Am vergangenen Sonnabend wurden 14 Hunde in den Sparten Schutz- und Begleithundprüfung sowie in Ausdauer, Unterordnung und Fährtenlegung bewertet. Organisator war die Ortsgruppe Gnadau des Schäferhundvereins.

Gnadau. l Pokalsieger wurde Thoralf Klus mit seinem dreijährigen Schäferhund Champ von der Seilerbahn. Er erzielte 247 von 300 Punkten.

Den Hans-Gerhard-Franke-Gedächtnispokal errang dessen Sohn und Vereinschef Roland Franke. Der Pokal erinnert an den 2006 verstorbenen Begründer des Vereins.

Der Wettkampftag begann in Welsleben, wo auf einem Ackerstück die Fährten gelegt wurden. Auf dem 300 Schritt langen Weg in U-Form musste der Hund ein maximal fünf Zentimeter Holz- oder Filzstück finden, das den Geruch seines "Herrchens" trug.

Die Fährte dufte je nach Prüfungsklasse zwischen 20 bis 60 Minuten alt sein.

Thoralf Klus demonstrierte auf dem Gnadauer Hundeplatz, wie so eine Fährte gelegt wird. "Wenn ich hier lang laufe, entsteht ein Geruchsfeld durch die Bodenverletzung", erklärte er.

Beim Verstecken eines handtellergroßen Stücks Fußbodenbelag blieb Hund Champ in seiner Box. "Der darf das natürlich nicht sehen, wo ich das ablege", so Klus.

Der dreijährige Schäferhund folgte mit tiefer Nase dem Eigengeruch der Fährte, die nach seinem "Herrchen" roch. Nach nicht mal zwei Minuten hatte er das Textilstück gefunden.

Fährtenhunde orientieren sich vorwiegend an "Bodenverletzungen", die durch Fußabdrücke erzeugt werden. Wenn der Mensch eine Fährte legt, egal wie, werden hierdurch bestimmte Gerüche freigesetzt. Sie können durch Schweiß, Parfüm, Kleider- oder Zigarettengeruch hervorgerufen werden. Also alles Gerüche, die von der jeweiligen Person ausgehen.

Roland Franke spricht von dem Individualgeruch. Dessen Nachteil sei allerdings, dass er in der Regel bis etwa 60 Zentimeter über dem Boden schwebe und deshalb vom Wind leicht weggetragen werden könne. Selbst an windstillen Tagen würde sich dieser Geruch nicht länger als 30 Minuten in der Luft halten.

Ackergerüche

"Es gibt die Gerüche, die durch die Veränderung der Ackerkruste freigesetzt werden. Hinzu kommt der Geruch von verletzten Pflanzen", weiß Franke. Sogar Mikroorganismen, die durch den Fußabdruck zerdrückt werden, nimmt der Hund wahr.

Gerüche, die über eine Bodenverletzung entstehen, bleiben für den Hund am längsten erhalten. Je nach Witterung können sie mehrere Tage existent sein.

Die Gnadauer Ortsgruppe verdankt Erfolg und Zusammenhalt engagierten Personen. Dazu zählt der heutige Vorsitzende Roland Franke, der in die Fußstapfen seines Vaters tritt.

Vor 47 Jahren bemühten sich Hans Franke sowie Hans Klus, Gerhard Jansa, Gerhard Schulze, Otto Klettke und Heinz Mauersberger um die Vereinsgründung. Weil dafür aber eine Person fehlte, um dem Status "mindestens 7 Mitglieder" gerecht zu werden, komplettierte Ehefrau Margarete Franke die Herrenrunde. Sie war fortan als Kassiererin tätig.

Als Gründungskapital half die Provision für Werbung neuer Abonnenten der Zeitschrift "Der Hund". Es gab 7,50 Mark für jeden Neu-Leser.

Die Sportfreunde waren seit dem ersten Tag an sehr aktiv bei der Gestaltung des Hundeplatzes. Wo zuvor die einstige Reichsbahn-Gärtnerei war und im April 1945 die Amerikaner ihre Artillerie "eingegraben" hatten, um Barby zu beschießen, sah es wüst aus.

Der Platz wurde schnell gebrauchsfähig gemacht. Ein Jahr nach der Gründung war der Verein bereits auf 21 Mitglieder angewachsen.