Hunderte Menschen sind in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 ums Leben gekommen. Unzählige jüdische Einrichtungen wurden zerstört. 72 Jahre nach diesen schrecklichen Ereignissen wurde gestern auf dem jüdischen Friedhof in Egeln der Opfer gedacht.

Egeln. An die schrecklichen Ereignisse in der Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 und den damit verbundenen Mord an hunderten von Menschen wurde gestern auch in Egeln gedacht. Auf dem jüdischen Friedhof hatten sich Kirchenmitglieder, Schüler des Gymnasiums und der Sekundarschule sowie zahlreiche Bürger versammelt. "Diese schrecklichen Taten vor 72 Jahren dürfen nicht in Vergessenheit geraten. So etwas wie in der Reichspogromnacht darf nicht noch einmal passieren", erklärte Egelns Bürgermeister Reinhard Luckner in seiner Ansprache, nachdem er zusammen mit Reinhard Köpke einen Kranz nieder gelegt hatte.

Egeln ist ein Ort jüdischen Lebens

Auch Superintendent Michael Wegner und Pfarrerin Sabine Wegner erinnerten in ihren Ansprachen und Fürbitten an die unvergesslichen Geschehnisse vor 72 Jahren. "Nur noch wenigen Egelnern ist die alte Synagoge in Egeln bekannt. Von ihr sind nur noch wenige Teile erhalten. Auch sie wurde in der Reichspogromnacht zerstört und ist heute nur noch ein ganz normales Wohnhaus. Dabei ist Egeln ein Ort jüdischen Lebens gewesen. Die Bürger jüdischen Glaubens hatten ihre eigene kleine Schule, ihre eigenen Geschäfte, ihr eigenes Gotteshaus. Sie waren eben ein Teil von Egeln", erinnerte Michael Wegner. Ganz normale Bürger seien damals vertrieben und getötet wurden. "Und das nur ihres Glaubens wegen. Dabei gibt es nicht einmal so große Unterschiede. Und auch Jesus war ein Jude. Solches Unrecht darf nie wieder passieren", mahnte der Superintendent an.

Die Reichspogromnacht war eine vom nationalsozialistischem Regime organisierte und gelenkte Zerstörung von Einrichtungen jüdischer Bürger in Deutschland. Etwa 400 Menschen wurden in diesen Tagen ermordet oder in den Selbstmord getrieben.