Von Wolfgang Biermann

Stendal l Das Landgericht Stendal hat gestern zwei gerichtsbekannte Hansestädter, 26 und 35 Jahre alt, wegen gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen verurteilt: den 35-Jährigen zu 24 Monaten Gefängnis und den 26-Jährigen zu 20 Monaten Gefängnis ohne Bewährung.

Zusammen müssen sie 2000 Euro Schmerzensgeld an einen 37-jährigen Stendaler osteuropäischer Herkunft zahlen. Nach Auffassung der Richter haben die Angeklagten in der Nacht zum 19. Februar 2011 diesen "in menschenverachtender Brutalität" attackiert. Mit verbalen Auseinandersetzungen begann das Geschehen in einer Kneipe in Stendals Altstadt. Auch nach sechs Prozesstagen vermochte das Gericht im Urteil den konkreten Hergang nicht eindeutig nachzuvollziehen. Beide Angeklagte gaben an, nur schlichtend gehandelt zu haben.

In der Sache das Amtsgericht im Urteil bestätigt

Die Richter sahen es indes als erwiesen an, dass sie ihr Opfer nach der ersten Attacke vor der Kneipe gut 100 Meter "vor sich hergetrieben oder verfolgt" haben, bevor sie den Mann auf dem Marktplatz "so angriffen, dass er bewusstlos zu Boden ging". Dabei seien auch die Worte gefallen: "Lass den Kanaken liegen."

Das Landgericht bestätigte mit seinem Urteil von der Sache her in zweiter Instanz ein Urteil des Amtsgerichts vom Oktober, milderte es aber im Strafmaß ab. Der Amtsrichter hatte den die Tat bestreitenden 35-Jährigen zu drei Jahren und den teilgeständigen 26-Jährigen zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Anders als der Amtsrichter sah das Landgericht unter Vorsitz von Richter Gundolf Rüge nach einem rechtsmedizinischen Gutachten aber nicht die ursprünglich angeklagten "diversen Schläge und Tritte" als erwiesen an, sondern "nur" vier gegen den Kopf und zwei gegen den Körper des Opfers.

Seit August 2012 sitzt der 35-Jährige in U-Haft, weil er dem Opfer nach einem erneutem Aufeinandertreffen massiv gedroht haben soll.