Ab 15. Dezember testet die Deutsche Bahn wochentags eine Direktverbindung von Bernburg nach Magdeburg, bei der das Umsteigen in Calbe (Ost) entfällt. Bürgermeister Dieter Tischmeyer probierte kürzlich mit weiteren Lokalpolitikern das Angebot aus. Andreas Pinkert hat mit ihm darüber gesprochen.

Volksstimme: Wie empfanden Sie persönlich die Testfahrt der Strecke, die mit Fahrplanwechsel der Nahverkehrsgesellschaft (Nasa) ab 15. Dezember wochentags zehnmal täglich angeboten wird?

Dieter Tischmeyer: Es war eine sehr angenehme Fahrt mit einem modernen Verkehrsmittel. Jede angefahrene Bahnstation mit Stopp zum Ein- und Aussteigen von Bernburg über Nienburg, Calbe (West), Calbe (Ost) und weiter wird rechtzeitig über den Bordlautsprecher angekündigt, so dass man seinen Zielort nicht verpassen kann. Zum Einsatz kommen moderne, klimatisierte und bis zu 120 Stundenkilometer schnelle Dieseltriebwagen der Elbe-Saale-Bahn.

Volksstimme: Wie lange waren Sie unterwegs?

Dieter Tischmeyer: Wir sind noch nach dem "alten Fahrplan" gereist, also mit Umsteigen in Calbe (Ost). Für die 23 Kilometer von Bernburg nach Calbe haben wir knapp 28 Minuten benötigt. Wenn es bald nach dem "neuen Fahrplan", also von Bernburg über Calbe (Ost), ohne Umsteigen bis Magdeburg geht, sind insgesamt 52 bis 58 Minuten Fahrzeit zu erwarten. Für alle Calbenser bedeutet das: Von Calbe (West) über Calbe (Ost) ohne Umsteigen bis nach Magdeburg. Ab dem 15. Dezember ist das montags bis freitags in rund 36 Minuten möglich. Von Calbe (West) bis zur Kreisstadt Bernburg benötigt man dann 23 Minuten. Das ist eine gute Fahrzeit, die man wohl kaum - und schon gar nicht im Berufsverkehr - mit dem Auto unterbieten kann. Und das im Zwei-Stundentakt. Ein entspanntes Reisen ist es allemal!

Volksstimme: Sehen Sie eine Chance im vorgesehenen einjährigen Testbetrieb der Nasa für eine bessere Bahnanbindung der Saalestadt?

Dieter Tischmeyer: Absolut! Es ist hinlänglich bekannt, dass sowohl der Salzlandkreis mit dem Landrat als auch die Bürgermeister der anliegenden Städte Bernburg, Nienburg, Calbe und Schönebeck sich dafür stark machen, einen direkten Weg zur Kreisstadt beziehungsweise zur Landeshauptstadt zu bekommen. Ich denke, dazu ist dieser "Testbetrieb" sehr nützlich. Natürlich ist es nun sehr wichtig, dass möglichst viele Bürger dieses Angebot auch nutzen und somit dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit dieser Fahrstrecke zu begründen. Fakt ist, alles wird von der Nutzung der Bahnlinie abhängen.

Volksstimme: Höhere Fahrgastzahlen: Hätte der anvisierte neue Haltepunkt "Calbe (Saale) Stadt" darauf nicht einen enorm positiven Einfluss?

Dieter Tischmeyer: Auf jeden Fall! Unsere derzeitigen beiden Bahnhöfe liegen am Stadtrand und sind zu Fuß und auch mit dem Bus oft nur sehr schwer und umständlich zu erreichen. Viele Berufspendler fahren mit ihrem Auto zum Bahnhof Calbe (Ost) und lassen ihr Fahrzeug den ganzen Tag dort stehen, um mit dem Zug weiter zu kommen. Das kann nicht die Lösung für die Zukunft sein.

Volksstimme: Was ist zu tun?

Dieter Tischmeyer: Aus meiner Sicht ist es zwingend erforderlich, diese Bahnstation "Calbe Stadt" am Hänsgenhoch zu bauen. Das würde sich mit Sicherheit sehr positiv auf die Fahrgastzahlen auswirken! Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass sich dieser "Stadthaltepunkt" auch positiv auf den derzeitigen Negativtrend der demographischen Entwicklung auswirken könnte.

Volksstimme: Die Planungen für diesen neuen Bahnhaltepunkt liegen in der Schublade. Wie ist der aktuelle Stand dazu?

Dieter Tischmeyer: Über eine Realisierung des Bahnhaltepunktes "Calbe Stadt" reden wir schon seit Ende 2009. Damals hatten Bahn und Land beschlossen, in die Erneuerung von Bahnsteigen zu investieren. Die Stadt Calbe hatte daraufhin kurzfristig in Zusammenarbeit mit der Bahn und der Nasa Planungsunterlagen erstellen lassen. Unser Stadtrat hat auch kurzfristig über die Maßnahme und Planungsfinanzierung positiv entschieden. Wir haben also schon Planungskosten investiert und das dafür notwendige Grundstück zum Ankauf avisiert. Ich hatte 2011, als Landesverkehrsminister Thomas Webel zu einem Arbeitsbesuch in Calbe war, nochmals vor Ort auf die Dringlichkeit dieses Vorhabens hingewiesen. Bis jetzt leider ohne Erfolg. Im Januar 2013 hat der Salzlandkreis das Thema "Bahnverbindung Bernburg - Magdeburg und zurück" noch einmal auf die Tagesordnung gebracht. Gemeinsam mit der Nasa und der Bahn sowie den Anrainerstädten waren wir bereits auf einem guten Weg. Die Verbindungskurve Calbe - Schönebeck war zwar aus Kostengründen gestorben, aber die Bahnverbindung über Calbe (Ost) ohne Umsteigen war nun ein wichtiges Thema. Für die Bahnstation Calbe (Stadt) wurde bis zur Klärung der immer noch nicht ausreichenden Fahrgastzahlen, über einen "mobilen Bahnsteig" am Hänsgenhoch laut nachgedacht. Das wäre zumindest eine Übergangslösung. Auch diese Variante scheint so lange vom Tisch zu sein, bis die Wirtschaftlichkeit der notwendigen Fahrgastzahlen pro Tag erreicht ist.

Volksstimme: Was wäre aus Ihrer Sicht der Optimalfall, der eintreten könnte?

Dieter Tischmeyer: Optimal wäre natürlich eine schnellstmögliche Gesamtlösung zum Erhalt der Bahnlinie und dem Bau eines Haltepunktes Calbe (Stadt) am Hänsgenhoch. Die Bahnlinie zur Kreisstadt und zur Landeshauptstadt und zurück ist für die weitere Entwicklung unserer Infrastruktur von herausragender Bedeutung. Damit würden wir den Wohnstandort Calbe wesentlich aufwerten und nicht nur für Berufspendler optimalere Bedingungen schaffen.

Volksstimme: Wie ist Ihr Fazit?

Dieter Tischmeyer: Dreh- und Angelpunkt sind die Fahrgastzahlen, die ab 15. Dezember erreicht werden. Ich kann unsere Bürger nur dringendst darum bitten, das neue Angebot und den einjährigen Testbetrieb dieser Bahnverbindung ausgiebig zu nutzen und auch einmal das Auto für einen Besuch in Magdeburg oder Bernburg stehen zu lassen.

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