächst in den Reihen der Familie und bei Freunden, dann auch bei Bauunternehmern Mitstreiter, die wie er für die Sache glühen. 2012 gründet er den Förderverein. Die Ehrenamtlichen haben sich ambitionierte Ziele gesteckt. "Uns geht es darum, zunächst das Gebäude zu sichern", sagt Christian Jakobs. Der Verein möchte das Grundstück erwerben. Vorher stellt man dem städtischen Kulturausschuss die Ideen für den Hummelberg vor. Der Stadtrat gibt grünes Licht für die Veräußerung. "Bildung, Kunst, Kultur - das sind die Stichworte für das Nutzungskonzept des Turms", sagt der Vereinschef. Der Hummelberg solle kein zweiter Bierer Berg werden. Mit den weiteren Nutzern der Erhöhung will der Verein gute Nachbarschaft pflegen. "Wir wollen den Turm gezielt öffnen", sagt Christian Jakobs. Schulprojekttage, Ausstellungen, Veranstaltungsort: Alles fein sortiert und in Maßen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Der Verein sammelt gerade Geld, um das Gebäude zunächst baulich zu sichern. Dann muss Baufreiheit für größere Arbeiten geschaffen und der Unrat beräumt werden, die Baustelle wird Zuwege brauchen. Viele Absprachen sind nötig, bis es endlich los geht. Die Ehrenamtlichen wollen viele der anstehenden Arbeiten in Eigenleistung schaffen und dabei eng mit dem Denkmalamt zusammenarbeiten. Bis 2020, so sieht es ein Konzept des Fördervereins vor, könnte der Turm wieder nutzbar gemacht werden. Und wenn alles fertig ist, zeigt sich Christian Jakobs überzeugt, wird der Ort nichts von seiner Ausstrahlungskraft verloren haben. Im Gegenteil!

   

Bilder