Nasses Wetter ist gerade in der Ernte und der Bestellung ein Problem für die Landwirte. Doch auch vor 40 Jahren hatte man damit zu kämpfen. Kurt Kluczka aus Wolmirsleben erinnert sich daran, wie man sich damals zu helfen wusste und hat auch eine Volksstimme als Beweis.

Wolmirsleben. Kurt Kluczka kann sich noch ganz genau daran erinnern. Es war ein nasser Herbst. Dauerregen machte die Ackerflächen rund um Wolmirsleben zu wahren Schlammgruben. Es war im November 1970, als sich die Mitglieder der LPG "Aufbau" Wolmirsleben nicht mehr zu helfen wussten. Die Ernte war erfolgt, jetzt mussten die Felder wieder bestellt werden. Vor genau 40 Jahren, am 14. November 1970, wurde daher in der Staßfurter Volksstimme berichtet, wie es den Bauern trotz anhaltender Nässe gelang, ihren Winterweizen in die Erde zu bekommen.

Kurt Kluczka hält die Zeitung in den Händen. Er war damals Vorsitzender der LPG "Aufbau" Wolmirsleben. In großen Buchstaben steht dort in der Überschrift: "Bestellung aus der Luft". Ja, man wusste sich damals zu helfen.

Anders war es uns einfach nicht mehr möglich, auf den total vernässten Ackerflächen zu bestellen", erinnert sich Kurt Kluczka noch ganz genau. 150 Hektar von den insgesamt 340 Hektar großen mit Winterweizen zu bestellenden Flächen waren bereits ausgedrillt. Doch dann machte den Bauern ein langanhaltender Regen einen Strich durch die Rechnung. Die Aussaat mit den Drillmaschinen war nicht mehr möglich. Auf besseres Wetter hätte man nicht warten können, da der Termin zur Aussaat bereits überschritten war.

Ein Flugzeug der Interflug, das sonst zum Ausbringen von Dünger oder Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmitteln eingesetzt wurde, füllten die Genossenschaftsbauern damals mit Weizen. "Wir hier in Wolmirsleben waren die ersten, die diese Methode einsetzen.

Bis zu 80 Starts an einem Tag

Bevor es richtig los ging, waren einige Probeflüge notwendig. Auf dem Acker wurde ein weißes Laken ausgelegt, das Flugezeug drehte Runde um Runde und warf den Weizen auf das Laken ab. "So konnten wir genau abstimmen, wie geflogen und abgeworfen werden muss", erklärt der damalige LPG-Chef.

An den Rändern der Ackerflächen stand immer ein Einwinker, der mit einem großen Tuch dem Piloten die Flugstrecke vorgab. Bis zu 80 Mal startete das Flugzeug. Da der Bunker im Flieger ein Fassungsvermögen von 500 Kilogramm hatte, konnten bei jedem Flug etwa zwei Hektar bestellt werden. So konnten doch noch 160 Hektar trotz Nässe bestellt werden. "Diese Methode wurde dann im ganzen Kreis angewendet. Insgesamt wurden 1500 Hektar Winterweizen mit dem Flugzeug bestellt", berichtet Kurt Kluczka.

Allerdings blieb dann immer noch das Problem, dass der Weizen zwar auf dem Feld, allerdings noch nicht in den Ackerboden eingeschoben war. Das Befahren mit schweren Traktoren war ja nicht möglich. Mit Netzeggen, die von Pferden und leichten Traktoren gezogen wurden, wurde aber auch dieses Problem gelöst.

"Meine Frau hat die Zeitung beim Aufräumen gefunden. Wir staunten nicht schlecht, als wir auf das Datum schauten und sahen, dass diese Aktion genau 40 Jahre zurück liegt", freut sich der Wolmirslebener Kurt Kluczka.