45 Blicke auf seine Wahlheimat zeigt der Calbenser Maler Hans Both. Der 80-Jährige stellt in der Heimatstube aus.

Calbe l Es sind zwei Bilder, die an der Wand der Neuen Galerie dicht beieinander hängen und geradezu kennzeichnend sind für den Zustand der Saalestadt. Beide zeigen einen Blick auf die St.-Stephani-Kirche aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Während das eine die Doppeltürme der gotischen Hallenkirche durch eine Kluft von schmucken Altstadthäusern zeigt, wirft - nur wenige Meter im Stadtgebiet entfernt - das andere Bothsche Bild einen Blick auf die Kirche aus Richtung Nordwesten. Darauf ist zu sehen, wie ein ehemals stolzes Gründerzeit-Wohnhaus der angesehenen Seifenfabrikantenfamilie Imroth vor anderthalb Jahren notdürftig und lieblos aus dem Stadtkern entfernt wurde. Während also das eine Werk den Stolz auf die 1079-jährige Geschichte einer Kleinstadt geradezu hervorhebt, stellt das andere schonungslos die Probleme der Gegenwart in den Vordergrund. Beides vereint sich in einer großen Heimatverbundenheit des Wahl-Calbensers.

"Viele Bilder zeigen städtebauliche Problemecken, die Zeitzeugnischarakter haben und zur Diskussion anregen sollen", meint Heimatvereinsvorsitzender Uwe Klamm gegenüber der Volksstimme.

Chronist mit Bleistift und Skizzenblock

Die meisten dieser Werke hänge man sich nicht über die heimische Couch, meinte Hans Both bei der Eröffnung. Doch das ist bekanntlich auch nicht das vornehmliche Anliegen des "Chronisten mit Bleistift und Skizzenblock", wie er 2005 bei der Auszeichnung mit dem Calbenser Wilhelm-Loewe-Preis sowie 2013 mit dem Eintrag in das Ehrenbuch der Stadt geehrt wurde.

Rund 40 Kunstinteressierte besuchten am Rolandfestwochenende die Vernissage und kamen mit dem 80-Jährigen und Ehefrau Ulrike ins Gespräch, darunter auch bekannte Kunstschaffende wie Heinrich Huke, Otto Plönnies oder Renate Däumichen.

Von den 45 ausgestellten Calbe-Werken Hans Boths sind die meisten Lithografien, ergänzt durch Aquarelle und Ölmalereien. Ein Großteil von ihnen kann erworben werden.

Die Ausstellung kann noch bis zum 31. Juli in der Heimatstube besichtigt werden, also Montag bis Freitag zwischen 8 und 13 Uhr sowie sonntags zwischen 14 und 17 Uhr. Termine können auch telefonisch vereinbart werden unter (03 92 91) 7 83 06.

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