Die Internationale Bauausstellung (IBA) 2010 in Sachsen-Anhalt, zu deren Inhalt auch der Stadtumbau von Staßfurt zählt, wird auf internationaler Ebene für gelungen erklärt und erhielt gestern in Spanien eine Auszeichnung für kreative Stadtentwicklungsprozesse. Doch mit der Bebauung der letzten Freifläche am Stadtsee, dem i-Tüpfelchen der Staßfurter IBA-Projekte quasi, tun sich einige Stadträte seit Monaten äußerst schwer.

Staßfurt. Von Kompetenzzentrum mag niemand mehr sprechen. Das sollte eigentlich dazu dienen, um auch die von der Fachwelt vielbeachteten Ergebnisse des Forschungsverbundes der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das hätte sicher auch Besucher aus dem Ausland nach Staßfurt, der Wiege des Weltkalibergbaus, gezogen.

Die Wohnungsbaugesellschaft Staßfurt wäre als Inves-tor mit aufgetreten. Die Stadt hätte neben Repräsentationsräumen auch einen Sitzungssaal für den Stadtrat. Nachgedacht wurde zudem über eine Unterbringung des Stadtar-chivs. Für das Objekt wurde ein Architektenwettbewerb veranstaltet. Dabei blieb es.

Die Stadtplaner wollen das 2004 begonnene IBA-Projekt dennoch endlich zu Ende bringen und die letzte hässliche Baulücke am Stadtsee gestalten. Von Stadtvillen war zuletzt die Rede. Und vorsichtig auch von Raum für besagte Repräsentationszwecke.

"Mit Stadtvillen bin ich einverstanden. Aber nicht mit der kommunalen Einrichtung"

Letzteres stößt nach wie vor auf einigen Widerstand im Stadtrat. "Mit Stadtvillen bin ich einverstanden. Aber nicht mit der kommunalen Einrichtung", erklärte Hartmut Wiest (UWG) auf der vergangenen Stadtratssitzung. "Wir haben weder Konzept noch Finanzierung." Wiest wollte, dass der entsprechende Passus in der Vorlage der Verwaltung gestrichen wird.

Petra Flügel (Linke) versuchte mit etwas mehr Fingerspitzengefühl und einem Vorschlag, Bewegung in die Sache zu bringen. "Wir sollten die Spezifikation rausnehmen, was genau gemacht wird, aber den Oberbürgermeister mit dem Bebauungskonzept beauftragen, unter Einbeziehung aller bisher gefassten Beschlüsse." Corinthus Schobes (UBvS) signalisierte, mit diesem Vorschlag mitgehen zu können, wenn er "ergebnisoffen" formuliert werde.

Ein Gesamtkonzept zur Freiraumgestaltung für den zentralen Bereich der Altstadt hat der Stadtrat bereits im Mai 2005 abgesegnet. Darin eingebunden sei die "Idee einer baulichen Akzentuierung für das Grundstück des einstigen historischen Rathauses", heißt es in der Beschlussvorlage der Verwaltung, der übrigens der Bauausschuss bereits zustimmte. Damit soll nicht zuletzt dokumentiert werden, dass es bauliche Möglichkeiten am Rande eines Senkungstrichters gäbe.

Die Stadt schlägt nun dem Stadtrat vor, Gebäudenutzung und Bedarfsanalyse zu klären, ein Gestaltungskonzept des zu bebauenden Grundstücks zu erarbeiten und die Kosten zu konkretisieren.

Die Mehrheit des Stadtrats zeigte sich damit und mit dem Vorschlag von Petra Flügel einverstanden und beauftragte den Oberbürgermeister mit der Erarbeitung des Konzepts, der darüber hinaus den Stadtrat regelmäßig über den jeweiligen Planungsstand informieren soll und im Rahmen von Architektursalons mit den Bürgern der Stadt zu diskutieren sei.

Abschließend will der Stadtrat über die Ergebnisse entscheiden.

Fachbereichsleiter Wolfgang Kaufmann unterstrich derweil, dass die Finanzierung über den Stadtumbau stehe. Für 2011, sei für das über Jahre laufende Vorhaben bereits ein "Fördermittelantrag mit sorgfältig geschätzten Kosten" an das Land gestellt, das bereits positiv darauf reagiert habe. Der Bescheid dafür sei im September zu erwarten. Daran sei zu erkennen, wie wichtig die Einhaltung der Zeitschiene zu betrachten sei.