Ein Besuch auf dem Kalkberg in Westeregeln lohnt wirklich zu jeder Jahreszeit. Die Alte Ziegelei hat eine lange Geschichte, so dass man bei jedem Besuch etwas Neues erfahren kann. In diesem Jahr wird es am 1. Juni wieder das große Ziegeleifest geben, das gleichzeitig ein Kinderfest sein wird.

Westeregeln l Könnten die alten Gebäude auf dem Kalkberg in Westeregeln erzählen, würden sie sicherlich von einer langen Geschichte berichten. Denn bereits im Jahre 1776 ist Gottfried Samuel Bergling als Besitzer einer Gipshütte am Kalkberg nachgewiesen. Im Jahre 1838 wurde Hermann Lucas Wiegleb als Besitzer der Ziegelei und Gipshütten Westeregeln benannt, und im Jahre 1863 verpachtete Wiegleb die Ziegelei an Zapf/Krüger. 1864 baute August Samuel Bergling einen zweiten Gipsofen. Der letzte Besitzer, Karl Bergling, Sohn des August Bergling, führte die Ziegelei bis zum 4. Februar 1949. Dann wurde er enteignet. Die aufgefundenen Dokumente belegen, dass man in kleinen Gruben begann, Gips zu gewinnen und zu brennen, um einen Baustoff mit wertvollen Eigenschaften zu erhalten. Seit über 230 Jahren ist der Kalkberg in Westeregeln nun schon sehr wichtig für die Gemeinde und ihre Umgebung.

Die Alte Ziegelei ist also mehr als nur ein Bau- und Industriedenkmal. Sie ist auch ein großes Stück Geschichte. Von diesem zeigte sich auch der Bundestagsabgeordnete Jan Korte (Die Linke) bei seiner Sommertour im vergangenen Jahr begeistert und nutzte seine Wahlkreistour in dieser Woche für einen erneuten Besuch auf dem Kalkberg. Sofort fiel ihm der neu gestaltete Parkplatz auf. Standen die Besucherfahrzeuge bisher auf einem unbefestigten Untergrund, parken sie nun auf einem gepflasterten Platz.

Karl-Heinz Schreiber, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Ziegelei und Gipshütten Westeregeln e.V.,freute sich über den Besuch von Jan Korte. Denn das zeigt, dass die Ziegelei Aufmerksamkeit erhält.

"Wir können jeden Cent gebrauchen. Die Alte Ziegelei ist ein Fass ohne Boden", erklärt Karl-Heinz Schreiber. Als die Sozial-Aktien-Gesellschaft Bielefeld die Ziegelei 1997 von der Treuhand übernahm, waren die Gebäude in einem bemitleidenswerten Zustand. "Seit dem wurde sehr viel Geld in den Wiederaufbau gesteckt. Aber auch der Erhalt kostet", gab Schreiber zu verstehen. Ein Verein allein würde dies nicht schaffen. Daher ist man froh, dass es der Sozial-Aktiengesellschaft immer wieder gelingt, Geld für die Ziegelei zu bekommen und das man voll hinter dem Förderverein steht.

"Wir wollen den Besuchern zeigen, wie schwer die Arbeit hier in der Ziegelei war"

Karl-Heinz Schreiber, Vereinsvorsitzender

Bis 1991 wurden in der Ziegelei auf dem Kalkberg jährlich rund 3,2 Millionen Ziegel im Normalformat produziert. In den Produktionsalltag eintauchen können die Besucher wieder zum Ziegeleifest am 1. Juni in diesem Jahr. Doch das diesjährige Ziegeleifest wird etwas ganz besonderes. Denn gleichzeitig soll es auch das traditionelle Kinderfest der Börde-Hakel-Gemeinden werden. "Wir stecken bereits voll in den Vorbereitungen", verrät Karl-Heinz Schreiber. Vor allem den Kindern will man an diesem Tag die Ziegelei und die Arbeit, die dort früher geleistet wurde, näher bringen. Aber auch für den Verein will man Werbung machen. "Auch wir haben mit dem Nachwuchsproblem zu kämpfen. Es ist nicht leicht, das Interesse bei jungen Leuten zu wecken", gesteht der Vorsitzende des Fördervereins.

Und noch etwas ist bis zum Ziegeleifest geplant. Die Gleisanlage der alten Grubenbahn soll fertiggestellt werden. Die Schienen sind schon da. "Wir wollen den Besuchern veranschaulichen, wie schwer die Arbeit damals war. Beim Ziegeleifest können sie sich einmal selbst ausprobieren", so Karl-Heinz Schreiber. Das begann damals schon beim Abbau der Materialien und dem anschließendem Füllen der Loren in der Grube. Ziel ist es, die Achtung vor den vorhandenen Ressourcen zu steigern, und zu zeigen, wie viel Muskelkraft nötig war, um einen Stein herzustellen.

Immer wieder interessant ist die Besichtigung des Ringofens der Ziegelei. Der Hoffmann\'sche Ringofen in Westeregeln wurde 1894 gebaut und 1936 erweitert. Er ist damit der längste erhaltene Ringofen Europas. Der Ofen verfügt über ein Volumen von 564 Kubikmeter und ein Fassungsvermögen von 250 000 Ziegeln, der Brennkanal ist 122 Meter lang.

Weitere Informationen rund um die Alte Ziegelei, dem Geotop und dem Biotop auf dem Kalkberg gibt es im Internet.

www.museumsziegelei.de