Staßfurt l Die Kritik an den Segways (elektronische Fahrzeuge) für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes äußerten Bürger bereits mehrfach. Am Lesertelefon meldeten sich zum Beispiel Klaus und Helga Stolte zu Wort: Warum die Stadtverwaltung jetzt diesen "Schnickschnack" anschaffen müsse, da doch die Haushaltskassen klamm sind, kritisierten die Leser. Wenn Grünflächen der Stadt in einem schlechten Zustand seien, sollte die Verwaltung doch überlegen, wo sie ihre Ressourcen einsetze.

Auch Anita Treffehn aus Staßfurt bemängelte, angesprochen bei einer Umfrage, dass diese Geräte ja teuer seien, und dass dort hätte gespart werden können.

"Warum sind sie nicht bei uns?"

In die Kritik eingestiegen sind nun auch verschiedene Ortschaftsräte. Günter Döbbel (FDP/offene Liste), Ortschaftsratsmitglied in Förderstedt, kritisierte ebenfalls die Anschaffung. Er beschwerte sich auf der Sitzung am Dienstagabend darüber, dass diese Geräte für das Ordnungsamt angeschafft wurden, aber Förderstedt und die Ortschaften von der Stadtverwaltung vernachlässigt würden. "Das Ordnungsamt ist doch jetzt mobil unterwegs. Da frage ich mich, wo sind sie denn?", spottete er.

"Bei uns im Ort? Seit einem Jahr wird das Gewerbegebiet nicht beräumt. Der Müll wird dort abgelagert." Wenn schon solche Investitionen getätigt werden, wolle er dafür auch Leistung in den Ortschaften sehen. In der Friedhofshalle in Atzendorf blättere die Farbe von der Wand. Das sei peinlich vor den Trauernden, die diese Halle nutzen. "Ich verstehe das nicht. Da werden Segways angeschafft, aber man hat nicht mal 170 Euro für Farbe übrig, um die Wände in der Friedhofshalle zu streichen?"

Im Löderburger Ortschaftsrat schimpfte Manfred Lehrmann über die Anschaffung der Segways. "Diese elektronischen Dinger, die ihr da gekauft habt ... warum musste das sein? Ich verstehe das nicht."

"Wir wollen etwas Innovatives."

Oberbürgermeister René Zok (parteilos) gab zu, dass der Zeitpunkt, gerade jetzt, wenn Steuererhöhungen Thema sind, schlecht gewählt war. Dennoch betonte er, dass der Schritt richtig gewesen sei. "Wir wollten mal etwas Neues und Innovatives in Staßfurt haben. Auch wir sollen uns mit innovativen Dingen präsentieren können." Auch er habe die Kritik vernommen, bekomme jedoch von den Mitarbeitern, die die Segways nutzen, positive Rückmeldungen. "Sie finden große Akzeptanz bei den Mitarbeitern und werden gern genutzt", so Zok. Falls die Kritik weiter zunehme, könne er sich auch überlegen, den Mietvertrag für die Fahrzeuge nicht zu verlängern.

Die zwei Segways dienen den Mitarbeitern des Ordnungsamtes, um auf "Streife" zu gehen. Sie wurden über ein Mietkauf-Modell angeschafft. Die US-amerikanische Erfindung erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 20 Stundenkilometern. Sie verbrauchen sehr wenig Strom, hieß es bei der Vorstellung der Geräte.

Bei einem deutschen Anbieter von Segways - der hier nur als Beispiel dienen soll - wird der Kaufpreis im oberen vierstelligen Bereich angegeben. Ein Beispiel für einen Mietvertrag , wie ihn die Stadtverwaltung abgeschlossen hat, wäre eine monatliche Rate von 89 Euro, bei einer Laufzeit von 54 Monaten und einer Anzahlung von 1500 Euro.