Hölzerne Füße eines Sessels und Restbestände aus Tischlereien werden bei Eberhard Rohde zu Räuchermännchen. Der Staßfurter hat schon mehr als 150 Figuren geschnitzt und gedrechselt. Am Sonnabend zeigt er eine Auswahl im Museum.

Staßfurt l Liebevoll positioniert Eberhard Rohde seine Räuchermännchen in den Vitrinen des Staßfurter Stadt- und Bergbaumuseums. Er rückt ihre Hüte und Pfeifen zurecht, dreht die Arme und Beine in die richtige Position und wischt noch einmal die letzten Späne beiseite.

Mehr als drei oder vier stellt er in eine Vitrine. Schließlich sollen sie von allen Seiten gut zu sehen sein - die Detailtreue, die in ihnen steckt, die filigranen Feinarbeiten. Jedes der 25 Räuchermänn\'l, die er aufstellt, hat der Staßfurter selbst gefertigt. Im Museum zeigt er nur eine Auswahl seines Handwerks. Daheim hat er noch viele mehr, etwa 70 bis 80. Allein 15 zieren die Wohnung des Staßfurters. Etliche hat er im Laufe der Jahre schon verschenkt.

Nimmt man es genau, trifft die Verniedlichungsform "Männchen" für viele seiner hölzernen Gesellen eigentlich weniger zu. Schließlich messen manche bis zu einem halben Meter und sind wohl eher gestandene Räuchermänner als Männchen.

Zu den Lieblingsexemplaren des 75-Jährigen gehört vor allem der gut 50 Zentimeter große Bergmann, der mit goldenen Knöpfen, rot-weißen Federn auf dem Hut, mit Lampe und Schlegel in der Hand nicht nur die Vitrine sondern auch schon so manches Staßfurter Wohnzimmer ziert.

Obwohl Eberhard Rohde eigentlich kein Kalikumpel, sondern Elektriker und später Schwimmmeister war, schlägt sein Herz für den Bergmannsverein Staßfurt. Diesem gehört er seit knapp 20 Jahren an. Zu besonderen Anlässen des Bergmannsvereins verschenkt er den hölzernen Kameraden. Junge Vereinsmitglieder bekämen zum runden Geburtstag ein etwas kleineres Bergmann-Räuchermännchen, die älteren dagegen ein großes. Und da irgendwie immer jemand Geburtstag habe, hat er ständig zu tun.

Mindestens zwei Wochen brauche er, um ein kleines Räuchermännchen fertigzustellen, allerdings arbeite er in der Regel auch an zwei drei Exemplaren parallel. Das Holz bekommt er von Tischlereien oder von Freunden, die um seine Leidenschaft wissen.

"Wir lieben die Tradition des Erzgebirges, daher ist Weihnachten mit all seinen Räuchermännchen, Schwippbögen, Nussknackern und Pyramiden die schönste Zeit des Jahres."

So richtig gelernt hat Eberhard Rohde das Handwerk nie. Sein Motto: "Learning by doing". "Ich habe eine kleine Drechselbank in einem Schuppen und da versuche ich meine Ideen eben umzusetzen", erzählt er. So entstanden seit den sechziger Jahren rund 150 Figuren, neben den zahlreichen kleinen und großen Bergmännern auch Bäcker, Köche, Cowboys, Gärtner und viele mehr. Die Ideen für die Holzfiguren holt er sich von Weihnachtsmärkten oder aus dem alltäglichen Leben. Auf die Idee gebracht, diese überhaupt anzufertigen, hat ihn dagegen seine Frau, die aus dem Erzgebirge stammt.

"Wir lieben beide die Tradition des Erzgebirges, daher ist Weihnachten mit all seinen Räuchermännchen, Schwippbögen, Nussknackern und Pyramiden die schönste Zeit des Jahres." Wobei bei Familie Rohde auch im Sommer die Räuchermännchen zum Einsatz kommen.

Übrigens: Erstmals bietet Eberhard Rohde die hölzernen Gesellen zum Verkauf an. Der Erlös wird zur Hälfte in das Stadt- und Bergbaumuseum und zur anderen Hälfte in den Bergmannsverein fließen.

Zu sehen sind die Räucher-männchen von Eberhard Rohde beim "Adventszauber im Museum". Der Weihnachtsmarkt beginnt morgen um 11 Uhr.