Bei der Jugendfeuerwehr in Ranies haben die Mädels die Oberhand. 13 Mitgliedern aus den weiblichen Reihen stehen stehen gerade einmal zwei Jungs gegenüber. Die Volksstimme hat die illustre Truppe besucht.

Ranies l Nein, das hier ist nicht die große Pause in der Mädchenecke. Auch wenn man das bei geschlossenen Augen durchaus vermuten kann. Es wird gekichert, getuschelt, durcheinandergeschnattert. Typischer Mädelskram eben - obwohl man beim Treffen einer Jugendfeuerwehr eher eine Jungenriege erwartet. Aber in Ranies läuft das eben anders. Von den 15 Mitgliedern sind nur zwei männlich.

"Wir hatten schon immer viele Mädels - nicht nur in der Feuerwehr, sondern im ganzen Ort. Aber das mit dem Überschuss hat erst vor fünf Jahren langsam angefangen", erzählt Jugendwart Florian Herrler. Die damalige Gruppe hatte aufgehört, war quasi aus der Jugendfeuerwehr herausgewachsen. Nachwuchs musste her. Also wurde bei Kindern und Eltern die Werbetrommel gerührt. Dabei blieben vor allem Mädchen hängen.

Der 29-Jährige erklärt: "Viele haben auch einen Bruder bei der Feuerwehr. Oder sie sind über eine Freundin zu uns gekommen." So wie Liesa Perlberg. Die Zwölfjährige ist seit einem Jahr dabei. "Meine Freundin hat erzählt, dass sie jemanden suchen. Da bin ich einfach mal mitgekommen und fand es cool", erzählt das quirlige Mädchen.

Alle ein bis zwei Wochen - je nach Wettkampflage - treffen sich die Zehn- bis 15-Jährigen. Florian Herrler muss dabei nicht allein in die Höhle der kichernden Löwinnen. Sein Stellvertreter Pierre Fischer unterstützt ihn.

Aber wie sehr muss man die Mädels überhaupt bändigen? "Sie machen schon ziemliche viele Witzchen", erzählt der 24-jährige Pierre grinsend. "Da ich kein Frauenversteher bin, kapiere ich meistens nicht, worüber sie lachen. Aber wenn sie Spaß haben..."

"Mädchen sind ordentlicher und gewissenhafter"

Disziplin bekommen die Beiden trotzdem in die Runde. Florian Herrler kennt da einen Trick: "Ich fordere einfach eines der Mädchen auf: ¿Wiederhole mal, was ich gerade gesagt habe.\' Das funktioniert super."

So eine Mädelstruppe ist aber nicht nur eine Herausforderung, sie hat auch jede Menge Vorteile - da sind sich die beiden Leiter einig: "Mädchen sind ordentlicher und gewissenhafter", schwärmt Florian Herrler. Pierre Fischer stimmt mit ein: "Und sie verlieren nicht so schnell die Konzentration." Sicher, wenn es bei Wettbewerben um Kraft und Ausdauer geht, können sie mit der breitschultrigen Konkurrenz nur mit viel Übung mithalten - bevorzugt behandelt werden sie deshalb übrigens nicht. Aber in Punkto Geschick und Wissen haben die Ranieser Mädels die Nase vorn. Beim Orientierungslauf der Jugendfeuerwehren Schönebecks haben sie in diesem Jahr Platz eins und zwei belegt.

Apropos Wettbewerbe: Für Liesa sind die immer eine riesen Gaudi - nicht nur wegen des Kräftemessens. "Manche Jungs gucken ganz verdutzt, wenn sie eine Mannschaft sehen, die nur aus Mädchen besteht", erzählt sie schmunzelnd.

Aber das ist noch lange nicht alles, was sie an der Jugendfeuerwehr schätzt. "Wir machen oft Ausflüge, zum Beispiel ins Badeland. Außerdem finde ich die Arbeit mit Jaqueline-Chantal super." Jaqueline - wer? Liesa fängt an, zu kichern. "Das ist unsere Reanimationspuppe. Den Namen haben wir ihr gegeben, weil wir ihn lustig fanden."

An Erster Hilfe hat auch Karolin Duschek ihren Spaß. Die Jugendfeuerwehr hat die 15-Jährige zu ihrer Gruppenführerin gewählt. Einmal konnte sie mit ihrem Wissen auch schon jemandem im wahren Leben helfen. "Auf dem Rummel in Magdeburg habe ich mal jemanden Angetrunkenen gefunden", erzählt sie. "Ich habe angesprochen und dann den Krankenwagen gerufen."

Die Jungs ertragen den Mädels-Überschuss übrigens tapfer. Tim Keitschi zum Beispiel. Mit seinen neun Jahren dauert es noch ein paar Monate, bis er in die Jugendfeuerwehr eintreten darf. Bis dahin schaut er bei den Treffen regelmäßig zu. Die Lage in der Ranieser Truppe hat er längst ausgelotet - und bleibt lässig: "Die Mädchen haben hier schon das Sagen. Aber Spaß macht\'s trotzdem!"