Seit mehr als 40 Jahren fehlt der majestätischen Stadtkirche St. Stephani eine Orgel. Das könnte sich bald ändern: Der Umzug einer sanierungsbedürftigen Röver-Orgel aus der Halberstädter St. Martini-Kirche steht bevor.

Calbe l Die altehrwürdige St. Stephani-Kirche mit ihren 57 Meter hohen Zwillingstürmen zählt zu den größten Kirchen des Salzlandkreises. Schon um 1460 soll das Gotteshaus mit einer kleineren Orgel ausgestattet gewesen sein. 1866 und 1897 war ein Orgelwerk mit vielfältigen musikalischen Ausdrucksweisen geschaffen worden. Bei einer Generalrenovierung im Jahr 1966 entschied man sich jedoch dazu, das neugotische Gestühl und den Altar zu entfernen und die Orgel samt Orgelempore abzureißen. Seitdem sind die Orgelklänge in dieser Kirche verstummt.

Nun keimt nicht nur bei Christen Hoffnung auf: Aus der Halberstädter St. Martini-Kirche soll eine Orgel des Orgelbauers Ernst Röver (1857 bis 1923) mit 44 Registern und drei Manualen in die Rolandstadt kommen. Ein dortiger Orgelförderkreis möchte eine Beck-Orgel wieder erstehen lassen und die Röver-Orgel als Geschenk abgeben. Nachdem zuerst Bernburg als "Abnehmer" ins Auge gefasst wurde, fiel die Entscheidung schließlich auf Calbe. "Der Umzug könnte Anfang nächsten Jahres vollzogen werden", freut sich Susanne Giest, Vorsitzende der Orgelprojektgruppe über den Beginn einer möglichen Umsetzung einer Vision. Schon lange sehnt man sich in Calbe nach einer Orgel. Doch Susanne Giest ist klar, dass mit dem Umzug erst der Startpunkt für ein ebenso ehrgeiziges wie teures Projekt gemacht worden ist. "Die Restaurierung und das Aufstellen der Orgel würde rund 600 000 bis 700 000 Euro kosten." Ein Betrag, der schlucken lässt, doch auch Mitstreiterin Liane Hilfert ist überzeugt: "Wer ein Projekt nicht anfängt, kann auch nicht fertig werden." Die Orgel wäre erst einmal in der Kirche, restauriert und aufgebaut werden müsste sie später, wenn entsprechende Gelder vorhanden sind. Eine Verwendung aus Mitteln des Krankenhaus-Verkaufserlöses wurde im Stadtrat diskutiert, aber von der Finanzbehörde mit Blick auf eine gemeinnützlichkeitsrechtlich konforme Verwendung schließlich abgelehnt.

Was mit der derzeitigen Neugestaltung des Kirchplatzes seinen Anfang nimmt, soll auch am Gebäude selbst seine Fortführung finden, ist die Orgelprojektgruppe überzeugt. "Die Kirche soll wieder zu einem lebendigen und würdigen Ort mit Konzerten und weiteren Veranstaltungen werden", sagt Susanne Giest, die sich mit weiteren Ehrenamtlichen auch für den baulichen Erhalt von St. Stephani einsetzt. Das Gebäude ist seit längerem in einem bedenklichen Zustand. Im Zuge der Arbeiten am Kirchplatz fiel neben kleinen Gesteinsbröckchen auch ein historischer Wasserspeier zu Boden.

Bestätigung erhielten die Ehrenamtlichen nicht zuletzt beim vergangenen Weihnachtsmarkt von Calbe. 330 Euro konnten der Spendenbüchse entnommen werden. "Dafür danken wir herzlich. Jeder Euro hilft." Der ökumenische Frauenkreis "Triangel" konnte durch seinen Verkaufsstand in der Wrangelkapelle ebenfalls 450 Euro für den Aufbau eines Kinderhospizes der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg spenden.

Der Vision, dass einmal wieder Orgelklänge in St. Stephani erklingen, ist man nun in jedem Fall einen von vielen Schritten näher gekommen.